Fragen an den Zwiebelfisch Vierzehntäglich oder vierzehntägig?

Worin besteht der Unterschied zwischen 14-tägig und 14-täglich? Wie lautet die weibliche Form des Wortes Zauberer? Und wie sagt man richtig: dem Herrn oder dem Herren? Leser stellen Fragen, der Zwiebelfisch gibt Auskunft.





Verdammt lange Leerung!

Verdammt lange Leerung!

Frage eines Lesers aus Siegburg:

Ich frage mich immer wieder, was denn nun richtig ist: "die Zeitung erscheint vierzehntägig" oder "die Zeitung erscheint vierzehntäglich". Es gibt doch beide Wörter - und bestimmt auch einen Unterschied. Wie lautet der?

Antwort des Zwiebelfischs: Zwischen vierzehntäglich und vierzehntägig besteht tatsächlich ein Unterschied. Zusammensetzungen mit "tägig" beziehen sich auf die Dauer, Zusammensetzungen mit "täglich" beziehen sich auf das Intervall. Etwas, das "ganztägig" ist, dauert den ganzen Tag; etwas, das "tagtäglich" passiert, geschieht jeden Tag aufs Neue.

Eine vierzehntägige Tour dauert zwei Wochen. Eine vierzehntägliche Tour hingegen kann ganz kurz sein, findet dafür aber regelmäßig alle zwei Wochen statt.

Derselbe Unterschied offenbart sich auch in dem Wortpaar "zweiwöchig" und "zweiwöchentlich": eine zweiwöchige Konferenz dauert 14 Tage, eine zweiwöchentliche Konferenz ist eine Konferenz, die im Zwei-Wochen-Rhythmus stattfindet. Auch von Monaten und Jahren lassen sich Wortpaare mit demselben Bedeutungsunterschied ableiten: eine dreimonatige Kreuzfahrt dauert drei Monate, ein dreimonatlich verkehrendes Kreuzfahrtschiff legt alle drei Monate einmal an. Eine zweijährige Ausstellung läuft ohne Unterbrechung zwei Jahre lang, eine zweijährliche Ausstellung findet alle zwei Jahre statt.

Eine Zeitung, die im Zwei-Wochen-Rhythmus erscheint, erscheint vierzehntäglich. Es gibt freilich auch Zeitungen, deren Erscheinen bereits nach zwei Wochen wieder eingestellt wurde. Die sind dann nur vierzehntägig (= 14 Tage lang) erschienen. Wenn Ihre örtliche Müllabfuhr wie auf nebenstehendem Schild verspricht, "Ihre Mülltonnen werden ab sofort 14-tägig geleert", dann rate ich Ihnen, in den zwei Wochen der Leerung Urlaub zu nehmen. Danach haben Sie dann für den Rest des Jahres hoffentlich Ihre Ruhe.


Frage eines Lesers aus Aachen: Wie lautet die weibliche Form des Wortes Zauberer? Ist es eine Zauberin oder eine Zaubererin? Und wenn eine Frau jemanden oder etwas fördert, ist sie dann eine Förderin oder eine Fördererin?

Antwort des Zwiebelfischs: Um die weibliche Form von einer männlichen Bezeichnung zu bilden, hängt man in der Regel die Silbe "-in" ans Ende. So wird der Lehrer zur Lehrerin, der Schüler zur Schülerin, der Reiter zur Reiterin und der Pilger zu Pilgerin. Wie jede Regel hat auch diese ihre Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen sieht in wenigen Fällen eine Umlautung vor, so wie bei Bauer und Bäuerin, Schwager und Schwägerin, und eine andere Ausnahme betrifft die männlichen Formen, die mit einem doppelten "er" enden. Bei der Bildung der weiblichen Form fällt das zweite "er" weg. Der Zauberer verwandelt sich also nicht in eine Zaubererin, sondern in eine Zauberin. Und der Wanderer wird zur Wanderin, genau wie der Förderer zur Förderin. Das lässt sich mit Sprachökonomie begründen. Denn die Wörter Wandererin, Zaubererin und Fördererin sind nicht gerade leicht zu sprechen; wenn man nicht ganz langsam und deutlich artikuliert, geht die vorletzte Silbe in einem knurrenden Gurgeln unter. Da kann man sie ebenso gut weglassen. Und so hat man's dann auch getan.

Neben dem Zauberer und der Zauberin gibt es übrigens auch noch den Zaubrer und die Zaubrerin, genau wie auch den Wandrer und die Wandrerin. Diese Formen sind allerdings nur noch selten anzutreffen, hauptsächlich in Märchen und Gedichten. "Harry Potter"-Lesern stellt sich die Frage nach der korrekten femininen Form des Wortes Zauberer übrigens nicht. Die wissen: Das weibliche Pendant zum Zauberer ist - ganz klar - eine Hexe!


Frage einer Schülerin aus Buxtehude: Als Vorbereitung auf mein Dasein als Dame wüsste ich gern, wie "der Herr" korrekt gebeugt wird. Heißt es "des Herrn" oder "des Herren"? Dient man als Diener einem Herrn oder einem Herren? Erhebt sich der Sklave gegen seinen Herrn oder gegen seinen Herren? Oder spielt der Unterschied womöglich keine Rolle?

Antwort des Zwiebelfischs: Der kleine Unterschied zwischen "Herrn" und "Herren" spielt eine große Rolle! Die Endung verrät, ob wir es mit einem Herrn oder mit mehreren Herren zu tun haben. In der Einzahl wird "der Herr" im zweiten Fall zu "des Herrn", im dritten Fall zu "dem Herrn" und im vierten Fall zu "den Herrn". Die Formen auf -en markieren die Mehrzahl:

Die Herren wirkten sehr komisch. (Nominativ)
Gern bediente man sich der Herren. (Genitiv)
Die Damen gefielen den Herren. (Dativ)
Die Damen baten die Herren zum Tanz. (Akkusativ)
Der Herr stellt innerhalb seiner Deklinationsgruppe eine Ausnahme dar, denn andere Wörter wie der Bär oder der Graf, die zur selben Gruppe gehören, weisen im Genitiv, Dativ und Akkusativ keinen Unterschied zwischen Singular und Plural auf.

Mit Ausnahme der direkten Anrede, bei der "Herr" immer im Nominativ steht ("Schön, Sie zu sehen, Herr Kaiser!"), wird das "Herr" vor Namen und Titeln immer gebeugt: Sie sitzen auf Herrn Künnekes Platz! Wir warten auf Herrn Forster. Der Hund gehört Herrn Wagner. Kennen Sie Herrn Dr. Metzler? Auch ist es nach wie vor üblich, auf Briefen den Adressaten zu beugen:

Herrn Konrad Meier
Fasanenstieg 14
22301 Hamburg
Man kann das "Herrn" auch weglassen, aber wenn man es schreibt, muss man es beugen. "Herr Konrad Meier" gilt als Adressangabe auf einem Brief als unkorrekt.




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