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Apostroph's: Post an den Zwiebelfisch

Wer hat Schuld an der Apostrophitis? Die Ossis? Die Wessis? Die Amis und die Briten? Oder sind's am Ende gar die Niederländer? Die Zwiebelfisch-Leser sind sich in dieser Frage nicht einig, aber wie so oft haben Sie zum Thema viel zu sagen. Lesen Sie hier eine Auswahl der Leserbriefe zum Artikel über die "Apostroph's".

Schild in Neuruppin: Man versteht nur Bahnhof's

Schild in Neuruppin: Man versteht nur Bahnhof's

Lieber Zwiebelfisch, Ihrer Behauptung, der von vielen gescholtene so genannte Deppen-Apostroph sei zwar imbissbudenfähig, aber noch nicht salonfähig geworden, möchte ich mit einem kleinen Hinweis widersprechen: Auf der Webseite meines Uni-Präsidenten bin ich vor einiger Zeit schon auf den Apostroph gestoßen: "Humboldt's Universität heute: Anspruch und Wirklichkeit in Zeiten knappen Geldes". So viel also zur Salonfähigkeit. Ich habe schon 2003 vorgeschlagen, den Apostroph als erstes einzusparen. Leider folgt man meinem Vorschlag nicht und schließt stattdessen nun meine Fakultät.

Jan Vaillant, Berlin


Mein Favorit: Die "Leberkä's-Semmel" - man findet sie in München in der Implerstraße (Ecke Senserstraße) auf der Speisekarte einer Eckkneipe.

Stephan Schäff


Hören's auf, lieber Herr Sick, ich liege schnaufend am Boden - als gelernter Setzer haut mich die Apostrophitis komplett um. Aber dazu kommt ja noch das Problem mit den Keyboard's (Tastaturen), weil die meisten Mitmenschen beim Tippen ja so'was fabrizieren, in Verkennung der richtigen labs'kaus. Nun ist bei der deutschen Mac-Tastataurbelegung der richtige Apostroph versteckt unter "optionen", und bei dem Microsoftzeugs weiß ich's leider nicht, aber ich mache trotzdem ein paar Fotos. Viele Grüße aus L'beck, von Marzipan über Mann zu Grass'

Thorsten Wulff, Lübeck


Schön, dass Sie sich des Apostrophs erbarmen! Anbei ein weiteres Beispiel (Siehe rechts). Vielleicht sollte man dies als zaghaften Versuch werten, es allen recht zu machen. Der Kontext spricht allerdings eher für wildentschlossene Unentschiedenheit: Da wird zunächst die "Brez'n" ohne Not zerhackt, dann aber der "original Händlmaiers" Senf ohne den original Händlmaier's-Apostroph geschrieben. (www.haendlmaier.de)

Bleibt noch nachzutragen, das meistens der falsche Apostroph auch noch typographisch falsch gesetzt wird. Da wird anstelle des geraden Auslassungszeichens ein schräger Akzent verwendet. Zur Typografie des Apostrophs: www.weihenstephan.org

Lustig ist auch, dass die Diskussion über den Apostroph selbst auf Anti-Apostrophitis-Seiten nicht immer nur versachlicht, sondern zuweilen auch versächlicht wird. Da wird dann "das Apostroph" beanstandet.

Bernhard Kraker von Schwarzenfeld


Auf diese Kolumne habe ich gewartet! Bitte schauen Sie auch mal unter http://members.aol.com/apostrophs nach. Diese Seite hatte mir ein Dozent an meiner Uni mal empfohlen. Sehr kurzweilig. Gleich auf der Startseite finden Sie den Bauer'n-Hof... In Berlin gab es bis vor kurzem ja noch die "Kruse's Sport's Bar". Leider hab ich nie ein Foto gemacht. Viele Grüße und tausendmal Danke für Ihre aufhellenden Kolumnen.

Daniel Spindler, Berlin


Beim PC wird der Apostroph auf der Tastatur über die Tastenkombination Shift plus # erzeugt: Häufig wird aber die Akzent-Taste in Kombination mit der Leertaste dafür verwendet. Das sieht dann nicht sehr hübsch aus, da eine riesenhafte Lücke zwischen den beiden benachbarten Buchstaben klafft.

Merlin Schumacher


Die Apostrophen-Inflation ist meiner Ansicht nach ein Symptom der Entstehung einer neuen Sprache, des Denglischen. Im Unterschied zur häufig geäußerten Meinung, das "Denglisch" manifestiere sich in der zunehmenden Verwendung von englischen Worten in der deutschen Sprache, ist es meiner Auffassung nach viel mehr die Anwendung der englischen Syntax auf deutsche Sätze.

Vor einem Vorurteil möchte ich allerdings warnen, demjenigen nämlich, dass diese Entwicklung neu sei. Vielmehr glaube ich, dass diese Erscheinungen heute sichtbar werden, weil jeder durch die Entwicklung der medialen Techniken öffentlich schreiben kann. Das war bis dahin nicht so, denn öffentlich Schriftsätze verfassen konnte man nur in Redaktionen oder in Behörden, und um dahin zu kommen, musste man in der Regel ein Abitur nachweisen, das man wiederum nur bekam, wenn man Deutsch bis zum Schluss als Hauptfach (!) überstanden hatte.

Hans Joachim Faust, Gießen


Ich kann keine Apostrophenkatastrophen anbieten. Bei dieser Hatz auf vermeintliche Sprachschädlinge handelt es sich um einen alten Volkssport im Internet, und dessen Protagonisten haben sich selbst der größten Lächerlichkeit preisgegeben. Ich habe einmal eine Hass-Seite gefunden, die sich nicht entbödete, im besten Glauben die australische Biermarke "Foster's" in ihre Galerie der vermeintlichen Peinlichkeiten aufzunehmen.

