Zwiebelfisch-Spezial Von Äpfeln erschlagen

Der Zwiebelfisch fragte nach mundartlichen Begriffen für das Kerngehäuse des Apfels - und wurde mit E-Mails förmlich überhäuft. Ein wilder Stier, der mit gesenkten Hörnern einen prallen Apfelbaum rammt, hätte nicht überraschter sein können. Staunen Sie über die unerhörte Vielzahl von Wörtern für ein kleines Stückchen Biomüll.




Fahren Sie mit der Maus über die Namen der Regionen, um sich die mundartlichen Begriffe für den Apfelrest anzeigen zu lassen! Die österreichischen und schweizerischen Varianten finden Sie unten im Text.


Liebe Apfelesser und Zwiebelfisch-Leser!

Selten hat mir eine Recherche so viel Spaß bereitet wie diese zum Thema Apfelkerngehäuse. Sie war allerdings auch besonders arbeitsintensiv, denn es galt, 250 E-Mails auszuwerten und auf ihren jeweiligen "Kern" zu prüfen. Dabei war eine klare Tendenz festzustellen: im Norden und im Osten dominieren die Ableitungen des Wortes Griebs, im Westen sind es Nüssel und Kitsche, in der Mitte Grutze und im Süden Butzen. Dazwischen aber gibt es mannigfaltige Variationen, die teils Abwandlungen der genannten Hauptformen sind, teils auf einen völlig anderen (Apfelbaum-)Stamm zurückgehen. Manche klingen putzig, andere ein bisschen eklig, was dem Charakter des Apfelrestes ja genau entspricht. Die größte Artenvielfalt in Deutschland bietet Nordrhein-Westfalen, deshalb gibt es hierzu auf unserer Deutschlandkarte die meisten Unterteilungen.

Doch nichts übersteigt den Reichtum an Varianten, den man im Land der Schweizer finden kann: Unsere Nachbarn kennen nicht weniger als ein Dutzend unterschiedliche Bezeichnung für den Apfelrest! Das kann ich mir nur so erklären: Nachdem Wilhelm Tell den Apfel vom Kopf seines Sohnes geschossen hatte, stürzte ein jeder, der den Schuss mit angesehen hatte, auf den zerborstenen Apfel und nahm ein Stückchen an sich, um es zu sich nach Hause in sein Tal zu tragen und ihm einen eigenen Namen zu geben.

Immer wieder kam es vor, dass Leser mit Nachdruck beteuerten, die von ihnen genannte Bezeichnung sei die einzige, die in ihrer Region gebräuchlich sei, und kurz darauf traf eine weitere E-Mail aus derselben Region ein, die ein völlig anderes Wort als das einzige dort verbreitete ausgab. Allem Anschein nach hat die deutsche Sprache mehr zu bieten, als wir uns alle träumen lassen. Ich schließe mit einem Gedicht, das mir Leser Rudolf Kleinert aus Bad Reichenhall geschickt hat. Es stammt von dem Arnsberger Fritz Ottensmann, der es im Jahre 1946 bei der Abiturfeier in Wennigloh vortrug:

Adam und Eva
Sie aß vom Apfel erst das Beste,
geht mit dem Nüsel dann zum Mann
und dreht die kümmerlichen Reste
noch voller List dem Adam an.
Doch wo wären wir Männer heut ohne diese?
Nach der Bibel zu schließen im Paradiese.

Nachstehend eine Auswahl der Leserzuschriften:


Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin

Moin! Elterlicherseits bin ich zwischen Griebsch (Vater aus Berlin) und Knust (Mutter aus Harburg) aufgewachsen. Wobei ich nicht sicher sagen kann, ob der Knust aus Harburg, Finkenwerder oder aber mitgebracht/zugereist aus Gelsenkirchen stammt, wo meines Mutters Vater Teile seiner Kindheit verbrachte.
Andreas Opitz

Aus dem nordfriesischen Raum könnte das Wort Gripsch stammen, das ich wahrscheinlich von meiner dort gebürtigen (Pellworm) Oma kenne. Ich habe es jedoch von noch nie von ihr geschrieben gesehen.
German Rauhut

Lieber Zwiebelfisch, ich bin gebürtiger Kieler und kenne das Kerngehäuse als Grubsch.
Name ist der Redaktion bekannt

In der Region Region Lübeck ist auch der Apfelgnatsch verbreitet. B. Steinfeldt

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und lebe auch heute noch hier und kenne für den Rest von Apfel den Begriff Krubber oder auch "Krubbs".
Anke Zielke

