Angeblich falsche Darstellungen ZDF in Polen wegen Serie "Unsere Mütter, unsere Väter" verurteilt

Etwa 5000 Euro und eine Entschuldigung: Dazu hat ein polnisches Gericht die Macher von "Unsere Mütter, unsere Väter" verurteilt. In der Miniserie soll Polens Heimatarmee falsch dargestellt worden sein.

Volker Bruch (links) und Tom Schilling bei den Dreharbeiten für "Unsere Mütter, unsere Väter" (Archiv)
DPA

Volker Bruch (links) und Tom Schilling bei den Dreharbeiten für "Unsere Mütter, unsere Väter" (Archiv)


Ein Gericht in Krakau hat das ZDF wegen seines Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" zu Schmerzensgeld und einer Entschuldigung verurteilt. Richter Kamil Grzesik sagte zur Begründung, in der Miniserie würden Soldaten der polnischen Heimatarmee Armia Krajowa "nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit" dargestellt.

Diese Falschdarstellung habe "direkte Auswirkungen" auf die "Ehre und Würde" des Klägers, des 94-jährigen Zbigniew Radlowski. Der Überlebende eines Konzentrationslagers hatte die Klage mit Unterstützung des Verbands der Soldaten der Heimatarmee angestrengt.

Die Armia Krajowa war während des Zweiten Weltkriegs die Armee der polnischen Exilregierung in London. Der Vorwurf gegen die Macher der ZDF-Serie lautete, dass die Armia-Krajowa-Soldaten als Antisemiten und aggressive Nationalisten dargestellt würden. In Polen löste das Entrüstung aus. Vor allem rechtskonservative Politiker kritisierten den Dreiteiler als deutschen "Propagandafilm".

Das Krakauer Gericht verurteilte das ZDF und die UFA-Produktionsfirma von "Unsere Mütter, unsere Väter" nun dazu, Radlowski umgerechnet ungefähr 5000 Euro zu zahlen und eine Entschuldigung zu veröffentlichen.

ZDF will in Berufung gehen

Das ZDF kündigte an, das Urteil anzufechten. Es teilte sein Bedauern darüber mit, dass das Gericht "der künstlerischen Freiheit nicht genügend Beachtung geschenkt" habe. Der Sender erinnerte daran, dass er bereits 2013 auf die Kritik an bestimmten Passagen reagiert habe.

Damals hatte es geheißen, dass großer Wert "auf eine differenzierte Darstellung aller Figuren" gelegt worden sei. Dies betreffe auch die Menschen, denen der flüchtige deutsche Jude Viktor in Polen begegne, etwa eine Polin, die ihn schütze, oder den Sohn eines polnischen Bauern, der die beiden vor der Entdeckung durch die Deutschen rette.

Der Dreiteiler handelt von fünf miteinander befreundeten jungen Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. Einer von ihnen, Viktor, entkommt seiner Deportation ins NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und schließt sich der Heimatarmee an.

Die ZDF-Miniserie wurde 2014 mit dem Internationalen Emmy ausgezeichnet. Der Ableger des renommierten US-Fernsehpreises Emmy wird für TV-Produktionen außerhalb der USA vergeben. "Unsere Mütter, unsere Väter" erhielt im selben Jahr auch die Goldene Kamera der Programmzeitschrift "Hörzu".

bbr/AFP



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