So kann man sich irren. Sprache ist, was gesprochen wird. Ich verstehe "nicht's" und ich verstehe auch, wessen Geistes Kind die Verfasser sind (oder "wes"? Ich bitte um Aufklärung). Es wird im Internet-Zeitalter viel und hektisch geschrieben. Man mag sich ja darüber belustigen, dass nicht alle peinlich genau auf die Einhaltung des gemeinsamen Kodex achten. Muss man aber nicht, unser Sprachsystem ist hochgradig fehlertolerant.

Timm S. Mueller


Das mit dem Plural-Apostroph könnte auch aus den Niederlanden rübergeschwappt sein. Hier ist's sprachlich üblich, öfter mal nach a, o und u das Plural-s mit Apostroph abzutrennen: paraplu's, auto's, buro's met vier la's, kado's - das sind Regenschirme, Autos, Schreibtische mit vier Schubladen und Geschenke.

Aber es wär schon verwunderlich, wenn die Oosterburen sich plötzlich einmal an den Niederlanden orientieren würden...

Christian Steglich, Groningen

Antwort vom "Zwiebelfisch": Es stimmt, dass die Niederländer gerne das Plural-s apostrophieren. Sucht man im Netz nach "Auto's", so findet man hauptsächlich niederländische Seiten. Es wäre wünschenswert, wenn die Niederlande einen stärkeren kulturellen Einfluss auf Deutschland hätten - wir könnten sehr viel Gutes von unseren Nachbarn lernen. Aber dass da etwas "rübergeschwappt" ist, erscheint mir unwahrscheinlich; es würde ja voraussetzen, dass die Deutschen sich für Sprache und Schrift der Niederländer interessierten, und ich bezweifle, dass das der Fall ist. Helas!


Dieses Problem beschäftigt die Engländer auch. Schade, dass auch Dummheiten rüberschwappen. Ich empfehle dazu das Buch von Lynn Truss: "Eats, Leaves and Shoots".

Joey Ovey, England


Der Artikel spricht mir aus der Seele. Da die totale Apostrophe bei uns im Osten allerdings erst nach der Wende ausgebrochen ist, habe ich sie bislang immer den Wessis zugeschrieben. Vielleicht haben beide Seiten das gemeinsam verbockt. Fakt ist, dass öffentliche Schriften (Zeitungen, Bücher, etc.) in der DDR nicht nur inhaltlich zensiert wurden, sondern auch weit gehend frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern waren.

Matthias Klaus, Zörnigall


Meine Deutschlehrerin brachte uns bereits 1987 in der Schule bei: "Die deutsche Sprache kennt keinen Apostroph!". Sie gab dann zwar zu, dass das nicht ganz richtig ist; aber man mache wesentlich weniger Fehler, wenn man einfach keinen setze. Diese Begebenheit verdeutlicht, dass es auch schon vor der "Wende" im Westen der Republik offensichtlich genug Apostrophenkatastrophen gab, um eine Lehrerin zu solcher Aussage zu bringen!

Martin Kleinschmidt, Düsseldorf


Frittenbudenschilder mit apostrophiertem Genitiv zu finden, ist ja mittlerweile Volkssport geworden. Auch schon nicht mehr wirklich komisch. Allerdings apostrophierte Thomas Mann immer das Genitiv-s bei Eigennamen, was den Sprachschützern anscheinend noch nicht aufgefallen ist. ("Settembrini's", "Naphta's", aber: "Castorps") Aber Thomas Mann gegenüber lässt sich auch nicht so gut der herablassend resignierende Oberlehrerton anschlagen wie bei Wurstverkäufern und Frisösen.

Ferdinand Dohna


Die Rechtschreibreform hat zwar (leider!) den Apostroph vor dem Genitiv-s in einigen Fällen legalisiert, aber "Oma's Küche" ist immer noch falsch. Unter $ 97 E heißt es: "Von dem Apostroph als Auslassungszeichen zu unterscheiden ist der gelegentliche Gebrauch dieses Zeichens zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens vor der Genitivendung -s oder vor dem Adjektivsuffix -sch: Carlo's Taverne, Einstein'sche Relativitätstheorie". Das bezieht sich ausdrücklich auf Personennamen, die Oma bleibt also weiterhin von diesem Privileg ausgeschlossen.

Peter Salewsky, Jeßnitz


In der DDR gab es keine Apostrophitis. Die Läden hießen "Drogerie Krause" oder "Bäcker Schwarz" (wenn nicht "HO Industriewaren"). Vornamen im besitzanzeigenden Fall kamen in Ladennamen nicht vor. Susis Füller hieß Susis Füller und nicht anders. Imbißbuden hießen "Pavillon der Schaffenden", was ja wohl witzig genug ist.

Als wir dann erstmalig über die Grenze durften, fielen mir jedenfalls die "sächsischen Genitive" in manchen dortigen Ladennamen auf. Und wahrscheinlich auch all den sich selbständig machenden Neu-Buden-Besitzern, die das dann gerne nachmachten, weil's ja aus dem Westen war.

Was den Wessis in ihrem eigenen Land nicht auffiel (mangels Masse), machte ihnen dann durch die Masse in der DDR großen Eindruck. Und schon war die Legende geboren: Der falsche sächsiche Genitiv ist nach der Wiedervereinigung aus dem Osten in den Westen geschwappt. Stimmt im Prinzip. Aber wie kam er dorthin? In Wirklichkeit handelt es sich um den Re-Import eines nach Mauerfall und Währungsunion erfolgten Exports.

Dr. Eva Schmidt, Bamberg

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