Akademikergehälter "Frauen hinken hinterher"

Zwischen Frauen und Männern gibt es erhebliche Einkommensunterschiede - und in akademischen Berufen sind sie besonders groß. Das beginnt schon mit dem Berufsstart, sagt Kathrin Leuze, 34, Sozialforscherin am Berliner Wissenschaftszentrum.

Forscherin Leuze: Erhebliche Nachteile für Frauen
David Ausserhofer

Forscherin Leuze: Erhebliche Nachteile für Frauen


UniSPIEGEL: Kürzlich ergab eine Studie, dass Frauen in Deutschland schon beim Berufseinstieg 18,7 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Geht es Akademikerinnen ebenso?

Leuze: Die Unterschiede sind bei den Akademikerinnen sogar noch größer als bei geringer Qualifizierten. Unsere Studien haben ergeben, dass Männer fünf Jahre nach ihrem Abschluss im Schnitt 3838 Euro Brutto verdienen, Frauen aber nur 3074. Zwar haben sie bei der Bildung extrem aufgeholt - inzwischen sind fast 50 Prozent aller Uni-Absolventen Frauen. Doch was ihr Einkommen angeht, hinken sie noch immer gewaltig hinter den Männern her, und zwar schon unmittelbar nach Abschluss des Studiums.

UniSPIEGEL: Liegt das an Unterbrechungen durch Schwangerschaft?

Leuze: Auch, aber schwerer wiegt, dass es Abiturientinnen häufiger in Studienfächer wie Sozial-, Erziehungs- und Pflegewissenschaften drängt - und damit in fürsorgende Jobs. Die erinnern aber an die unentgeltlich geleistete Arbeit in Familie und Haushalt und gelten daher als weniger entlohnenswert. Außerdem sind diese Stellen oft in kleinen Betrieben und im Öffentlichen Dienst angesiedelt, wo weniger gezahlt wird als in der Privatwirtschaft.

UniSPIEGEL: Andere Frauen begeistern sich für typische Männerberufe. Werden sie auch dort schlechter entlohnt?

Leuze: Ja, das werden sie. Aber sie können froh sein, wenn sie überhaupt einen Job finden. Die Arbeitslosenquote ist zum Beispiel bei Ingenieurinnen mehr als doppelt so hoch wie bei Ingenieuren - und damit sogar höher als bei allen anderen Akademikerinnen. Und wenn sie denn zum Zuge kommen, landen sie häufiger als die Männer in zeitlich befristeten und schlechter bezahlten Jobs. Warum das so ist, wollen wir jetzt genauer erforschen.

UniSPIEGEL: Sind die Frauen nicht hartnäckig genug?

Leuze: Auf jeden Fall haben Männer ein größeres Verhandlungsgeschick. Frauen geben sich zu schnell zufrieden, wenn es um den Lohn geht. Und die meisten männlichen Chefs wissen das.

Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in ausgewählten Berufen
Bürokaufleute
Bürokauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen mit 1782 Euro nur rund 1,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die auf 1813 Euro kommen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren steigt der Rückstand auf 10,7 Prozent.
Industriekaufleute
Industriekauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen im Schnitt 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (1962 statt 2216 Euro), in den folgenden Jahren (vier bis zehn Berufsjahre) schwächt sich die Einkommensdifferenz etwas ab; sie beträgt dann noch 10,3 Prozent.
Großhandelskaufleute
In diesem Beruf beträgt der Einkommensabstand der Frauen gegenüber den Männern gut 14 Prozent. In den ersten drei Jahren bedeutet dies einen Rückstand von durchschnittlich 286 Euro, bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst er absolut auf 335 Euro.
Buchhalter
In den ersten drei Berufsjahren liegen Frauen acht Prozent hinter den Männern zurück. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst dieser Rückstand auf 14,9 Prozent. Bei den Frauen steigt das durchschnittliche Einkommen von 2053 auf 2317 Euro, bei den Männern von 2230 Euro auf 2722 Euro.
Bankkaufleute
Bankkauffrauen verdienen in den ersten drei Jahren im Schnitt mit 2462 Euro insgesamt 105 Euro (4,1 Prozent) weniger als Bankkaufmänner. Dieser Abstand wächst in der Gruppe der Beschäftigten mit vier bis zehn Berufsjahren auf 217 Euro (7,4 Prozent).
Sozialpädagogen
Berufsanfängerinnen liegen mit einem Einkommen von 2211 Euro in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 5,6 Prozent vor ihren männlichen Kollegen (2093 Euro). Weibliche Angestellte mit vier bis zehn Berufsjahren verdienen dagegen im Schnitt 9,4 Prozent weniger als männliche Sozialpädagogen.
Mathematiker und Statistiker
Mathematikerinnen starten mit einem kräftigen Einkommensrückstand von 15,7 Prozent gegenüber ihren männlichen Kollegen. Sie verdienen im Schnitt in den ersten drei Jahren 3100 Euro, Männer 3677 Euro. In der Folgezeit (vier bis zehn Berufsjahre) steigern die Frauen ihr Durchschnittseinkommen auf 4237 Euro. Männer verdienen in dieser Zeitspanne im Schnitt 4187 Euro und liegen damit 1,2 Prozent hinter den Frauen.
Juristen
Zu Beginn ihrer Berufskarriere verdienen Juristinnen im Schnitt 7,3 Prozent weniger als Männer. Sie verdienen in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 3207 Euro, rund 252 Euro weniger als ihre Kollegen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst der Abstand sogar auf 12,4 Prozent. Juristinnen verdienen dann im Schnitt 3845 Euro, Juristen 4391 Euro.