Meine Mutter, die aus Westpreußen stammte, verwendete den Begriff Griebsch. Seltsamerweise scheint sich die Kerngehäusefrage fast ausschließlich am Apfel festzumachen. Oder kennen Sie Varianten in Bezug auf Birneninneres?
Rudolf Ladwig


Niedersachsen

Lieber Herr Sick, in meiner norddeutschen Heimat Lüneburg pflegt man den Rest des Apfels als Apfelkauz zu bezeichnen.
Dirk Fuhrhop

Bei uns in der Lüneburger Heide sagt man Apfelstummel, mir ist auch noch nie ein anderes Wort für den Rest eines Apfels untergekommen.
Cord Drews

In meiner Familie nannten Mutter und Großmutter, beide geboren und ansässig in Göttingen (Südniedersachsen), die Überreste eines Apfels Knutsch. Es wäre interessant zu erfahren, ob es sich um eine rein familienspezifische Variante handelt oder der Begriff (sprachlich vielleicht dem "Knust" verwandt?) weiteren "Spiegel"-Lesern bekannt ist.
Bettina Asch

In meiner Heimat in Südniedersachsen heißt das Dings Appelpietschen.
Susanne Bergmann

Im Großraum Hannover bezeichnet man einen abgenagten Apfel auch als Apfelpietsche. So kenne ich es jedenfalls aus meiner Jugend.
Bernd Leimbach

Bei uns in Dannenberg im äußersten Nordosten Niedersachsens heißt das Kerngehäuse Appelpatsch. Heiko Selber

Ich bin in Northeim in Südniedersachsen ansässig. Meine Eltern sind auch aus der nahen Umgebung, und bei uns sagt man Apfelgnözel. Das könnte Hillerser Platt sein.
Kerstin Stövesand

Hallo Zwiebelfisch, ich bin im Emsland geboren, und für mich ist dieser Apfelrest eindeutig ein Apfelnüsel - kurzes ü, aber kein scharfes s, daher denke ich mal, es wird mit einfachem s geschrieben.
Helge Grimm

Ich komme aus der Grafschaft Bentheim und kenne das Gebilde als Bolle oder "Appelbolle". Kommt wohl aus dem Plattdeutschen.
Kai Timmer

Ich ergänze zu den niedersächsichen Bezeichnungen noch das ostfriesische Hüske.
Konrad Pahlke


Westfalen

Zum Apfelrest fällt mir das Wort Hünkel ein, das meine Mutter immer benutzt hat. Ich stamme aus dem Senneland, aus der Nähe von Paderborn.
Guido Winzig

Hallo Zwiebelfisch, das Kerngehäuse eines Apfels nennt man im Calenbergischen Platt Hunkepeil oder Hunkepiel.
Christian Reineke

Ich bezeichne den Rest eines Apfels gerne als Hünkelbein. Dieses witzige Wort habe ich von meiner Mutter, die aus dem Lippischen stammt.
Birgit Bokhof

Und bei uns im Westfälischen ist auch der Begriff Apfelhünksel verbreitet.
Eckhard Jostmeier

Für mich war und ist ein Kerngehäuse immer eine Hünkel. Ich stamme aus Ostwestfalen (Nähe Paderborn), und einen anderen Begriff für den Apfelrest habe ich dort nicht gehört.
Norbert Drewes

Ich stamme aus Paderborn, meine Familie nannte den Apfelgehäuserest immer Apfelkinkel. Das war vor der Zeit des teilweise gleichnamigen Außenministers.
Andreas Frank

Hallo, liebes Zwiebelfischli, in meiner Heimat Ostwestfalen sagte man Kröps zum abgenagten Rest des Apfels.
Stefan Hettwer

Wir kommen aus Hagen/Westfalen und nennen dort den Apfelrest Appelnürsel oder nur Nürsel.
Ulrike Dinse-Brickwede

Auch wenn eine Leserin das Wort Strunk für den Apfelrest ablehnt, wird er in Ostwestfalen-Lippe überwiegend so genannt.
Michael Mikolajczak


Münsterland

Als Münsterländer (nein, kein Hund, sondern Bewohner des Münsterlandes) kenne ich den Begriff Krose für den Apfelrest.
Rainer Franzen

Bei uns im westmünsterländischen Platt pflegte man zum Rest des Apfels auch Kröse oder "Krose" zu sagen. Das kommt den Wörtern Grotze und Krotze ja doch schon wieder sehr nah!
Volker Harmeling

