ZDF-Vierteiler "Nix Festes" Von Sex, Frust und Projekten

Job und Beziehungen zwischen Kiezkneipen und Altbauwohnungen: Die Miniserie "Nix Festes" beleuchtet die Suchbewegungen von Leuten "um die 30" - und erzählt nebenbei von den Sorgen des ZDF.

ZDF/ Christoph Assmann

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Berlin, tja. Man sollte meinen, das sei als Biotop schon langsam auserzählt. Ist es aber nicht, sondern läuft offenbar immer weiter, trotz Gentrifizierung und Hipstern, mit Schnauze und Hundescheiße, Siegessäule und Altbauwohnungen, Kiezkneipe und Klubleben, Sex und Projekten, scheitern, wieder scheitern, besser scheitern.

Wenn die Sitcom "Nix Festes" also die beruflichen und beziehungstechnischen Suchbewegungen von Leuten "um die 30" untersucht, ist das erst einmal alles andere als originell - zumal das Genre auch im Ausland von allen Seiten beleuchtet ist, von "Friends" bis "Master of None".

Entwaffnend dann aber, wie direkt gleich in der ersten Szene der auf vier Episoden angelegten Halbstünder alle Vorbehalte aufgefangen werden. Wiebke (Josefine Preuß) und Jonas (Sebastian Fräsdorf) versuchen, einem Sender ihr Drehbuch zu verkaufen - eine Sitcom über die Suchbewegungen von Leuten "um die 30" in Berlin.

Der Verantwortliche findet's gut, schränkt aber ein: "Berlin, weißte, Berlin ist doch wieder vorbei." Und "warum eigentlich Leute um die 30? Wie wär's mit Senioren? Best-Ager!" Ihm schwebt am Ende eher eine WG in Wuppertal vor, mit behinderten und farbigen Puppen im besten Alter: "Und zum Schluss kommt Oli P. rein und rappt über den Abspann!"

Hübscher lassen sich die Sorgen eines Senders wie dem ZDF kaum auf den Punkt bringen, der für ein schwerhöriges Publikum ein altbackenes Programm macht. Nebenbei nimmt sich ZDFneo als Gegenentwurf mit "Nix Festes" ebenfalls auf den Arm. Die Jugend bekommt eben nichts auf die Reihe, hat kein Geld und muss, wenn sie denn welches verdienen will, doch wieder Gags für die Berliner Müllabfuhr oder Helene Fischer (ZDF) schreiben.

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"Nix Festes" im ZDF: Gags für die Müllabfuhr

Regisseur Christoph Schnee inszeniert konventionell und macht das Beste aus einem sichtlich geringen Budget, seine Autoren Markus Barth und Lars Albaum (u.a. "Mord mit Aussicht", "Dani Lowinski") liefern die bisweilen allzu wortwitzigen Dialoge, die oft klingen, wie von einem routinierten Duo ausgedacht: "Man sollte das ganze Internet einstampfen und wieder auf Daumenkino und Brieftauben umsteigen." Getragen wird "Nix Festes" aber weniger von den Pointen (auch wenn es gelungene gibt, gerade die beiläufigen) als vielmehr vom Ensemble.

Während Preuß den Zuschauer mit ihrer notorisch schlechten Laune ("Hast echt 'n Rückgrat wie ein Wattwurm!") anfangs eher unlustig und deren naive Mitbewohnerin Jenny (Marie Rathschek) ratlos macht, strahlen Jonas und sein schwuler Mitbewohner Basti (Tim Kalkhof) umso heller. Beide werfen sich der Stadt und ihren Gelegenheiten inbrünstig in die Arme - der anspruchsvolle Pessimist stolpert von Enttäuschung zu Enttäuschung, der anspruchslose Optimist landet immerhin mit zahlreichen Liebhabern gleichzeitig im Bett und sorgt sich um die "verklemmten Heten".

