Fragen an den Zwiebelfisch Wie lang und breit ist Mecklenburg?

Lieber Zwiebelfisch, wie spricht man den Namen Mecklenburg richtig aus? Mit einem kurzen "e" wie in "Mekka", oder mit einem langen "e" wie in "Mekong"? Leser stellen Fragen, der Zwiebelfisch gibt Auskunft.

Von





Links sind Bäume, rechts sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume: Mecklenburg
DPA

Links sind Bäume, rechts sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume: Mecklenburg

Frage eines Lesers:

Lieber Herr Sick, ist es richtig, dass das Wort "Mecklenburg" (und folglich auch "Mecklenburg-Vorpommern") nicht mit kurzem "e", wie es die Schreibweise nahe legt, sondern mit langem "e" gesprochen wird? Wenn ja, warum ist dies so?

Antwort des Zwiebelfischs: Mecklenburg wird tatsächlich mit einem langen "e" gesprochen. Jedenfalls wurde es früher so gesprochen, und wer sich auskennt, der spricht es auch heute noch so. Denn bei dem "c" handelt es sich nicht um ein zweites "k" (wie in Zucker, Bäcker und schlecken), sondern um ein sogenanntes norddeutsches Dehnungs-c. Der Namen Mecklenburg geht zurück auf das althochdeutsche Wort "michil", welches "groß" bedeutet. "Michilinburg", wie man im 11. Jahrhundert sagte, bedeutete also nichts anderes als "große Burg". Die befand sich im Süden von Wismar und gab dem umliegenden Land seinen Namen. Im Niederdeutschen des Mittelalters sprach man es "Mekelenborch" aus; irgendwann ist das zweite "e" dann ausgefallen, und übrig blieb "Meklenburg", gesprochen Meeklenborch.

Der Norddeutsche an sich spricht bekanntermaßen etwas breiter, daher ist das Plattdeutsche sehr klangvoll, geradezu melodiös. Um die Streckung der Vokale zu markieren, wurden in der norddeutschen Orthografie hier und da Dehnungsbuchstaben eingeführt. Ein besonders langes "o" wurde zum Beispiel durch ein "e" gestreckt: Ortsnamen wie Soest, Oldesloe, Coesfeld und Itzehoe zeugen noch heute davon. Kein Norddeutscher käme auf die Idee, dieses "oe" als "ö" auszusprechen. Genauso verhält es sich mit dem "c" vor Mecklenburg: es ist ein Dehnungszeichen. Unglücklicherweise fiel dieses norddeutsche Dehnungs-"c" mit jenem Platzhalter zusammen, der im Hochdeutschen das Doppel-k ersetzt und phonetisch genau das Gegenteil bewirkt, nämlich den Vokal verkürzt. Das Wissen um die tatsächliche Länge des "e"-Klangs im Namen Mecklenburg geht langsam verloren. Selbst junge Mecklenburger "meckern" heute, anstatt zu "mekeln". Einen Fehler begehen sie damit aber nicht, denn heute gelten beide Ausspracheweisen als richtig. Auch in einigen plattdeutschen Dialekten wird Mecklenburg mit kurzem "e" gesprochen. Plattdütsch klingt nämlich längst nicht überall gleich, von Dorf zu Dorf lassen sich erhebliche Unterschiede feststellen.

Das Dehnungs-c findet man noch in vielen anderen norddeutschen Namen, die traditionell mit langem Vokal gesprochen werden: Schönböcken (gesprochen: Schönbööken), Bleckede, (gesprochen: Bleekede). Auch Lübeck, das im 12. Jahrhundert noch Lübeke hieß, besaß einst ein langes "e". Und wo wir gerade von Lübeck sprechen: Der Name von Thomas Manns "Buddenbrooks" geht zurück auf den pommerschen Ortsnamen Buddenbrock. Um zu verhindern, dass alle Welt seine Romanfamilie mit kurzem "o" spricht, hat Thomas Mann sich für die (untypische, aber unmissverständliche) Schreibweise mit Doppel-o entschieden. Auch Namen wie Brockhaus und Brockmann wurden früher mit langem "o" gesprochen. Ein weiteres Beispiel für das norddeutsche Dehnungs-c liefere ich übrigens selbst. Der norddeutsche Name Sick leitet sich nämlich von Siegfried ab und wurde lange Zeit entsprechend mit langem "i" gesprochen.

Die umgangssprachliche Verkürzung "Meck-Pomm", die das Bundesland klanglich in die Nähe eines Fastfoodprodukts befördert, ist scherzhaft, aber keineswegs herabwürdigend. Wir Deutschen sind schließlich ein durchaus genussfreudiges und genießbares Volk: Man denke nur an Frankfurter (Würstchen), Berliner (Pfannkuchen), Hamburger (Frikadellen) und Thüringer (Bratwurst).


Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.