Im Münsterland sind die Begriffe Apfelkippe und Apfelkitsche für den Apfelrest gebräuchlich.
Julia Maurer


Sauerland

Sehr geehrter Zwiebelfisch, nicht nur, dass das oben genannte Reststück des Apfels schon seit Kindheit mein Interesse geweckt hat (besonders durch seine interessanten Verfärbungen), sondern auch, weil meine Heimat - das Sauerland - bei derartigen sprachwissenschaftlichen Betrachtungen stets überhört wurde, möchte ich die Liste um den dort heimischen Nüssel ergänzen. Interessant ist dabei auch, dass das "ss" weich gesprochen wird, wie das "s" in "Düse", nur eben ein wenig schneller.
Markus Rossow

Auch ich frage gerne Menschen, was sie zum Apfelkerngehäuse sagen. Ich selbst komme aus dem Sauerland, dort sagten die meisten Menschen Apfelnüssel oder Apfelnürsel oder auch Apfelschnüssel.
Uta Nowak-Borgmeier

Aus meiner Kindheit meine ich mich erinnern zu können, dass man im Sauerland den Rest eines Apfels auch als Apfelpik bezeichnete, wobei ich dieses Wort in schriftlicher Form nie gesehen habe und darum das "Pik" an die Schreibweise beim Kartenspiel anlehne.
Frank Volpers


Siegerland

Neben den mir aus meiner Siegerländer Heimat vertrauten Begriffen Maas und Grotze für das Kerngehäuse fand ich im "Siegerländer Wörterbuch" von Heinzerling/Reuter (2. Aufl. 1968) unter anderem die Bezeichnungen Marzel, Masel, Mäsel, Nesel, Nösel, Gritze, Grütz, Grebs und Gäiz - guten Appetit!
Werner Heinz

Bei uns im südlichen Siegerland hat jedes Dorf, manchmal auch Dorfteile, seinen eigenen Dialekt, und so haben wir auch viele verschiedene Bezeichnungen für das Kernhaus. In Herdorf sagt man der Krotz (mit geschlossenem O) oder die Krotze, wohingegen man in Alsdorf die Körschte sagt. So heißt übrigens auch das hintere Ende vom Schwarzbrot, das man hierzulande in Kaffee einweicht und dann mit Butter bestreicht. Mein Großvater väterlicherseits wohnt in Zeppenfeld, wo man der Stronk sagt, meine Großmutter väterlicherseits ist aus dem Nachbardorf Altenseelbach, wo man dat Dingen Knotz oder Grötz nennt. In Neunkirchen, einem Nachbardorf von Zeppenfeld, sagt man Krömbel, und in Wiederstein Kröps. In Struthütten heißt es Gröbsch, und in Salchendorf Knost.
Yannick Spies


Ruhrgebiet

Nennt mich einfach Apfelrest, und den ganzen Rest vergesst...
SPIEGEL ONLINE

Nennt mich einfach Apfelrest, und den ganzen Rest vergesst...

Das in Ihrem Beitrag erwähnte Problem hatten wir vor ein paar Jahren schon mal, als ein Studienkollege aus Gütersloh, ein weiterer aus dem Sauerland und ich (aus dem Ruhrgebiet) nach einer Gartenparty aufräumen wollten. Auf die Frage des Kollegen aus Gütersloh: "Wem gehört denn der Grübsch da auf dem Boden?", gab es lediglich zwei unverständige Blicke in die genannte Richtung und meine Antwort: "Ach, du meinst die Kitsche!?" Wieder kamen zwei unverständige Blicke (diesmal in meine Richtung), und mein säuerländischer Kollege fragte, ob wir über den Nüssel sprächen (Nüssel wird im Sauerland übrigens wohl auch noch für Reste anderer Art benutzt, wie zum Beispiel Reste eines Getränkes im Glas). Drei Leute, die alle aus NRW kamen, waren also offensichtlich nicht derselben Sprache mächtig und daher nicht in der Lage, sich zu verständigen. Daraufhin haben auch wir eine kleine Sammlung der Begriffe angefangen. Leider habe ich schon wieder viele Begriffe vergessen, würde mich aber über eine Auffrischung meiner "Apfelkitschen-Kenntnisse" freuen. Das Ende eines Brotes heißt bei uns im Ruhrgebiet übrigens Knapp oder Knäppchen. Ich bin überzeugt, daß sich dafür auch viele regional unterschiedliche Begriffe finden lassen.
Sandra Sonner

