Show-Legende Frank Elstner: Der wahre Bagger-König

Von Alexander Kühn

Was Thomas Gottschalk gerade schmerzlich erlebt, hat sein Vorgänger längst durchlitten: Nach "Wetten, dass..?" muss man durch die Hölle. Frank Elstner hat seine Niederlagen verkraftet. Jetzt wird der Show-Erfinder 70 Jahre alt und zeigt dem Nachwuchs noch immer, was ein Moderator können muss.

Frank Elstner wird 70: Er hat's erfunden Fotos
dapd

Vorigen Sommer hat Frank Elstner noch einmal "Wetten, dass..?" moderiert. In der Arena von Mallorca sagte er eine Baggerwette an, und man hatte das Gefühl, Zeuge eines bedeutenden Fernsehmoments zu sein. Wer in den achtziger Jahren aufgewachsen war, fühlte sich augenblicklich in seine Kindheit zurückversetzt. So wie wenn man beim Entrümpeln sein altes Lieblings-Playmobilmännchen wiederfindet, das zwar nicht mit der Coolness einer Wii-Konsole mithalten kann, aber immer noch so gleichbleibend freundlich dreinschaut wie früher.

Elstners Haare sind längst weiß und seine Brillengläser nicht mehr bildschirmfüllend, ansonsten aber war es in jener Sommernacht noch einmal wie damals. Das mit der Baggerwette machte Elstner so routiniert, als hätte er all die Jahre vorm Spiegel heimlich "Wetten, dass..?" vor sich hinmoderiert. Und nur darauf gewartet, dass man ihn fragt, ob er es nicht noch einmal vor einem Millionenpublikum tun wolle. Thomas Gottschalk, der seinen Vorgänger spontan aus dem Publikum auf die Bühne gerufen hatte, staunte: "Er macht das nicht schlecht!" Worauf Michelle Hunziker begeistert sekundierte: "Er hat's erfunden!"

In Drachenblut gebadet

Elstner nämlich stellte den beiden Männern, die mit Baggern Ping Pong spielten, nicht nur kundig Fragen nach ihrer Technik - er hörte sogar interessiert ihren Antworten zu. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten stand bei "Wetten, dass..?" nicht der Moderator im Mittelpunkt, sondern die Kandidaten. Die kleine Zeitreise zeigte, wie die Sendung sich unter ihrem künftigen Moderator entwickeln müsste, von dem damals noch keiner wusste, dass es Markus Lanz sein wird.

In jener Nacht ahnte auch niemand, zu welch tragischer Figur Thomas Gottschalk im Vorabend des Ersten werden würde. Kein Jahr später befindet sich der Quotenkönig von Mallorca auf dem Tiefpunkt seiner Karriere, weil er sich in ein Abenteuer hineingestürzt hatte, das wenig durchdacht war, all seine Schwächen bloßlegte und von den Zuschauern so konsequent ignoriert wurde, dass die ARD am Mittwoch das Aus von "Gottschalk Live" beschloss.

Vielleicht ist es ja zwangsläufig so, dass man sich als Moderator nach "Wetten, dass..?" für unverwundbar hält, als habe man in Drachenblut gebadet. Elstner hatte die Sendung nach sechs Jahren 1987 abgegeben, weil er glaubte, mit einer neuen Show noch einen draufsetzen zu können. Stattdessen wurde das mit Ideen überfrachtete "Nase vorn" sein größter Flop. Nachdem auch seine nächste Erfindung "Elstner und die Detektive" beim Publikum durchfiel, war er erst mal weg vom Fenster.

Mit Konfektionsware zurück nach oben

Mit Konfektionsware wie dem nachmittäglichen RTL-Quiz "Jeopardy" arbeitete Elstner sich wieder nach oben, die Übernahme der ARD-Show "Verstehen Sie Spaß?" brachte ihn auf die große Bühne zurück, Konzept und Moderator harmonierten jahrelang in freundlicher Harmlosigkeit. Nach wie vor präsentiert Elstner gemeinsam mit Ranga Yogeshwar "Die große Show der Naturwunder". Und im dritten Programm des SWR am späten Samstagabend die Talkshow "Menschen der Woche" - für reifere Zuschauer im Südwesten ein Pflichttermin, denn Elstner ist verlässlich.

