Post an den Zwiebelfisch: Vogonische Gedichte beim Frühstück in der Waschstraße

Ein Hotel nur für Männer, menschenscheue Franken und eine Waschanlage mit Drive-in-Schalter - endlich wissen wir, was uns die rätselhaften Bilder, die wir Ihnen vorletzte Woche präsentierten, sagen wollen. Den Zwiebelfisch-Lesern, die ihre originellen Erklärungen einschickten, sei Dank!

Eingeschickt von Christine Aehle, Neverin

Eingeschickt von Christine Aehle, Neverin

Während des Waschvorgangs wird die vorher abgegebene Brötchenbestellung ratzfatz in die Tat umgesetzt. Am Ende der Waschstraße wird das Fenster runtergekurbelt und Drive-in-ähnlich der Frühstücksretter in Empfang genommen.

Holger Schluck, Bochum

Dieses Schild scheint, pünktlich zum Tag der Einheit, ein Überbleibsel aus den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zu sein.
Im Land der Wagen aus Plaste und Elaste mussten die Trabbis nach der Wäsche vermutlich neu gebacken werden. Die Fahrzeuge, die ohnehin an Auflösungserscheinungen litten, sind in den Waschanlagen aus dem kapitalistischen Westen wahrscheinlich "aus dem Leim gegangen".

Andreas Spöckl, Teltow


Eingeschickt von Ralf Segeth, Nürnberg

Eingeschickt von Ralf Segeth, Nürnberg

Die Betreiber der oftmals traurigen Betonwüsten der Outlets setzen nun auf die Eigeninitiative ihrer Käufer. Gleich am Eingang erhält jeder Interessierte ein Taschenmesser.
Die billigen Bauholzregale der Warenbuchten laden hiermit ab heute zum kreativen Selbstausdruck und zur individuellen Gestaltung des Einkaufserlebnisses ein. Den Möglichkeiten und der Themenwahl sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings werden alle Besucher darum gebeten, ihre Schnitzarbeiten jugendfrei zu gestalten, da auch Kinder Zutritt zu allen Bereichen des Outlets haben.
Bei Bedarf wird eine Kurzeinführung in Holzarbeit und Kunsthandwerk angeboten. Anmeldung erforderlich, da Teilnehmerzahl begrenzt.

Kirsten Steppat, Bremen


Eingeschickt von Jörg Giencke, Mölln

Eingeschickt von Jörg Giencke, Mölln

Liebe Zwiebelfisch-Redaktion, hier ist Ihnen ein bedauerlicher Fehler unterlaufen: Dieses Schild stammt nicht von einem Göteborger Ausflugsdampfer. Vielmehr wurde es in einem vogonischen Raumschiff aufgenommen (ich habe es selbst gesehen!), das bei Bauarbeiten zu intergalaktischen Fernstraßen immer wieder unsere Galaxie kreuzt. Der abgebildete Text ist ein Gedicht des feinfühligen, literarisch hochbegabten, aber leider auf dem öden Planeten Erde völlig verkannten Vogonen-Kapitäns Jeltz. Eine sehr nette Schilderung einer seiner gefürchteten Lesungen ist in "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams zu finden.

Arno Klinner, Altdorf

Bei diesem Schild handelt es sich um ein Schild, das an der Tür zum Maschinenraum eines Vogonen-Raumschiffs angebracht ist. Wenn Sie mal per Anhalter durch die Galaxis fahren, werden Sie sicher auch mal auf eins stoßen.
Inhalt: Das Machine Control ist nicht für Gerfingerpoken und Mittengrabben, also nix für Mit-den-Fingern-dran-Rumpopeln und gierig Grapschen (oder so). Sonst schnappt das Spriggenwerk zu und dir explodieren die Poppencorken und die Spitzensparken (sowas haben Menschen nicht, deswegen kann man es nicht übersetzen). Nur von Experten zu bedienen. Dummköpfe, Pfoten weg! Lieber Hände in die Taschen und die blinkenden Lichter bewundern. Ist doch klar, oder?

Nina Dörr, Saarbrücken


Eingeschickt von Thomas Kuschel, Graz

Eingeschickt von Thomas Kuschel, Graz

Wenn man gerade sein Eis auf die Straße fallen gelassen hat, darf man sich an dem Ort, an dem das Schild steht, nicht hinsetzen. Weiter vorne haben nette Menschen nämlich extra Sessel aufgestellt, über die man sein Eis verschütten soll. Die armen Reinigungskräfte wollen schließlich auch etwas zu tun haben, die Sessel werden ja täglich gesäubert.
Merke: Es lohnt sich, Eis über Polstermöbel zu verschütten, denn das schafft Arbeitsplätze. Und ganz nebenbei darf man kleckern, ohne sich hinterher verächtliche Blicke gefallen lassen zu müssen. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, von der alle etwas haben.