Lieber Zwiebelfisch-Meister, seit meinen Kindertagen im Ruhrgebiet kenne ich das besagte Gebilde als Apfelkippe. Schönen Gruß!
Ulrich Olfers

Sehr geehrter Herr Sick, in der Gegend von Hagen (Nordrhein-Westfalen) scheint der Begriff Apfelnüssel geläufig zu sein. Hadi Sukirman

Meine Mutter, geboren in Datteln und aufgewachsen in Duisburg, sagte zum Apfelrest Apfelknössel.
Torsten Zoeke

Lieber Zwiebelfisch, ich stamme aus dem Ruhrgebiet und mochte den Apfel nie ganz aufessen. Die Krose nahm mir stets mein Vater ab.
Annette Niemeyer


Rheinland, Bergisches Land

In Köln sagt niemand "die Kitsche". Der Kölner sagt: der Kitsch. Ein, wie ich finde, bedeutender Unterschied. Met enem schööne Jrooss!
Jörg Nijmeijer

In der Pellenz zwischen Koblenz, Andernach, Mayen und dem Laacher See heißt das Ding Appelkrotz, wobei das "o" wie in "wobei" oder "Tor" ausgesprochen wird und nicht wie in "ausgesprochen".
Peter Koll

Sehr geehrter Herr Sick, vor Jahren lernte ich in Bonn zwei charmante junge Damen kennen (aber das ist eine andere Geschichte), die im Gespräch das Wort Birnennürsel (maskulinum) verwandten. Sie erklärten mir auf meine Nachfrage, dass es sich dabei um den Rest einer Birne handele. Wenn es einen Birnennürsel gibt, müsste es dann nicht auch einen Apfelnürsel geben?
Mattias Timm

Hallo Zwiebelfisch, zum Thema der Apfelreste eine Erweiterung. Hier bei uns im Bergischen Land sagt man gelegentlich Meubbes zu dem abgenagten Rest.
Stefan Vogel

Um die Sammlung mundartlicher Begriffe zu ergänzen: In meiner Familie (ich stamme aus dem Oberbergischen Kreis, NRW) nennt man das Appelsknüsel, mit einem kurzen "ü".
Britta Achenbach


Hessen

Hallo Zwiebelfisch, meine Freundin kommt aus Hessen und sagt Apfelkrips.
Boudewijn Moonen

Als ich eben den Kerngehäusebeitrag las, wunderte es mich, dass anscheinend nicht ganz Deutschland den Begriff Apfelgrips verwendet, der hier in Nordhessen generell gebräuchlich ist. Ich war sogar bis eben überzeugt davon, dass "Apfelgrips" hochdeutsch sei und nicht wieder irgendeine Mundart, die hier in Nordhessen sowieso nicht weit verbreitet ist und nur noch in wenigen Wörtern wie "Schnuckzeug" (Süßigkeiten) und "Kutzeln" (kleine Knoten in den Haaren) vorkommt. Vielen Dank für die Bereicherung! Es kann nie schaden zu verstehen, was die Leute anderswo von sich geben.
Julia Kestner

Ich komme aus dem Nordhessischen (Nähe Kassel), und bei uns heisst das Ding Apfelgrütz. Ich war übrigens felsenfest davon überzeugt, dass dies der hochdeutsche Begriff ist. Viele Grüße aus einem mittlerweile in Köln tätigen Nordhessen!
Ralf Fenge

Sehr geehrter Herr Sick, ich komme gebürtig aus Nordhessen, und bei uns zuhause wurde der Apfelrest immer Knirbitz genannt.
Ingrid Oehl

Meine Mutter stammt aus Kassel und hat immer den Begriff Appelkriwwitz benutzt.
Tania Vangeel

Da Essensreste unter Freunden selten zum Gesprächsthema werden, kenne ich nur den Gebrauch in meiner Familie und den meiner Frau: Bei meiner Frau (Hagener Landadel) heißt der Apfelrest schlicht Kitsch, während in meinem Clan (Schwäbische Schwarzbrenner) seit Urzeiten der Butzen gepflegt (und oft sogar mitgegessen) wird.
Karl Bihlmeier

Bei uns in Frankfurt in Hesse, wo es die vielfältigsten Namen für Apfelwein gibt, sagt man zum Apfelrest Äbbelbutze oder Äbbelkrotze. Gruß aus Sachse(n)hause(n)!
Michael Volpp


Trier

In der schönen Trierer Sprache wird der Rest des Apfels als Apfelbatzen bezeichnet - offenbar eine Variante des schwäbischen "Butzen".
Monika Wien

