Rodler-Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" "Einfliegen ist die billigere Variante"

Einmal von Sotschi nach Deutschland und zurück: Das ZDF hat die deutschen Gold-Rodler für einen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" einfliegen lassen - und sich damit viel Kritik eingehandelt. Im Interview weist Sport-Chef Dieter Gruschwitz die Vorwürfe zurück. Er würde es wieder so machen.

ZDF-Moderator Jochen Breyer und die deutschen Rodler: Zu teuer?
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ZDF-Moderator Jochen Breyer und die deutschen Rodler: Zu teuer?


Zur Person
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    Dieter Gruschwitz, Jahrgang 1954, leitet seit neun Jahren die Hauptredaktion Sport des ZDF. Er hat in Mainz Publizistik, Slawistik und Anglistik studiert und arbeitet seit 1996 beim Zweiten Deutschen Fernsehen. Die Olympischen Spiele begleitet er als Reporter und Redakteur seit 1988.
SPIEGEL ONLINE: Herr Gruschwitz, das ZDF hat zusammen mit der ARD ein Studio in Sotschi, das mehrere hunderttausend Euro gekostet hat. Trotzdem haben Sie die deutschen Rodler plus Trainer für einen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" nach Mainz einfliegen lassen, finanziert von Rundfunkgebühren. War das wirklich nötig?

Gruschwitz: Das "Aktuelle Sportstudio" ist eine Sendung mit Publikum, und deshalb gibt es die Erwartungshaltung, dass in diesem Studio auch etwas passiert. An diesem Samstag boten sich die vier Rodler als Gäste an. Wann, wenn nicht jetzt, hätte man sie einladen sollen, um ihnen nach solch einer erfolgreichen Woche auch die entsprechende Wertschätzung entgegenzubringen? Die Rodler hatten dann allerdings die Bitte, auch wieder zurückgeflogen zu werden. Hätte ich sagen sollen: Nein, zurückfliegen wollen wir Sie nicht mehr, das ist uns zu teuer? Da sehe ich schon wieder die nächste Schlagzeile.

SPIEGEL ONLINE: Nun geht es in der Diskussion nicht um einzelne Flüge, sondern darum, dass Sportler überhaupt nach Deutschland geflogen werden, obwohl es in Sotschi ein Studio vor Ort gibt.

Gruschwitz: Dann müssen Sie aber auch die Situation vor Ort kennen. Durch die Zeitverschiebung hätten die Rodler zwischen 2.30 und 3.30 Uhr morgens Ortszeit interviewt werden müssen. Es musste auf jeden Fall eine Live-Schaltung sein, weil das Studio in Sotschi vorher besetzt war. Wir haben am Samstag ja auch noch ganz normal das Olympia-Programm von hier aus gefahren. Zudem hätten wir in der Nacht für das Rodler-Interview noch 15 Leute gebraucht, aus Produktion, Technik, Regie.

SPIEGEL ONLINE: Personal brauchen Sie in Mainz zur Aufzeichnung der Sendung aber auch.

Gruschwitz: Aber kein zusätzliches, das ist hier ja eh vorhanden. Sonst wäre die Sendung mit anderen Gästen gelaufen, die Produktionskosten wären also so oder so angefallen.

SPIEGEL ONLINE: Wie setzen sich die Kosten für den Auftritt der eingeflogenen Rodler konkret zusammen?

Gruschwitz: Insgesamt sind es maximal 2500 Euro für fünf Personen inklusive Flug und Übernachtung. 402 Euro hat jeweils das Flugticket gekostet. Zudem haben wir die Übernachtung in einem Hotel in Mainz gezahlt, in dem wir unsere Gäste immer unterbringen, das liegt etwa bei 80 Euro. Das Abholen vom Flughafen haben wir mit einem ZDF-Fahrzeug erledigt, das wäre allerdings auch bei einem anderen Gast vonnöten gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Unterm Strich war es also günstiger, Felix Loch, Natalie Geisenberger, Tobias Wendl und Tobias Arlt und ihren Trainer Norbert Loch einfliegen zu lassen?

Gruschwitz: Die Variante mit dem Einfliegen ist meiner Einschätzung nach die billigere. Wir hätten das bestimmt nicht gemacht, wenn es hinterher 10.000 Euro gekostet hätte. Aber diese Summe war für uns in einem absolut verträglichen Rahmen. Das sind uns diese Sportler wert. Hätten wir die Rodler nicht in Mainz gehabt, hätten wir einen anderen Studiogast dort haben müssen. Und das hätte eben auch bedeutet, dass die Rodler nicht diese Aufmerksamkeit und große Bühne bekommen hätten.

SPIEGEL ONLINE: Es gab ja aber auch noch die Alternative der Live-Schaltung aus Sotschi, wodurch man die Rodler von dort aus in der Sendung gehabt hätte.

