Berlin - "Wetten, dass..?" feiert an diesem Samstagabend 30. Geburtstag - und Moderator Thomas Gottschalk lässt vor der ersten Sendung nach dem schweren Unfall des Kandidaten Samuel Koch seine Zukunft bei der ZDF-Show offen. Er werde den Zuschauern am Abend seine Entscheidung mitteilen, sagte der 60-Jährige laut "Bild"-Zeitung: "Und ich bin sicher, sie werden mich verstehen."
Gottschalk bestand demnach darauf, seinen Entschluss nicht vor der Sendung in Halle (Saale) zu verkünden. "Das ist eine Angelegenheit zwischen mir und dem Publikum, das mich über 24 Jahre durch viele Samstagabende begleitet hat", sagte er. "Heute Abend werde ich diesen Menschen sagen, wie ich mich entscheide." Die Zeitung hatte auf der Titelseite spekuliert "Verkündet Gottschalk heute seinen Abschied?" Gottschalk habe bisher nur seine Frau, ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner sowie Programmdirektor Thomas Bellut in seine Entscheidung eingeweiht, hieß es.
Auch SPIEGEL ONLINE hat Hinweise, dass Gottschalk heute seinen Rücktritt erklärt, vermutlich aber erst zum Jahresende, wenn sein Vertrag ausläuft.
Ein ZDF-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Diese Gerüchte gebe es seit dem Unfall von Samuel Koch am 4. Dezember, sagte Peter Gruhne. "Mehr ist dazu nicht zu sagen." Das ZDF habe sich an den Spekulationen noch nie beteiligt. Zudem habe Gottschalk immer betont, dass er sich erst am Samstagabend während der Sendung äußern werde.
Gruhne wollte auch Gottschalks Besuch nicht bestätigen. "Das wird er in der Sendung sagen", sagte der Sprecher. Die normalerweise einen Tag vor der Sendung angesetzte Pressekonferenz war dieses Mal ausgefallen. Als Gäste in der Show werden unter anderem Robbie Williams mit Take That, Topmodel Naomi Campbell, Rockmusiker Udo Lindenberg und Chansonnier Max Raabe erwartet.
"Das ist die Kunst eines großen Moderators"
Unterhaltungschef Teubner zeigte sich in der "Berliner Zeitung" zuversichtlich, dass Gottschalk der Übergang von Kochs Unfall zurück zur Unterhaltung gelingen wird. "Das ist die Kunst eines großen Moderators", sagte Teubner. "Verlassen Sie sich ruhig auf Thomas Gottschalk, dass ihm dieser Spagat gelingt."
Koch war am 4. Dezember in der Düsseldorfer Messehalle bei dem Versuch gestürzt, mit Sprungfedern an den Füßen über ein auf ihn zufahrendes Auto zu springen. Der Student wurde schwer an der Halswirbelsäule verletzt und lag wochenlang auf der Intensivstation. Er ist an Beinen und Armen gelähmt. Wegen des Unfalls war zum ersten Mal eine Ausgabe von "Wetten, dass..?" abgebrochen worden.
Das ZDF will künftig die Gefährlichkeit von Wetten auf einer Skala von null bis drei bewerten. Extrem sportive Wetten wie die von Samuel Koch fallen in die höchste Kategorie und sollen nicht mehr durchgeführt werden.
Teubner setzte auf das Verständnis der Zuschauer. Das "Wetten, dass..?"-Publikum sei sehr treu. "Es wird so etwas wie einen Welpenschutz geben - aber wie lange der anhält, kann ich Ihnen nicht sagen", so der ZDF-Unterhaltungschef in der "Berliner Zeitung".
Gottschalk präsentiert "Wetten, dass..?" seit 1987, mit einer Pause zwischen 1992 und 1994. Nach Kochs Sturz hatte er während der Sendung gesagt: "Ich habe immer gesagt: Das wäre für mich das Allerschlimmste, wenn einem meiner Kandidaten in einer Livesendung etwas passiert." Er halte es für seine Pflicht, "hier nicht weiterzuspielen, als wäre nichts passiert".
Gottschalks aktueller Vertrag läuft bis 2012. Die Zusammenarbeit mit dem ZDF wird traditionell per Handschlag verlängert. Trotz der für "Wetten, dass..?"-Verhältnisse in jüngster Vergangenheit nicht mehr so glänzenden Quoten hatten Sender und Moderator aneinander festgehalten.
wit/dapd/dpa
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