Sehr geehrter Herr Sick, das Wort Apfelbatzen wird in der schönen trierischen Sprache Aapelbaaz oder Ääpelbaazen ausgesprochen. Da die Lautverschiebung das Moselfränkische nicht ganz erwischt hat, hat der Apfel kein "pf". Davon abgesehen lässt der echte Moselfranke sowieso keinen Rest vom Apfel. Er trinkt ihn nämlich als Viez (Apfelwein), und da bleibt weder Batz noch Grutz übrig. Höchstens "'n dicke Kopp" - wiederum ohne "pf".
Ernst Mettlach

Ich meine mich daran zu erinnern, dass in "meiner" Stadt Trier das Wort Appelkrutz die Runde macht. Jedenfalls habe ich einen ehemaligen Schulkamerad befragt, ihm schien das auch geläufig.
Jan Herrmann


Saarland

Ich lebe in St. Ingbert in der Nähe von Saarbrücken. Hier ist der Begriff Apfelgripsch verbreitet, mit kurzem "i". Erstaunlich finde, dass es dem norddeutschen "Apfelgriebsch" ähnlicher ist als den anderen Varianten.
A. Kilian

Hier eine Meldung aus dem südlichen Saarland, Raum Blieskastel. Bei uns wird das abgenagte Kerngehäuse als Grutze bezeichnet, also ähnlich dem hessischen "Grotzen", doch eindeutig mit dunklerem, kurzem u-Vokal.
Barbara Anna

Ich stamme aus einem Dorf 10 Kilometer westlich von Saarbrücken. Ganz eindeutig ist, dass Mundart fast nur noch in der Familie gebraucht wird, aber einen exotischen Reiz auf die heutige "standarddeutsche" Generation behält. Auf Saarländisch sagt man: "Isch honn em e Abbel genn, awwa nur de Gnutze zerickgridd." Das heißt auf Deutsch: Ich gab ihr einen Apfel, bekam aber nur ein Kerngehäuse zurück.
Wolfgang Forster


Pfalz

In der Pfalz sagt man oft Appelkrutze oder kurz "Krutze" dazu.
Matthias Roth

Bei uns in de Palz saat mer zu emre uffgessene Abbel Abbelgrutze. Des is schunn so ähnlisch wie bei de Hesse driwwe, awwer halt net ganz des selwe. So, und jetzt das Ganze noch mal auf Hochdeutsch: Bei uns in der Pfalz sagt man zu einem aufgegessenen Apfel "Abbelgrutze". Das ist schon in etwa ähnlich wie bei den Hessen drüben, aber doch nicht ganz dasselbe.
Yann Fürst

Was vom Apfel übrig bleibt, heißt in meiner Pfälzer Heimat Abbelgrutz. Dazu gibt es auch das mundartliche Adjektiv "abgegrutzt", was soviel heißt wie: verschlissen, verbraucht, heruntergekommen und nicht mehr ansehnlich - eben wie ein Apfelgrutz im Vergleich zum Apfel. Vielen dank für die schöne Kolumne!
Michael Goldmann

Ich bin in 1951 Bingen-Gaulsheim in der Nordwestecke Rheinhessens geboren und aufgewachsen. Das Ding hieß immer Appelgrotze, so wie es auch den "Birnegrotze" gibt. Zwischen Frankfurt und Darmstadt, wo ich seit mehr als dreißig Jahren lebe, hat man immer verstanden, wenn ich jemandem gleich den "Appelgrotze an de Kopp schmeiße wollt".
Willi Roßkopf


Baden-Württemberg

Im nordbadischen Grenzland in der Rheinebene - genauer Hemsbach, letzte Ausfahrt an der A5 von Süden kommend vor Hessen - sprachen meine Großeltern, Eltern und Geschwister immer von Abbelgrutze. In meiner Jugend (Baujahr 1969) war es hier noch möglich, die Ortschaft von Personen am Dialekt zu erkennen. Higgins hätte seine Freude daran gehabt. Awa was soll's, die Zeide sin rum.
Matthias Lasheras

Ich komme aus Heidelberg und meine Eltern aus dem Odenwald. Wir haben immer vom Grutze oder Apfelbutze gesprochen. Ein "Grutze" ist aber auch ein frecher Junge, in diesem Zusammenhang gerne "gloner Grutze" oder "glenner Grutze", je nachdem, aus welchem Dorf der Sprecher kommt (wobei das "o" in "gloner" sehr offen gesprochen wird, so wie im Englischen "raw"). "Grutze" kenne ich auch als "Offegrutze", das sind dann die Weihnachtsplätzchen, die im Ofen verbrannt oder missraten sind. "Grutze" ist also immer etwas, was nicht genießbar oder nicht gut gelungen ist. Das sagt ja schon der Klang, denn etwas, was so klingt, will kein Mensch. Das ist zwar gemein, aber das Leben ist nicht immer nur nett. Wörter jedenfalls machen Spaß!
Lilo Fromm

