In Massen geniessen Post an den Zwiebelfisch

Von der Forderung nach Abschaffung des Eszetts bis zu der Einsicht, dass die Neuregelungen bezüglich ss/ß wahrscheinlich das Beste an der Rechtschreibreform waren - das Meinungsspektrum der Leser ist wie immer sehr breit. Lesen Sie hier, was Zwiebelfisch-Leser zum Thema scharfes S, weiches S und Doppel-S mitzuteilen haben.


Die "deutsche Schreibschrift" und auch das "Sütterlin" unterschieden zwischen einem endständigen s in Form eines - sagen wir mal Kringels - und einem s in der Wortmitte in Form eines aus der Unterzeile kommenden und spitz nach oben zulaufenden Buchstabens. Wenn nun am Wortende zweimal der Buchstabe s auftauchte, wurde demgemäß zunächst das "spitze" s und dann das "Kringel"-s geschrieben, was sich im lauf der Zeit zu einem "Rucksack"-s (= ß) verschliffen hat und so in die "lateinische Ausgangsschrift" übernommen wurde.

Uwe Rumeney


Vielen Dank dass sich endlich jemand erbarmt, den Deutschen die Problematik mit dem Eszett (insbesondere seit der Rechtschreibreform) nahe zu bringen. Erst gestern habe ich mich noch mit dem Herausgeber eines deutschen Magazins gestritten, der Stein und Bein schwor, dass man laut Duden seit der Reform alle "ß" auch mit "ss" schreiben dürfe. Im Impressum seines Magazins steht als Redaktionsadresse übrigens "Nußbaumerstrasse". Ihr Beitrag sollte zur Pflichtlektüre aller Deutschen werden.

Bernd Rosenbaum, Köln


Ihre Ausführung zur Entstehung der Eszett-Ligatur sind - insbesondere mit Verweis auf die Fraktur-Schrift - nicht richtig. (Trotz oft gleich lautender Lehrbücher ...) Würde man sich das gesamte Alphabet einer Frakturschrift anschauen, sieht man leicht, dass der zweite Teil eben nicht dem s, sondern dem z gleicht. Die geschichtlich tatsächlich existierende Ligatur aus Lang-s und Schluss-s wurde im Mittelalter in Italien als kaligrafische Verbindung der beiden Buchstaben in Kursiv-Schriften eingeführt, um ohne abzusetzen weiterschreiben zu können. Diese Form bildete den Vorläufer des Eszetts in den später entstehenden Antiqua- und Groteskschriften. Die Fraktur ist allerdings ein anderer, eigenständiger Zweig der Schriftentwicklung und enthält lediglich die namensgebende Eszett-Ligatur.

Fundiert und historisch detailiert belegt nachzulesen in den Ausführungen von Prof. Dr. Herbert E. Brekle, der die Geschichte des Eszetts bis ins frühe Mittelalter untersucht hat. (Als weder Fraktur- noch Kurrentschrift existierten ...)

Ralf Herrmann, Weimar


Auf technischen Zeichnungen lese ich immer wieder "MASZE IN MM". Was sagen die Rechtschreibregeln zu dieser Schreibweise? "MASSE IN MM" kann man schließlich nicht so einfach schreiben, denn die Masse wird gewöhnlich in Kilogramm und nicht in Millimetern angegeben.

Heiko Stehmeier

Antwort vom Zwiebelfisch: Die Versalienschreibweise mit SZ ist in diesem Falle vertretbar, da es gilt, ein Missverständnis zu vermeiden. Und Klarheit sollte immer das oberste Gebot beim Schreiben sein. Allerdings kann man sich fragen, wieso auf technischen Zeichnungen alles in Versalien geschrieben werden muss. Gilt es als "untechnisch", "Maße in mm" zu schreiben?


Vielen Dank für diese Klarstellung! Früher, vor der neuen Rechtschreibung, hatte ich den Eszettgebrauch einigermaßen im Griff. Seither macht mich das Durcheinander von Texten in alter, neuer und falscher Rechtschreibung nur noch irre. Die Regeln für das ß haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Woher soll ich - aufgewachsen im ländlichen Württemberg und somit Dialektsprecher - denn wissen, was im Hochdeutschen als langer oder kurzer Vokal gilt? Also doch wieder Auswendiglernen statt Regelanwendung?

Oliver Schilling


Lieber Zwiebelfisch, schon lange versuche ich meinem Vater den Unterschied zwischen ss und ß zu erklären - leider bisher erfolglos. Doch liegt dies nicht etwa an der so oft verteufelten Rechtschreibreform, denn die Neuregelungen bezüglich ss/ß waren wahrscheinlich das Beste an ihr. Es wurden nämlich keine neuen Regeln erlassen, sondern sogar welche gestrichen. So galt zum Beispiel früher die Regel, dass am Ende eines Wortes kein ss stehen darf. Das Streichen dieser Regeln trägt somit zu besserem Verständnis bei und müsste das Erlernen erleichtern.

In Bezug auf die verschiedenen Dialekte möchte ich anmerken, dass es jedem Deutschen auch möglich sein sollte, Hochdeutsch zu sprechen - wenn auch nicht perfekt. So soll es an den Schulen schließlich auch gelehrt werden. Ist dies der Fall muss man sich auch nicht die Frage stellen wo nun ein kurzer oder langer Vokal steht.

Ihre Rubrik finde ich übrigens sehr interessant und auch amüsant. Ich habe sie vielen weiterempfohlen und werde die Artikel auch in Zukunft weiter verfolgen. Insbesondere wenn man sich nicht häufig mit der deutschen Sprache beschäftigt, wird man in Ihrer Kolumne auf viele Dinge aufmerksam, die man schon für normal befunden hat. Somit tragen Sie zur Bildung der Bevölkerung bei, weshalb ich Ihnen hiermit auch mein herzlichstes Dankeschön aussprechen möchte.

Roland Struwe, Trier


Ich liebe Zwiebelfisch-Artikel und teile hier die Meinung des Autors, dass die neue Eszett-Regel die einzige in der Rechtschreibreform ist, die logischer geworden ist. Aber die Masse (!) hatte sie leider früher schon nicht begriffen und deshalb wird's leider nicht besser werden.

Saskia Hendrikje Donath, Berlin


Typisch gross-deutsche Arroganz! Die Schweiz hat das unlogische Eszett schon vor Jahrzehnten abgeschafft - und lebt sehr gut damit ! Nicht zuletzt deshalb, weil man in der vielsprachigen Schweiz damit den Nicht-Deutsch-Sprechenden das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert. Ich weigere mich seit der unsinnigen "Rechtschreibreform" überhaupt noch ein Eszet zu verwenden. Meine Rechtschreibung ist auf "Schweiz" eingestellt, für viele Worte habe ich die Autokorrektur aktiviert. Übrigens - was kaum jemand weiss - wurde das Eszet verbindlich vom "Führer" eingeführt.

Wolf-Dieter Loos, Darmstadt


Das scharfe s ist eine so genannte Ligatur, eine Buchstabenverbindung, in diesem Fall zwischen dem langen s und dem runden s (in der Frakturschrift). Ein z war und ist daran nicht beteiligt. Der Name Eszett ist daher eigentlich unzutreffend.

Jürgen Würfel, München


Das Eszett entstand tatsächlich aus dem Zusammenschluss von Kurrent-s und Kurrent-z. Und es wurde - wie ja auch "st" - im Buchdruck als eine Type dargestellt (und nur aus diesem Grund durfte man s-t nicht trennen, sonst hätte der Setzer mehr Arbeit gehabt). So hat es also begonnen.

Félix Romanik



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