Gegenpol der hibbeligen Clique ist der misanthrope Lennart (Dirk Martens), der einst ebenfalls als Autor reüssieren wollte und als Cafébesitzer gelandet ist. Den Traum von der Festanstellung hat er sich selbst erfüllt, mehr schlecht als recht, eine feste Beziehung hat er aber auch nicht. Die hier verhandelten Themen (Veganismus, Gender, Start-ups, Instagram, YouTuber, Yoga, Mietpreise, "Friends with benefits", Hartz-IV) gehen ihn rein gar nichts an. Er ist sozusagen der klassische ZDF-Protagonist.

Eine geheime Hauptrolle aber spielt dann doch Berlin, als brodelndes Großstadttableau in Szene gesetzt und unterlegt mit geschmackvollem Indie-Pop. Vielleicht sollte man da mal hinziehen.


"Nix Festes" läuft ab dem 27. Februar auf ZDF neo und im ZDI



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spon-46v-c1g9 27.02.2018
1. Autoren und Regisseure
Autoren als "seine Autoren", sprich die Autoren des Regisseurs, zu bezeichnen, zeugt einmal mehr von der weit verbreiteten Ahnungslosigkeit die hierzulande darüber herrscht, wie eine Fernsehserie entsteht und produziert wird. In den meisten Fällen (ja, in den allermeisten!), weiß der Regisseur gar nicht, dass die Serie überhaupt existiert, während die Autoren schon jahrelang daran arbeiten. Oft kommt der Regisseur sogar erst ins Boot, wenn die Drehbücher schon fertig sind. Die Autoren stehen immer am Anfang, so einfach ist es. Und in dem Moment, in dem ein Regisseur oder Produzent am Anfang eines Projektes steht und selber schreibt, was er sich da so vorstellt - ja, in dem Moment wird er selbst zum Autor. Es wäre doch so einfach, den Autoren einfach die gleiche Wertschätzung zu geben, wie Regisseuren. In den USA und anderen Ländern ist das doch auch so. Wieso geschieht das bei uns nicht auch einfach? Ich will hier keine Unterstellungen machen ("Ahnunslosigkeit" etc.) und nicht unnötig mäkeln. Ansonsten fand ich den Artikel sehr gut. So langsam muss sich nur was ändern, was die Wertschätzung der Drehbuchautoren angeht.
miriam_rosenstern 02.03.2018
2. Bitte nicht stören
Zitat von spon-46v-c1g9Autoren als "seine Autoren", sprich die Autoren des Regisseurs, zu bezeichnen, zeugt einmal mehr von der weit verbreiteten Ahnungslosigkeit die hierzulande darüber herrscht, wie eine Fernsehserie entsteht und produziert wird. In den meisten Fällen (ja, in den allermeisten!), weiß der Regisseur gar nicht, dass die Serie überhaupt existiert, während die Autoren schon jahrelang daran arbeiten. Oft kommt der Regisseur sogar erst ins Boot, wenn die Drehbücher schon fertig sind. Die Autoren stehen immer am Anfang, so einfach ist es. Und in dem Moment, in dem ein Regisseur oder Produzent am Anfang eines Projektes steht und selber schreibt, was er sich da so vorstellt - ja, in dem Moment wird er selbst zum Autor. Es wäre doch so einfach, den Autoren einfach die gleiche Wertschätzung zu geben, wie Regisseuren. In den USA und anderen Ländern ist das doch auch so. Wieso geschieht das bei uns nicht auch einfach? Ich will hier keine Unterstellungen machen ("Ahnunslosigkeit" etc.) und nicht unnötig mäkeln. Ansonsten fand ich den Artikel sehr gut. So langsam muss sich nur was ändern, was die Wertschätzung der Drehbuchautoren angeht.
Die Autoren erfahren keine Wertschätzung, weil Schreiben ja schließlich jeder kann und keine Technik involviert ist, so dass eventuell eine Handwerksehre fällig wäre. Über die Techniken des Schreibens wäre gesondert zu reden. Sie sind oft nicht mehr als Mechaniken und eben das, was automatisiert abläuft und lediglich abgewandelt werden muss. Erfolg führt immer zum Wiederholungszwang und zur Imitation. | Bitte stören Sie nicht das Publikum während der Rezeption. Wir verlieren es sonst.
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