Im Südbadischen (Alemanisch) sagt man auch Öpfelbutzen. Beste Grüße und Danke für Ihre Rubrik!
Gerd Huber


Sachsen-Anhalt

Hallo Bastian, in meiner Heimat (nördliches Sachsen-Anhalt, Altmark) spricht man vom Apfelpuler, man pult sozusagen den Apfel mit den Zähnen ab. Klingt eigentlich ganz passend, ich fürchte aber, dass das Verbreitungsgebiet des Apfelpulers äußerst klein ist.
Katja Löbcke

Ich bin in Sachsen-Anhalt aufgewachsen und kenne den Apfelrest nur unter dem Namen Strunks oder "Apfelstrunks".
Anselma Gallinat


Thüringen

Im Eichsfeld (Nordwestthüringen) wird der Apfelrest als Krötsch bezeichnet. Soweit ich es anhand meines Familien- und Freundeskreises beurteilen kann, handelt es sich um einen Ausdruck, der in mehreren Orten geläufig ist.
Bjørn Nachtwey

Hier im mittelthüringischen Raum um Erfurt herum nennt man es Apfelkrebs - oder auch Apfelgrebs, ich habe es nie geschrieben gesehen und man nimmt es mit den "harten" Buchstaben wie t, p oder k hier nicht so genau.
Marcel Stehli

Bei uns in Martinroda bei Ilmenau ist der Rest des Apfels unter dem Begriff Apfelschnerps bekannt.
Martin Sauerbrey

Als ich vor einigen Jahren anfing zu studieren, traf ich auch auf das Kerngehäuse-Problem und habe angefangen zu sammeln. Der netteste und niedlichste Ausdruck, auf den ich dabei gestoßen bin, war Apfelschnirps - aus Arnstadt in Thüringen. Ich selbst komme aus Südhessen, wo man "Krotzen" sagt; das ist ungeschlagen eklig.
Solveig Wright

Ich komme aus Sonneberg in Thüringen, welches allerdings gleich neben der Grenze zu Franken liegt. Aber mein schöner Krüpps findet weder unter Thüringen noch unter Franken seine Erwähnung. Ich hoffe, dass ich diese Lücke jetzt geschlossen habe und dass wirklich alle Begriffe zu diesem Thema nun gesammelt sind.
Christian Ehrlicher


Sachsen

Hallo Herr Sick, im Sächsischen sagen wir Griebs. Schönen Gruß!
Jenz Pöhnisch

In meiner Heimatstadt Zwickau in Westsachsen wird dieser Rest des Apfels als Grieps bezeichnet. Da ich das Innere des Apfels zumeist mit verschlinge, fallen diese Griepse bei mir allerdings kaum an. Viele Grüße aus dem vorweihnachtlichen Magdeburg!
Hendrik Franke


Franken

Lieber Herr Sick, ich schreibe Ihnen im Auftrag des Teams des "Sprachatlas von Mittelfranken", einer dialektologischen Forschungsstelle der Universität Erlangen-Nürnberg, die die Dialekte des bayerischen Regierungsbezirks Mittelfranken dokumentiert. In unserem Untersuchungsgebiet wird vor allem Butzen gesagt, für das eigentliche Kerngehäuse ist auch "Kernhaus", "Gehäuse" oder "Häuslein" verbreitet. Wirklich neue Lemmata kann ich Ihnen also aus unserer Forschungsstelle nicht bieten.

Eine Präzisierung halte ich jedoch für nötig: Das Wort Griebs ist aus den mittelfränkischen Orten, in denen wir unsere Erhebungen durchgeführt haben, nur zweimal am Nordrand Mittelfrankens belegt. Es dürfte also eher in Oberfranken (vielleicht auch im östlichen Unterfranken) gebräuchlich sein und ist somit nicht als 'fränkisch' im Sinne von "gesamtfränkisch" zu bezeichnen.
Dr. Alexander Mang

Als Hamburger kenne ich eigentlich nur "Knust" für den abgenagten Apfel, doch nach 15 Jahren in Süddeutschland kommt mir das Wort inzwischen recht merkwürdig vor. Meine Frau, die aus Erlangen stammt, sagt Knerzel, und dieses schöne Wort fehlt noch gänzlich in Ihrer Aufzählung.
Julian Paulus


