Fragen an den Zwiebelfisch Was bedeutet das Wort Puff?

Lieber Zwiebelfisch, warum heißt ein Puff eigentlich Puff? Und sag mal, kann man das Wort "doof" steigern, und wenn ja, wie? Außerdem: Heißt es Montag, den 1. März oder Montag, dem 1. März? Leser stellen Fragen, der "Zwiebelfisch" gibt Auskunft.


Woher kommt das Wort "Puff"?

Sehr geehrter Zwiebelfisch, am Silvesterabend fuhr ich mit meiner Frau auf der großen Straße von Süden nach Norden durch Frankfurt. Nach der Brücke über den Main liegt rechterhand Frankfurts bekanntestes Bordell. Beim Passieren sagte meine Frau: "Schau mal, beim Puff haben sie die Weihnachtsbeleuchtung schon abgeschaltet!", und ich fragte sie und jetzt Sie: Warum heißt ein Puff eigentlich Puff?

Dr. Th. Schrader, Frankfurt am Main


"Pascha"-Puff: Der Würfel ist gefallen!
DDP

"Pascha"-Puff: Der Würfel ist gefallen!

Sehr geehrter Herr Dr. Schrader, "Puff" war der Name eines alten Brettspiels mit Würfeln. Das Wort ist die lautmalerische Umsetzung des dumpfen Geräuschs, das beim Aufschlagen der Würfel entsteht. Im 18. Jahrhundert wurden Bordellbesuche gern als harmlose Gesellschaftsspiele verklausuliert, man sagte zum Beispiel: "Er hat mal wieder mit einer Dame Puff gespielt" oder "Lasst uns zum Puff gehen". So wurde das Würfelspiel alsbald Synonym für die Institution. Während das Spiel als solches irgendwann aus der Mode geriet, hat sein Name dank der allzeit existierenden Etablissements bis heute überlebt. Freilich taugt das Wort längst nicht mehr zur Verschleierung. Wer nicht direkt aussprechen mag, wo er sich mit wem auf welche Weise amüsiert hat, der verwendet heute lieber Umschreibungen wie "externer Kundentermin" oder "Überstunden im Büro".

Das "Puff"-Spiel gibt es übrigens immer noch, es wird heute auch "Tricktrack" genannt. Am bekanntesten dürfte es aber unter seinem englischen Namen sein: "Backgammon".


Wie steigert man "doof"?

Lieber Zwiebelfisch, wie wird "doof" gesteigert? Im allgemeinen Sprachgebrauch hört man oft doof, döver, am dööfsten. Die Schreibweise kommt mir aber extrem merkwürdig vor. Heißt es döver? Dööver? Dööfer? Oder doofer? Der mir zu Weihnachten geschenkte Duden ist mir da auch keine Hilfe, der schweigt sich nämlich aus. Nun gibt es ja auch Eigenschaftswörter, die sich nicht steigern lassen. So wie "das einzigste", das bei uns im Ruhrgebiet nicht gerade selten anzutreffen ist. Gehört doof dazu?

Karsten Jahn

Lieber Karsten, zunächst ein paar Worte zur Herkunft. Das Wort "doof" stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutete ursprünglich nichts anderes als "taub". In Hamburg gibt es einen Seitenarm der Elbe, der noch heute "Dove Elbe" heißt - "taube Elbe" also, weil er keine Durchfahrt bietet.

Weil gehörlose Menschen in früheren Zeiten oft für geistig behindert gehalten wurden, wurde "doof" zum Synonym für "dumm". "Dumm" wiederum kommt vom mittelhochdeutschen Wort "tump" und bedeutet "stumm, töricht".

Anfang des 19. Jahrhunderts drang das Wort "doof" von Berlin aus in die Hochsprache ein. Da es sich jedoch um einen umgangssprachlichen Ausdruck handelte, der in der Schriftsprache verpönt war, gab es lange Zeit keine Festlegung der Schreibweise.

Heute ist es üblich, das Wort mit einem "f" zu schreiben, weil das der Praxis im Hochdeutschen entspricht. Auf -v enden sonst nur Fremd- und Lehnwörter. In den Ableitungen klingt zwar nach wie vor das weiche "v" durch - geschrieben wird es dennoch mit "f": ein doofes Kind, die doofe Tante (gesprochen: dowes, dowe).

Im Komparativ und Superlativ behält das Wort seinen Klang: doof, doofer (gesprochen: dower), am doofsten.

Viele Menschen sagen aber auch döwer und am döfsten. Das ist in der gesprochenen Sprache möglich, in der Schriftsprache existiert jedoch nur die Form doof, doofer, am doofsten.


Montag, den 1. März oder dem 1. März?

Lieber Zwiebelfisch, wie heißt es richtig: Montag, den 1.3.2004 oder Montag, dem 1.3.2004?

Christian Papin

Reinhard (l.) und Felix heirateten am Donnerstag, dem 6. Mai 1999
DPA

Reinhard (l.) und Felix heirateten am Donnerstag, dem 6. Mai 1999

Lieber Christian, leider gibt es in dieser Frage keine eindeutige Festlegung. Ich empfehle stets, die Monatsangabe in den gleichen Kasus zu setzen wie den Wochentag, denn das ist auf jeden Fall korrekt und außerdem gut zu merken. Wenn der Wochentag im Dativ steht (und das ist immer der Fall, wenn "am" davor steht), dann setze man auch die Monatsangabe in den Dativ ("dem"). Steht der Wochentag im Akkusativ oder Nominativ, setze man auch die Datumsangabe in den Akkusativ ("den") oder Nominativ ("der"). Zur Verdeutlichung ein paar Beispiele:

Wir treffen uns Montag, den 1.3.2004.

Wir treffen uns am Montag, dem 1.3.2004.

Das hat Zeit bis nächsten Freitag, den 12. März.

Das hat Zeit bis zum nächsten Freitag, dem 12. März.

Es war Donnerstag, der 35. Mai, als der Apotheker Ringelhuth mit seinem Neffen Konrad in die Südsee reiste.

Es war am Donnerstag, dem 35. Mai, als der Apotheker Ringelhuth mit seinem Neffen Konrad in die Südsee reiste.

Und für alle, die Hochzeitseinladungen verschicken:

Die Trauung findet statt: Samstag, den 17. Juli 2004, um 14 Uhr in der St.-Joseph-Kapelle

oder:

Die Trauung findet am Samstag, dem 17. Juli 2004, um 14 Uhr in der St.-Joseph-Kapelle statt.


Haben auch Sie eine Frage oder eine Anmerkung? Schreiben Sie an den Zwiebelfisch!


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