Fragen an den Zwiebelfisch Wie nennt man das Ding an der Kasse?

Lieber Zwiebelfisch, wie nennt man dieses Ding, das die Kunden im Supermarkt aufs Band legen? Worin besteht der Unterschied zwischen Worten und Wörtern? Und wer lehrt Mona Lisa richtiges Deutsch? Leser stellen Fragen, der Zwiebelfisch gibt Auskunft.


Frage eines Lesers:

Lieber Zwiebelfisch, ich suche die Bezeichnung für die Dinger, die man beim Einkaufen auf das Laufband legt, um die eigenen Waren von denen des Vordermanns abzugrenzen. Kannst Du mir vielleicht weiterhelfen?

Gleich legt es wieder einer aufs Band: Das rätselhafte Ding an der Kasse
DDP

Gleich legt es wieder einer aufs Band: Das rätselhafte Ding an der Kasse

Antwort des Zwiebelfischs: Über das Ding an der Kasse haben sich schon erstaunlich viele Menschen den Kopf zerbrochen, es ist ein Dauerbrenner unter den "Wie nennt man"-Fragen. Einigen gilt es gar als eines der letzten fünf ungelösten Rätsel unserer Zeit. (Fragen Sie mich nicht, welches die anderen vier sein sollen.) Als ich zum ersten Mal nach dem Ding an der Kasse gefragt wurde, hatte ich keine Antwort parat. Seitdem ging mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf. Ich konnte nicht mehr einkaufen, ohne daran zu denken. Ständig hämmerte es in meinem Hirn: "Wie nennt man das Ding an der Kasse?" Ich fing an, wichtige Besorgungen zu vergessen, vertat mich beim Geldabzählen, packte gedankenverloren die Einkäufe des folgenden Kunden mit in meine Tüte. Einmal war ich drauf und dran, die Kassiererin zu fragen. Aber ein Blick in ihre müden Mandelaugen sagte mir, dass auch sie es nicht wissen würde.

Irgendwann kam mir plötzlich der erlösende Gedanke. Wozu dient das Ding, fragte ich mich. Es trennt die Waren auf dem Kassenfließband. Also ist es ein "Warentrenner". Später recherchierte ich im Internet, wo ich zu meiner Verblüffung feststellte, dass sich bereits ein ganzes Diskussionsforum mit dieser Frage befasst hat. Dabei zeigte sich, dass auch die anderen Sprachinteressierten mehrheitlich für die Bezeichnung "Warentrenner" plädieren. Bereits vor einigen Jahren hat das "Jetzt"-Magazin der "Süddeutschen Zeitung" seinen Lesern den Begriff "Warenstopper" empfohlen. Der setzte sich allerdings nicht durch, denn er ließ vermuten, das Ding sei dazu da, die Waren daran zu hindern, vom Kassenband herunterzufallen. Der Kolumnist Max Goldt machte den Vorschlag, das Ding an der Kasse "Warenabtrennhölzchen" zu nennen. Nur ist das Hölzchen heute meistens aus Kunststoff oder Metall. Wenn man nicht weiß, wie eine Sache genannt wird, muss man sich an denjenigen wenden, der sie herstellt. Die Industrie hat schließlich für alle Produkte einen Namen. Und tatsächlich findet man im Internet mehrere Werbeartikelanbieter, bei denen man "Warentrenner" bestellen kann.

Wem das Wort "Warentrenner" nicht gefällt, dem bleiben andere Möglichkeiten. An klangvollen Vorschlägen mangelt es nicht: (Waren-)Trennbalken, (Waren-)Trennstab, Trendy, Warenstaffelstab, Kassenbandriegel und Separator. In der Schweiz kennt man außerdem den Ausdruck "Kassentoblerone". Besonders gefällt mir auch "Näkubi", kurz für "Nächster Kunde bitte!" Der mit Abstand charmanteste Vorschlag stammt aus Ostfriesland. Dort sagt man "Miendientje", weil man es zwischen "meins" und "deins" legt.

Ihre Frage, lieber Leser, wirft übrigens gleich die nächste auf: Was ist ein Laufband im Unterschied zum Kassenband? Laufbänder findet man eher in Fitness-Studios als in Supermärkten. Einige Handelsketten empfehlen ihren Kassiererinnen allerdings, regelmäßig Sport zu treiben, es wäre also denkbar, dass das Kassenband nach Ladenschluss zum Laufband wird. Fortgeschrittene benutzen dann womöglich die Warentrenner zum Hürdenlauf.


Worte und Wörter

Frage eines Lesers: Lieber Zwiebelfisch, seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie der Plural des Wörtchens "Wort" lautet. Man hört ihn oft als "Worte", wenn wieder einmal nur "leere Worte aneinander gereiht" wurden, dann aber auch als "Wörter", wie im beliebten und von Jahr zu Jahr dicker werdenden "Wörterbuch". In selbigem könnte ich womöglich nachschlagen, um zu erfahren, was der korrekte Plural ist. Aber dann würde ich mich um die Gelegenheit bringen, ein paar schlaue Worte (oder Wörter?) von Ihnen zu diesem Problem zu lesen.