Bayern

Grüß Gott, Herr Sick, hier in Oberbayern sagen wir dazu: a Opfibutzn oder einfach "a Butzn". Opfi ist der Apfel, Butzn steht für Butzen.
Robert Neubauer

Meines Erachtens trifft Apfebutzn die bairische (nicht die bayerische!) Aussprache des Apfelrestes besser als das oben angegebene "Opfibutzn". Mit dem End-i gibt man sich in Bayern eher als Preuße, der bairisch reden möchte, zu erkennen. Man denke an Günther Jauchs Dialektimitationsversuche bei "Wer wird Millionär". Ein -e oder ein -a sind da idiomatischer.
Christian Kaul

Hier meine Variante für die Bezeichnung eines Kerngehäuses: Apfelgruzl - mit langem "u". So heißt er bei uns in der nördlichen Oberpfalz.
Carolin Greger


Schweiz

Grüezi Herr Sick! Wie Sie aus der Begrüssung schon sehen, schreibe ich Ihnen aus der Schweiz. Hier in Winterthur (Kanton Zürich) heisst das Teil Bütschgi, präzisierend auch "Öpfelbütschgi". Die Dialekte sind sehr unterschiedlich in der Schweiz, teils schon wenige Kilometer weiter heisst etwas ganz anders. Es kann also gut sein, dass Sie noch andere Zusendungen aus anderen Regionen erhalten. Übrigens: Ich lese Ihre Rubrik immer mit grossem Interesse! Bravo, weiter so!
Mirko Pepa

Naturgemäss schöpfe ich mal aus dem, was mich hier in der Schweiz umgibt. Klar ist das nicht mehr wirklich der deutsche Sprachraum (vor allem, wenn man die Schweizer selbst fragt), interessant ist es trotz allem. Zudem sollte es im Alemannischen verwandte Begriffe geben, von da kommt ja vieles im Schweizerdeutschen. Hier also meine rasch unter Freunden zusammengetragenen Varianten:
- das Bütschgi (Nordwestschweiz, Baselland, wohl auch im Alemannischen)
- das Bitschgi (vor allem in der Ostschweiz)
- das Gräubschi/Gröibschi (Bern)
Das war rasch zu eruieren, es gibt aber sicher noch manches mehr. Beste Grüsse und bon weekend
Tilo Richter

Lieber Zwiebelfisch, da wäre doch noch aus dem "Versuch eines Schweizerischen Idiotikon" von J. Stalder (Basel, Aarau, 1806) zu entnehmen:

Bätzgi, Bätzi n. - 1) Kerngehäuse des Obstes
2) Schildknorpel. Das Wort gehört zu Bätzeni, verbätzen = verschnitzeln; auch durch Schneiden verderben. Z.B. Papier verbätzen, in kleine Stücke schneiden; Bätzeni in der Mehrzahl = unnütze, unbrauchbare Stücke eines Dinges, z.B. von Papier, Glas u.s.w. Verwandt mit dem ital. pezzo.
Für Bätzi sagt man in andern Kantonen, z.B. in Zürich Bütschgi, in St. Gallen Bitzgi; in Solothurn und Aargau Gigertschi; in Bern Gürbsi, Gürbschi; im Berner Oberland Grüschi; in Glarus Gütschi. Das Schweizerdeutsche ist also ein bunter Garten.
Pius Schwyzer


Liechtenstein und Südtirol

In Liechtenstein (genauer gesagt im Liechtensteiner Unterland) heißen die Apfelreste Öpflbotza, sind also dem Schwäbischen recht ähnlich. Im Südtirol (Pustertal) heißen sie hingegen Apfelprobscht.
Gabriel Büchel


Österreich

Ich bin in Mittelfranken aufgewachsen, ganz nahe der Grenze zu Baden-Württemberg, nämlich in Dinkelsbühl. Dort habe ich gelernt, dass man das Kerngehäuse des Apfels "Abflbuddzn" nennt. Das typisch fränkische "L" natürlich inklusive. Inzwischen lebe ich jedoch in Oberösterreich im südlichen Mühlviertel und hier nennt man es Obfübuhtz, also im Grunde sehr ähnlich. Beides setzt sich aus Apfel und Butz zusammen, und das, obwohl die beiden Dialekte einige hundert Kilometer zwischen sich haben. Viele "mühlviarlarische" Grüße!
Gabi Wiedemann

