Umstrittenes Filmprojekt Anne-Frank-Fonds kritisiert ZDF als "respektlos"

Der Anne-Frank-Fonds greift Oliver Berben scharf an: Der Produzent will für das ZDF einen Film über die im KZ Bergen-Belsen ermordete Schülerin realisieren - ohne das Einverständnis der Rechteinhaber. Der Sender verteidigt sein Vorhaben.

Anne Frank (hier 1941): 2015 jährt sich Todestag der ermordeten Schülerin zum 70. Mal
DPA/Anne Frank Fonds Basel

Anne Frank (hier 1941): 2015 jährt sich Todestag der ermordeten Schülerin zum 70. Mal


Mainz - Filmproduzent Oliver Berben stößt mit seinem Vorhaben, die Lebensgeschichte der Anne Frank für das ZDF zu verfilmen, auf heftige Kritik. Der in Basel ansässige Anne-Frank-Fonds, der die Erben vertritt, wirft dem Sender "respektloses Verhalten" vor. Das Projekt solle ohne Rücksprache mit der Familie realisiert werden, die alle Rechte an den diesbezüglichen Materialien innehabe. Der Fonds plant einen eigenen Film über die von den Nationalsozialisten ermordete Schülerin. Dieser soll auf Originaltexten der Tagebücher, neu publiziertem Archivmaterial und anderen Dokumenten basieren, heißt es in einer Mitteilung der Rechteverwertungsstiftung.

Über dieses Filmprojekt hätte der Fonds das ZDF bereits im Frühjahr 2012 informiert. Der Sender habe damals eine Beteiligung daran abgelehnt. Der Anne-Frank-Fonds vergab die Rechte an eine Produktionsgesellschaft, die den Film 2015 in den europäischen Kinos zeigen will.

Auch Berben plant eine Ausstrahlung des von ihm produzierten Filmes im Jahr 2015 - zum 70. Todestag Anne Franks. "Es gibt zwar schon mehrere Filme über Anne Frank, aber noch keine rein deutsche Produktion", hatte Berben zuvor dem SPIEGEL gesagt. Der Zweiteiler soll in der Zeit zwischen 1939 und 1944 spielen und vom Leben der Franks erzählen.

"Mangel an Sensibilität"

"Der Anne-Frank-Fonds Basel hat kein Verständnis dafür, dass (...) das ZDF nun plötzlich verkündet, mit Constantin-Geschäftsführer Oliver Berben einen Film über Anne Frank zu produzieren. Das verstößt nicht nur gegen Usanzen, Fairness und Anstand, sondern stellt ein respektloses Verhalten gegenüber einer im Holocaust weitgehend vernichteten Familie dar", heißt es in der Stellungnahme. "Nur ein Mangel an Sensibilität im Umgang mit jüdischem Erbe führt zu solchen Exzessen." Der Fonds fordert das ZDF dazu auf, das Projekt zu stoppen und die Rechte der Familie "konsequent zu respektieren".

Das ZDF will gegen jede Kritik weiter an dem Filmprojekt festhalten. Der Sender erklärte am Dienstag: "Es war und ist nicht die Absicht des ZDF, der Familie und dem Fonds respektlos zu begegnen." Dem Anliegen schade es aus der Sicht des ZDF nicht, wenn sich mehrere Projekte dieser Aufgabe annähmen.

Im Juni 1942 hatte Anne Frank mit der Niederschrift eines Tagebuches begonnen. Dieses Tagebuch wurde zu einem erschütternden Dokument jüdischen Schicksals im Rassenwahn des Dritten Reiches. Mehr als zwei Jahre konnte sich die Familie vor den Nationalsozialisten verstecken. der letzte Eintrag des Tagebuches stammt vom 1. August 1944. Wenige Tage später wurde das Versteck entdeckt. Alle Versteckten, einschließlich der holländischen Unternehmensleiter, die das Untertauchen der Familie Frank ermöglicht hatten, wurden verhaftet und in Konzentrationslager überführt.

Von den "Untergetauchten" überlebte lediglich der Vater, der 1945 in Auschwitz befreit wurde. Anne Frank starb im März im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

kha/dpa



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