Viele Wörter stehen im Wörterbuch
DPA

Viele Wörter stehen im Wörterbuch

Antwort des Zwiebelfischs: Tatsächlich gibt es diese beiden Pluralformen; welche die richtige ist, hängt von der jeweiligen Bedeutung des Wortes "Wort" ab.

Man spricht von "Wörtern", wenn Wörter im eigentlichen Sinne, als kleinste grammatische Einheit eines Satzes, gemeint sind:

ein Satz besteht aus mehreren Wörtern; viele englische Wörter sind mit deutschen Wörtern verwandt, etc.

Viele Worterklärungen findet man in einem Wörterbuch, nicht in einem Wortebuch.

Beim Scrabble legt man Wörter. Ein Computer fragt immer nach Passwörtern, nicht nach Passworten. (Wobei man hier hinzufügen muss, dass die Herkunft des "Passworts" gar nichts mit "Wort" zu tun hat, sondern die klangliche Eindeutschung des französischen Worts "passeport" ist, und diese erfolgte lange bevor es Computer und "passwords" für "Log-ins" gab.)

Man spricht von "Worten", wenn damit Zitate, Redewendungen oder die ganze Sprache gemeint sind:

"Ich bin ein Berliner", "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" und "Karthago muss zerstört werden" sind große Worte berühmter Politiker.

Mir fehlen die Worte, wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll.

Wer große Töne spuckt, der macht große Worte.

Die Mehrzahl von Sprichwort lautet unlogischerweise Sprichwörter, eigentlich müssten es Sprichworte sein.

Man gibt sein Ehrenwort, und wenn man es zweimal tut, dann sind es Ehrenworte, nicht Ehrenwörter.

Wörter können Zungenbrecher sein, sie können gebeugt, getrennt, gezählt und abgekürzt werden.

Worte können Pfeile sein, sie können verletzen, vernichten, sogar töten.

Um es auf eine Formel zu bringen: Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte bestehen aus Gedanken.
Ob dies nun schlaue Worte oder bloß schlaue Wörter waren, bleibt Ihrer Einschätzung anheim gestellt.


Jemandem etwas lehren?

Wer lehrte Mona Lisa solche Grammatik?

Wer lehrte Mona Lisa solche Grammatik?

Frage einer Leserin aus Berlin: Lieber Zwiebelfisch, ich bin vorgestern auf ein Filmplakat gestoßen, das mir übel aufstieß, weil sich meines Erachtens darin ein herber Fehler präsentiert: "Das Lächeln der Mona Lisa - In einer Welt, die ihnen vorschrieb, wie man lebt, lehrte sie ihnen, wie man denkt". Heißt es in dem Fall nicht: "...lehrte sie sie, wie man denkt"? Es wäre schön, wenn Sie da etwas Klarheit schaffen könnten.

Antwort des Zwiebelfischs: Sie sind in guter Gesellschaft, denn an der Plakataussage haben noch etliche andere Leserinnen Anstoß genommen. Mit Ihrem Gefühl liegen Sie richtig, tatsächlich ist es heute üblich, nach lehren den doppelten Akkusativ zu gebrauchen: Sie lehrt ihn das Klavierspiel; er lehrt sie Karate.

Im 17. und 18. Jahrhundert war es hingegen üblich, die Person in den Dativ zu setzen, da lehrte der Meister dem Gesellen das Handwerk, und der Erzieher lehrte dem Flegel Mores. Im 19. Jahrhundert lehrte dann der Akkusativ den Dativ das Fürchten, indem er ihn von seinem Platz verdrängte. Dennoch tritt der Dativ gelegentlich noch auf, vor allem im Passiv: Ihm wurde das Fürchten gelehrt.

Den Werbetextern gefiel ein doppeltes "sie" wohl nicht, daher entschieden sie sich für den Dativ. Das ist zwar unüblich, aber nicht unerlaubt. Solange beim Anblick von Julia Roberts nur die Grammatik aussetzt, sollte man als Kritiker nachsichtig sein.


Da hatte wohl jemand Sand in den Augen auf Amazon?

Da hatte wohl jemand Sand in den Augen auf Amazon?

Vor zwei Wochen fragte ich mich an dieser Stelle, wie der Titel des Bata-Illic-Liedes mit dem Sand in den Schuhen und Hawaii wohl im genauen Wortlaut hieß. Daraufhin haben mir etliche Leser geantwortet. Und es war wie verhext: Die eine Hälfte behauptete, es hieße "aus Hawaii", die andere schwor Stein und Bein, es hieße "von Hawaii". Mir blieb nichts anderes übrig, als die Sache selbst zu recherchieren. Bei amazon.de fand sich eine Hörprobe. Im Linktext steht "Ich hab' noch Sand in den Schuhen von Hawaii", aber wenn man draufklickt, hört man Bata durch eine Gießkanne nuscheln: "Ich hab' noch Sand in den Schuhen aus Hawaii." Vielleicht hat er von dem Lied ja zwei Aufnahmen gemacht, eine Version mit "aus" und eine mit "von". Das würde die vielen Gegenmeinungen erklären. Wie auch immer - derzeit geht das Gerücht um, Daniel Küblböck plane ein Remake mit dem Titel "Ich hab' noch Schlamm in den Schuhen aus dem Dschungel."



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