Fragen an den Zwiebelfisch Von daher bis halt ebend

Zeugt "von daher" von gutem Stil oder ist es nur geschwätzig? Ist das Wort "ebend" eine zulässige Variante neben "eben"? Und wie hält man es mit "halt"? Leser stellen Fragen, der "Zwiebelfisch" gibt Antwort.





Hallo Zwiebelfisch, was ist der Unterschied zwischen "von daher" und "deshalb"? Ist es eine Modeerscheinung? Worin liegt der Unterschied? Für mich klingt "von daher" pseudoschlau.

Andreas Schacht


Antwort vom Zwiebelfisch:

Stilpfleger und Journalistenlehrmeister Wolf Schneider hätte "von daher" vermutlich als "geschwätzig" abgetan. Tatsächlich ist es eine überflüssige Wortblähung, das schlichte "daher" würde genügen. Ein Satz wie "Von daher hat mein Vater nie Verständnis für meine Sammelleidenschaft gehabt" verliert nicht das Geringste, wenn man ihm das "von" einfach streicht. Dennoch kann man den Gebrauch des Adverbs "von daher" nicht generell verdammen. Einerseits lässt er sich damit erklären, dass "von daher" eine starke rhythmische Ähnlichkeit zum gleichbedeutenden Wort "insofern" hat; beide bestehen aus drei Silben - und es ist tatsächlich leichter und gefälliger, seine Rede mit einem Dreisilbenwort zu beginnen als mit einem Zwei- oder Einsilbenwort. Andererseits neigt die gesprochene Sprache nun einmal zur Redundanz, sprich zur Wiederholung und Aufblähung. Zusätzliche Silben werden angehängt oder vorangestellt, um sicherzugehen, dass man auch wirklich richtig verstanden wird. Dafür gibt es zahlreiche weitere Beispiele:

auseinander dividieren, lohnenswert, neu renoviert, persönlich anwesend, vollendete Tatsachen, vorprogrammiert, zumindestens, zusammenaddieren
Daher ist es nicht schlimm, wenn jemand - zumindest beim Sprechen - ein "von" davorsetzt. Im geschriebenen Deutsch allerdings kann getrost darauf verzichtet werden, denn da geht es um Klarheit, und die erreicht man oft mit weniger Silben als mit zu vielen.


In einer Talkshow gebrauchte eine Frau wiederholt das Wort "ebend". Ich kenne es nicht und kann es auch im Duden nicht finden. Es soll wohl dasselbe bedeuten wie "eben". Gibt es dieses Wort tatsächlich, oder handelt es sich um falsches Deutsch?

Jörg Siewert

Antwort vom Zwiebelfisch: Bei dem Wort "ebend" handelt es sich um eine Dialektform. So ist "ebend" zum Beispiel in Mecklenburg und Brandenburg zu hören und auch in Berlin. "Da harrik ebend nich uffjepasst", sagt der Berliner auf seine unverwechselbare Art und Weise und meint damit: "Da habe ich eben nicht aufgepasst." Da wir Deutschen nun mal ein Volk von Dialektsprechern sind, muss man akzeptieren, dass es von ein und demselben Wort mehrere Aussprachemöglichkeiten gibt. Dies ist im Übrigen auch keinesfalls ein Nachteil, sondern der beste Beweis für die Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit unserer Sprache. Mundartliche Sonderformen bieten bekanntlich immer wieder Stoff für Witze und Parodien. Der Schauspieler und Kabarettist Diether Krebs war einst in einem Sketch zu sehen, der genau dieses Thema trefflich auf die Schippe nahm: Ein Mann kommt in eine Metzgerei und sagt: "Ich hätte gerne ein Pfund Nackend!" Erwidert der Metzger: "Das heißt Nacken!" Darauf der Kunde: "Na ebend!"


Lieber Zwiebelfisch, mein Abitur-Deutschlehrer sagte immer, dass man das Wort "halt" nicht benutzen soll. Beispiel: "Das ist halt so." Oder: "Dann gehe ich halt mit." Ist das "halt" falsch, oder nur schlechtes Deutsch? Schließlich sagt man das des Öfteren, schreibt es jedoch so gut wie nie!

Dirk Mertens

Antwort vom Zwiebelfisch: Das Füllwörtchen "halt" ist weder falsches Deutsch noch ist es schlechtes Deutsch. Es ist mundartlich. Man benutzt es vor allem im süddeutschen Raum, dort wo alemannische und bairische Dialekte gesprochen werden. In der Hochsprache sind eher die Ausdrücke "eben" und "nun einmal" gebräuchlich. Im Norddeutschen wird mitunter auch "man" gebraucht: "Dat is' man so." Ohne "halt" hätten die Gebrauchsdichter in unserem Lande ein wichtiges Reimwörtchen weniger:

"So ist's in diesem Sommer halt: Mal wird es kühl, mal bleibt es kalt."

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