In Ostösterreich nennt man das einen Apfelputzen.
Matthias Böning

Lieber Zwiebelfisch, im Wiener Raum ist es der Apfelpurzen.
Sonja Koschina

Sehr geehrter Herr Sick, hier bei uns in Oberösterreich sagt man Apfelbietz. Die niederösterreichische Variante lautet Apfelbutzen.
Anton Wildhauser


Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Siebenbürgen

Meine Mutter - gebürtig aus Ebenrode (Ostpreußen, östlich von Königsberg gelegen) - benutzt die Bezeichnung Krunsch oder "Apfelkrunsch".
Torsten Aschekowski

Dazu schlägt mein in Ostpreußen geborerener Vater als ostpreußisches Wort noch Pesek oder Pesenk vor.
Konrad Pahlke

Im "Preussischen Wörterbuch" (sic), Deutsche Mundarten Ost- und Westpreußens, Karl Wachholz Verlag, Neumünster 1977, gibt es für Griepsch zwei Eintragungen:
(1) f. Hebamme, Frau, Mutter, Tante
(2) m. Kerngehäuse des Obstes
Meine Frau und ich, obwohl in Ostpreußen geboren, können uns an die Definition (1) nicht erinnern. Sie war wohl auch nicht im ganzen Sprachgebiet verbreitet. Wir kennen und benutzen das Wort heute in der Definition (2), können aber nicht beschwören, seit wann es in der Familie üblich ist, ob etwa früher in unserer alten Heimat ein anderes Wort für diesen Begriff verwendet wurde.
H. Brodowsky

Als schlesische Ergänzung zum Thema "Kitsche & Co." kann ich mit dem Wort Griebsch dienen, auch als Äppelgriebsch bekannt.
Withold Brochocki

Sehr geehrter Herr Sick, im Siebenbürgisch-Sächsischen (einem über 800 Jahre alten Dialekt) heißt das Kerngehäuse eines Apfels Grips - mit kurzem "i".
Hans Peter Schuster


Hochdeutsch

Strunk kann es nicht sein, denn das ist ein feststehender pflanzenanatomischer Ausdruck für einen verholzten Stiel/Stengel - so wie beim Kohl. Beim Apfel also nicht richtig, da er eine Frucht ist. Von Apfelstrünken habe ich jedenfalls noch nichts gehört.
Ruth Tajote

Hallo Herr Sick, zu Ihrem interessanten Apfelthema: Ich halte den Begriff Kerngehäuse für die korrekte hochdeutsche Bezeichnung.
Patrick W. Julius

Antwort des Zwiebelfischs: "Kerngehäuse" ist zweifellos ein hochdeutsches Wort, aber es bezeichnet nur das Innere der Frucht. Griebsch/Butzen/Kitsche/Nüssel - oder wie immer man es nennen will - umfasst mehr: nämlich auch den Stengel (Stängel) und die Blüte. Und weil vorhin jemand danach fragte: All diese Wörter gelten auch für die Birne. Dann freilich nicht mit Abbel, Appel, Öpfl davor, sondern mit "Birnen-". Birnengriebsch, Birnenkitsche, etc.

Also ich sage Krause oder "Apfelkrause" und halte dies für den üblichen hochdeutschen Begriff.
Jochen Starke

Antwort des Zwiebelfischs: Ich vermute, dass es sich bei dieser "Krause" um eine Nebenform von Kröse und Krotze handelt. Das hochdeutsche Wort Krause (Halskrause) hat jedenfalls nichts mit Äpfeln und Birnen zu tun. Sehr viele Leserzuschriften begannen übrigens mit Formulierungen wie "Bei uns sagt man zum Apfelrest auch..." oder "Ein anderes Wort für den Apfelrest ist..." - da stutzte ich und dachte: Natürlich, das ist es! Das hochdeutsche Wort lautet schlicht und einfach Apfelrest! Dutzende von E-Mail-Schreibern haben es instinktiv niedergeschrieben, also muss der Apfelrest der gemeinsame hochdeutsche Nenner sein.

Zu guter Letzt ein besonders lustiger Kommentar zu diesem Thema. Er stammt von "Zwiebelfisch"-Leser Gunnar R. Fischer:

Sehr geehrter Herr Sick, vielen Dank für Ihre Forschung im Bereich der Apfelrestbenennung! Es ist doch paradox, dass einerseits immer mehr über den zunehmenden Sprachmüll in Deutschland geklagt wird, andererseits die Müllsprache zu kurz kommt!


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