Susanne Huttenlocher, Koblenz


Eingeschickt von Martin Pollak, Kramsach in Tirol (Österreich)

Eingeschickt von Martin Pollak, Kramsach in Tirol (Österreich)

Das Hotel La Perla ist eindeutig ein Hotel für Männer: Man kann einen heben (z.B. mit dem Nacht-Pförtner oder dem Herrenfriseur oder im Weltall, in dem auch Tische und Stühle bereit stehen).
Der Herrenfriseur bietet anscheinend auch schmutzige Wäsche-Dienste an. Sehr praktisch, wenn Mann sonst von Mutti die Wäsche gewaschen bekommt. Oder es ist mehr bildlich gemeint: Man kann bei dem intimen Akt des Haareschneidens dem Friseur alle Verfehlungen der Familie ausplaudern ("schmutzige Wäsche waschen"). Und mit der Karpfen-Arche spielen und Karpfen-Angeln spricht doch eindeutig das Kind im Mann an.
Falls Mann ein Kind dabei hat, kann das am Strand zentriert spielen - also sozusagen in einem Kinderhort, wo alle Kinder landen. Mann kann dann in aller Ruhe woanders einen heben.

Birgit Vogt

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Pauschalarrangement mit privatem Raumflug und Heimtierbetreuung hat mich überzeugt. Bitte reservieren Sie für mich und meine Gattin ein Doppelzimmer und ein weiteres für unsere Kinder vom 1. bis 31. März 2008. Für alternative Terminvorschläge sind wir natürlich bis September offen.
Ihrem Wunsch, mit dem Nacht-Pförtner einen zu heben, komme ich gerne nach. Es dürfen ruhig auch ein paar mehr sein, sofern Ihre amerikanischen Gäste ebenfalls solange bei der Stange bleiben.
Karpfen haben wir keine, aber wir sind überzeugt, dass sich auch unser Zwiebelfischpärchen auf Ihrer Arche wohlfühlen wird. Schon bei unseren ausgedehnten sonntäglichen Waldspaziergängen genießen wir die Pausen an den Rastplätzen. Umso mehr begeistert es uns, dass selbst für den Ausflug ins All entsprechende Vorkehrungen getroffen wurden. Schmutzige Wäsche wird in unserer Nachbarschaft leider schon genug gewaschen. Aus diesem Grund sehen wir keine Veranlassung, Ihr diesbezügliches Angebot in Anspruch zu nehmen, denn davon wollen wir uns ja gerade bei Ihnen erholen. Es ehrt Sie, dass Sie diesen Dienst nur auf ausdrücklichen Wunsch anbieten.
Gewiss sind unsere Kinder in ihrer überschäumenden Lebensfreude nicht immer die Ordnung in Person. Seien Sie versichert, dass wir vor unserer Abreise die vorhandenen Spielgeräte selbstverständlich wieder zentrieren.

Gerhard Gasteyer, Sachsenheim

Hier muss ich gleich buchen! Tolle Dienste:

• Ich werde bis in mein Bett getragen.
• Auch nachts.
• Außerirdische Möbel warten auf mich in der Zufahrt.
• Ich darf meinen Karpfen mitbringen, der bekommt sogar einen Transportservice.
• Der Zigarettenautomat ist rund um die Uhr bereit.
• Kinder laufen nicht wild lärmend durchs Haus, sondern werden am Strand gesammelt und zusammengehalten.

Endlich kann mein Karpfen mit nach Rimini. Danke!

Angela Temming, Berlin


Eingeschickt von Christian Stadler, Nürnberg

Eingeschickt von Christian Stadler, Nürnberg

Das Schild erklärt sich von selbst, wenn man berücksichtigt, dass es auf dem Nürnberger Flughafen aufgestellt ist. Der Franke ist ja eher menschenscheu, mag das aber auch nicht gern zeigen. Das Schild demonstriert die einfachste Methode, sich vor den vielen fremden Menschen auf so einem Flughafen zu verstecken, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Quote gemeldeter Gepäckverluste geht gegen null. "Na, Scheff, heid woa widda kanna do."

Tilo Timmermann, Hamburg


Zusammengestellt von Roman Höfner, Christoph Krampe und Bastian Sick

E-Mails an den Zwiebelfisch bitte ausschließlich an diese Adresse schicken:

zwiebelfisch@bastiansick.de

Anschrift für Postsendungen:

Bastian Sick
Am Sandtorkai 56
20457 Hamburg

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