Gruschwitz: Ja, natürlich hätte man das machen können. Aber es ist doch eine vollkommen andere Atmosphäre, ob die Gäste in Mainz im Studio sitzen, mit dem dortigen Moderator, mit dem Publikum dort einen Auftritt bekommen und man auch diverse Aktionen mit ihnen machen kann. Oder ob man sie in einem kalten, nackten Studio Tausende Kilometer entfernt nachts um halb drei interviewt. Außerdem wäre schon allein die Zeit eine Zumutung für die Rodler gewesen, nachdem sie eine Woche Wettkampf-Stress hinter sich hatten.

SPIEGEL ONLINE: Bei Twitter gab es schnell kritische Reaktionen auf die Umstände des Rodler-Auftritts, daraufhin hat das ZDF die Flugkosten offengelegt. Würden Sie das wieder so machen?

Gruschwiz: Absolut. Trotzdem verstehe ich die ganze Diskussion wirklich nicht, weder unter dem finanziellen noch dem programmbezogenen Aspekt. Uns wird immer wieder vorgehalten, dass das "Aktuelle Sportstudio" zu fußballlastig sei. Dann markieren wir nach einer großartigen Olympischen Woche den Triumph der Rodler, indem wir sie in die Sendung einladen. Und dann wird dieser eigentlich positive Inhalt überlagert von einer Diskussion, ob wir dafür 2000 oder 2500 Euro dafür ausgeben dürfen oder nicht.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie einen solchen Fall dennoch wieder so handhaben?

Grutschwitz: Das ist immer eine Einzelabwägung. Die insgesamt vier Olympiasiege der deutschen Rodler sind schon eine ganz besondere Ausnahmesituation. Ich glaube ohnehin, das ist eine reine Mediendiskussion, die weit an dem vorbeigeht, was unsere Zuschauer empfinden. Das Feedback zu der Sendung selbst war sehr positiv, und es wäre nicht so gewesen, wenn wir dort zum x-ten Mal einen Fußballer als Gast gehabt hätten.

Das Interview führte Vanessa Steinmetz

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Seite 1
juergw. 18.02.2014
1. Der GEZ Topf ist wohl gefüllt...
Zitat von sysopZDFEinmal von Sotschi nach Deutschland und zurück: Das ZDF hat die deutschen Gold-Rodler für einen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" einfliegen lassen - und sich damit viel Kritik eingehandelt. Im Interview weist Sport-Chef Dieter Gruschwitz die Vorwürfe zurück. Er würde es wieder so machen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-sportchef-verteidigt-rodler-auftritt-im-aktuellen-sportstudio-a-954170.html
immer diese Meckerer.Recht hat der Sport Chef,ist doch nicht sein Geld ,immer aus den Vollen.
tadamtadam 18.02.2014
2. aha
zitat: "Ja, natürlich hätte man das machen können. Aber es ist doch eine vollkommen andere Atmosphäre, ob die Gäste in Mainz im Studio sitzen, mit dem dortigen Moderator, mit dem Publikum dort einen Auftritt bekommen und man auch diverse Aktionen mit ihnen machen kann. Oder ob man sie in einem kalten, nackten Studio Tausende Kilometer entfernt nachts um halb drei interviewt. Außerdem wäre schon allein die Zeit eine Zumutung für die Rodler gewesen, nachdem sie eine Woche Wettkampf-Stress hinter sich hatten." Ich weiß gar nicht, wo ich anfagen soll... 1.: Für die Zuschauer am TV ist es irrelevant, ob man die Rodler in Mainz oder in Sotschi im Studio hat. Man veranstaltet den Zirkus für 50 Publikumshanseln im Studio. Lächerlich. 2. Die Zeitumstellung ist für die Rodler irrelevant. Es kommt aufs gleiche raus. Dadurch, dass die Sportler wieder zurückfliegen, ist es für ihre innere Uhr, egal ob in Mainz oder Sotschi, 3 Uhr morgens. Die einzige Möglichkeit, das zu umgehen, wäre eine Aufzeichnung in Sotschi gewesen. Unfassbar, wie sich manche Leute Gebührenverschwendung zurechtreden...
rudig 18.02.2014
3. naja,
Zitat von sysopZDFEinmal von Sotschi nach Deutschland und zurück: Das ZDF hat die deutschen Gold-Rodler für einen Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" einfliegen lassen - und sich damit viel Kritik eingehandelt. Im Interview weist Sport-Chef Dieter Gruschwitz die Vorwürfe zurück. Er würde es wieder so machen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-sportchef-verteidigt-rodler-auftritt-im-aktuellen-sportstudio-a-954170.html
so wichtig sind Rodler doch nicht, daß man sie extra einfliegen lässt.
berndine 18.02.2014
4.
Absolut! Es gibt halt immer Leute, die sich beschweren und von allem keine Ahnung haben. Schön, dass das ZDF (aktuelle Sportstudio) die Rodler und deren Leistung entsprechend gewürdigt hat. 2500 Euro. Pille Palle. Meine Güte.
Niederbayer 18.02.2014
5.
Solange man nicht mit dem ADAC Rettungsheli einschwebt sollte das kein Problem sein. Haben wir echt keine anderen Sorgen in Deutschland?
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