Langjähriger Moskau-Korrespondent ZDF-Reporter Dirk Sager gestorben

Mehr als 18 Jahre lang berichtete er aus der Sowjetunion und Russland, er war Korrespondent in Ost-Berlin und leitete "Kennzeichen D". Nun trauert das ZDF um einen engagierten Reporter: Dirk Sager ist in der Nacht zu Donnerstag in Potsdam gestorben. Er wurde 73 Jahre alt.

ZDF/ Wolfgang Lehmann

Mainz/Hamburg - Im November 2002, da war Dirk Sager schon 62 Jahre alt und sprach mit der Erfahrung von über 17 Jahren Korrespondentendienst in Moskau, fasste er das Verhältnis der russischen Regierung zu Reporten wie ihm in einem SPIEGEL-Interview so zusammen: "Wenn wir nicht nützlich sind, dann sind wir ärgerlich. Das möchte man abstellen."

Doch einer wie Dirk Sager ließ sich nicht so leicht abstellen. "Nie hat ihn eine neue Niederlage der Menschlichkeit kaltgelassen", hieß es seinerzeit zur Begründung dafür, dass Sager mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus ausgezeichnet wurde. ZDF-Chefredakteur Peter Frey würdigte nun Sagers Arbeit: "Seine Dokumentationen und Reportagen haben viel zu Verständnis und Versöhnung zwischen Ost und West beigetragen."

Der gebürtige Hamburger Sager war nach ersten journalistischen Stationen bei Radio Bremen, der Westfälischen Rundschau und dem Rias 1968 zum ZDF gekommen. 1980 ging er für die Mainzer zum ersten Mal als Korrespondent in die damalige Sowjetunion. Nach einer Zwischenstation als Leiter der Redaktion "Kennzeichen D" von 1984 bis 1990 kehrte er zurück nach Moskau. Dort war er mit kurzer Unterbrechung von 1990 bis 2004 als Leiter des ZDF-Studios tätig.

"Weder hoch- noch tiefnäsig"

"In seiner Dienstzeit hat Dirk Sager für das ZDF und seine Zuschauer nicht nur die politische Entwicklung der Sowjetunion und Russlands kritisch begleitet, sondern auch in vielen Dokumentationen und Reportagen über die Schönheit des riesigen Landes und die Lebensweise und die Probleme der Menschen in den unterschiedlichen Regionen berichtet", sagte ein ZDF-Sprecher.

Zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises hatte der Liedermacher und DDR-Regimekritiker Wolf Biermann die Laudatio gehalten. Darin lobte er Sager dafür, dass er "ein möglichst wahres und zudem klares Bild der Realitäten von der unsichtbaren, der östlichen Rückseite des politischen Mondes zu liefern" suchte. Dabei sei er weder "hoch- noch tiefnäsig" gewesen.

Auf diese Art machte sich Dirk Sager 2007 auf zu seiner letzten großen Dokumentation: Der Vierteiler "Berlin-Saigon" im Jahr 2007 war ein großes Abenteuer. In Dutzenden von Zügen war er über 16.000 Kilometer unterwegs von der deutschen Hauptstadt bis nach Vietnam. "Meisterhaft" verwob er dabei nach Ansicht des SPIEGEL darin "Eisenbahneindrücke, Landschaftsbilder und historisch-politische Information." Ein begleitendes Buch wurde zum Bestseller.

Im vermeintlichen Reporter-Ruhestand war Sager auch ehrenamtlich tätig: So amtierte er als stellvertretender Vorsitzender der Schriftstellervereinigung P.E.N. Deutschland und auch als Vorstandsmitglied der Organisation Reporter ohne Grenzen.

Wie das ZDF mitteilte, ist Dirk Sager in der Nacht zu Donnerstag im Alter von 73 Jahren in Potsdam gestorben.

feb/dpa



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nocheinbuerger 02.01.2014
1.
Zitat von sysopZDF/ Carmen SauerbreiMehr als 18 Jahre lang berichtete er aus der Sowjetunion und Russland, er war Korrespondent in Ost-Berlin und leitete "Kennzeichen D". Nun trauert das ZDF um einen engagierten Reporter: Dirk Sager ist in der Nacht zu Donnerstag in Potsdam gestorben. Er wurde 73 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-korrespondent-dirk-sager-gestorben-a-941555.html
Unabhängig vom traurigen Anlaß, um den es hier geht: Egal, was immer auch berichtet wird, aber der obligatorische Seitenhieb auf das böse Rußland durfte nicht fehlen. Das kenne ich aus DDR-Zeiten, wenn es um den Klassenfeind im Westen ging.
mielforte 02.01.2014
2. Das war wirklich einer von den Guten!
Den mochte ich besonders. Legendär sein Interview mit Manfred Krug an der Bornholmer Brücke nach dessen Ausreise nach West-Berlin. Ich verbinde Sager mit gut gemachtem Polit-Infotainment, weil man ihm gern zuhörte.
berlino1010 02.01.2014
3.
Dirk Sager hat nach der Kindheit mit dem "Kurier des Zaren" mein Russland-Bild neu geprägt. Immer mit viel Hingabe hat er gerade auch über das Leben einfacher Russen berichtet. Danke.
cbronk 02.01.2014
4.
Der Hinweis auf das Verhalten der russischen Regierung gegenüber Journalisten ist kein Seitenhieb, sondern beschreibt eine traurige Tatsache. Die Arbeit unabhängiger Journalisten in Russland ist im besten Fall mühsam, im schlimmsten Fall lebensgefährlich. Und bevor das "ja aber.." - USA/NSA - Bashing wieder los geht: dort müssen missliebige Journalisten die ein oder andere Unterlassungsklage oder Quelleneinsicht erdulden. Schlimm genug. Aber kein Arbeitslager oder Mord a la Russland. Und ein russisches Gegenstück zu Snowden wäre nicht auf Asyl in den USA, sondern längst tot.
voevoda 02.01.2014
5. Habe nur seine späte Tätigkeit mitbekommen
Im Gedächtnis wird er mir aber als jemand bleiben, der im Chor der gleichgeschalteten einseitigen Russland-Basher kräftig mitanstimmte.
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