Er entstammt einer Zeit, als Moderatoren noch Herren waren. Seinen Stil hat er nie einer Mode angepasst. Er wendet sich gern an die "lieben Zuschauer zu Hause" oder erklärt dem Studiopublikum, dass eine Leistung oder Äußerung eines Gasts "einen Applaus wert" sei. Droht das Gespräch für sein Gegenüber unangenehm zu werden, sagt Elstner, man müsse das jetzt "nicht vertiefen". Manche Gäste komplimentiert er charmant mit der Behauptung hinaus, dass er sich "noch stundenlang mit Ihnen unterhalten" könne, aber leider sei die Sendezeit vorangeschritten.

"Menschen der Woche" kommt aus dem Alten E-Werk in Baden-Baden, das einst das Kurhaus und mehrere Geschäfte der Stadt mit Energie versorgte. Heute steht es unter Denkmalschutz und hat als Talk-Kulisse noch einmal eine schöne Verwendung gefunden. Gäbe es so etwas wie einen Denkmalschutz für Showmaster, gälte der selbstverständlich zuallererst für Frank Elstner, der in seiner großen Zeit das halbe ZDF mit Unterhaltungs-Energie versorgt hat. An diesem Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
papayu 19.04.2012
sind schon lange ausgestorben, die jetzigen sind allesamt 5. Wahl. Wenn man noch mit 60 eine blondgelockter Juengling sein will, macht man sich doch nur laecherlich. Kuhlenkampf, Frankenfeld, Heinz Erhardt, die konnten noch das Publikum mitreissen. Heute muss jeder Gag vom Zettel abgelesen werden! Aber schauen Sie sich doch heute mal die Kommentatoren im ARD, ZDF oder Deutsche Welle an. Die passen doch bloss auf, wenn einer zum Luftholen ansetzt um ihm dann in die Parade zu fahren mit der naechsten daemlichen Frage. Ach war das frueher schon, nur die ARD von 20 bis 24 Uhr, dann die deutsche Nationalhymne. Da brauchte man nur zum Fenster rausschauen. Ging das Licht aus, gingen die Glotzer in die Haia. Und nicht einen Fatz Werbung. Dafuer bezahlten wir DM 5.-- incl. Radio.
2. Beide
landgraftom 19.04.2012
Zitat von sysopWas Thomas Gottschalk gerade schmerzlich erlebt, hat sein Vorgänger längst durchlitten: Nach "Wetten, dass..?" muss man durch die Hölle. Frank Elstner hat seine Niederlagen verkraftet. Jetzt wird der Show-Erfinder 70 Jahre alt und zeigt dem Nachwuchs noch immer, was ein Moderator können muss. Show-Legende Frank Elstner: Der wahre Bagger-König - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,828437,00.html)
sind sie schon um die 70. Mit Stil abzutreten gelingt weder dem Einen noch dem Anderen. Warum können die sich nicht mit Anstand auf Ihren Besitz zurück- ziehen und die Jüngeren mal ans Ruder lassen ?
3. Alles Gute Frank
graubereich 19.04.2012
Zitat von sysopWas Thomas Gottschalk gerade schmerzlich erlebt, hat sein Vorgänger längst durchlitten: Nach "Wetten, dass..?" muss man durch die Hölle. Frank Elstner hat seine Niederlagen verkraftet. Jetzt wird der Show-Erfinder 70 Jahre alt und zeigt dem Nachwuchs noch immer, was ein Moderator können muss. Show-Legende Frank Elstner: Der wahre Bagger-König - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,828437,00.html)
Danke für deinen Stil und die vielen schönen Minuten mit dir. Alles Gute und viel Gesundheit, damit wir noch lange von dir was haben.
4.
Sleeper_in_Metropolis 19.04.2012
Zitat von papayusind schon lange ausgestorben, die jetzigen sind allesamt 5. Wahl. Wenn man noch mit 60 eine blondgelockter Juengling sein will, macht man sich doch nur laecherlich. Kuhlenkampf, Frankenfeld, Heinz Erhardt, die konnten noch das Publikum mitreissen. Heute muss jeder Gag vom Zettel abgelesen werden!
Gottschalk geht ja noch, aber der Rest ist wirklich größtenteils Schotter. Frankenfeld, Kuhlenkampf, Juhnke&Co., das waren noch Künstler der Unterhaltung, Allrounder in ihrem Fach. Dagegen können die meisten heutigen, vom Privatfernsehen angedummten Nachwuchsmoderatoren allesamt einpacken.
5. Ein...
MrSelfDestruct 19.04.2012
wunderschöner Thread für alle "Früher war ja alles soooo viel besser" Leute ;)
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