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AndyH 01.10.2009
1.
Zitat von sysopFrauen und Männer trennt eine gewaltige Lohn-Kluft: Schon zum Berufseinstieg verdienen weibliche Angestellte fast 20 Prozent weniger - was muss sich ändern, damit Frauen gerechter behandelt werden?
Nachdem in den Lohntabellen keine geschlechterspezifische Unterscheidungen beschrieben sind, muss man überlegen wie das wohl kommt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Personalchefs mutwillig kürzen würden. Das wäre offene Diskrimination und damit gesetzeswidrig. Irgendwelche Ideen?
CMH 01.10.2009
2.
Jetzt werden diese Lügenmärchen auch noch hier weiter verbreitet! Sysop, ist Ihnen langweilig? Die Europäische Kommission hat bereits 2002 festgestellt, daß es nahezu keine Lohnunterschiede mehr gibt. Daran ändern auch die Zahlenverdrehereien und Lügengeschichten von Zensursula nichts!
schmoggelmopps 01.10.2009
3. Chanda Kochhar: „Indiens Frauen machen leichter Karriere“
Interessant: ICICI-Chefin Chanda Kochhar antwortet auf die Frage, ob Sie ihrer Meinung nach eine Ausnahmen sei oder ob auch andere (Frauen) den Aufstieg "ganz nach oben" schaffen könnten: "Ich betone immer, dass Frauen für sich selbst Verantwortung übernehmen müssen: Wenn wir im Beruf vorankommen wollen, sollten wir nicht damit rechnen, etwas geschenkt zu bekommen. Am Arbeitsplatz müssen wir uns geschlechtsneutral verhalten. Frauen müssen sich im Job genauso einsetzen wie Männer, genauso hart und lang arbeiten, genauso viel reisen. Mir sind Familie und Arbeit gleich wichtig - so wie den meisten Männern an der Spitze." http://www.faz.net/s/RubC43EEA6BF57E4A09925C1D802785495A/Doc~EF7BB75A45BA444689312FFF0938B2EF3~ATpl~Ecommon~Scontent.html Ich meine: Solange Frauen nicht genau so wie Männer verhandeln, werden Sie - fernab von Tarifverträgen - auch weniger verdienen - hier gemeint bei gleicher Leistung, egal wie die Qualifikation ausfällt. Es gibt auch Männer, die schlecht verhandeln - die verdienen auch weniger. Ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass einige westliche Frauen - da gibts aber auch Männer - meinen, dass man Erfolg per Quote erzielen kann. Das funktioniert aber nunmal nicht, hat es nicht, wird es nie. Eine Position zu bekommen ist eine Sache, da klappt es vielleicht mit einer Quote. Eine Position zu halten - DAS ist mitunter harte Arbeit.
Michael Giertz, 01.10.2009
4.
Zitat von sysopFrauen und Männer trennt eine gewaltige Lohn-Kluft: Schon zum Berufseinstieg verdienen weibliche Angestellte fast 20 Prozent weniger - was muss sich ändern, damit Frauen gerechter behandelt werden?
Die Kluft entsteht innerhalb tarifgebundener Branchen einfach dadurch, dass Frauen weniger lang arbeiten (Teilzeit) als Männer. Wer 20%-25% weniger arbeitet, z.B. statt 40 nur 30 Wochenarbeitsstunden kann unmöglich das gleiche Gehalt verlangen. Und wenn das nicht endlich auch mal in den Medien erscheint, sprich, dass oftmals diese Unterschiede allein durch unterschiedliche Arbeitszeiten zustande kommen oder durch reduzierte Tätigkeitenfelder - zum Beispiel sind Frauen körperlich weniger belastbar als Männer und können bestimmte Tätigkeiten nicht durchführen, so dass diese Arbeiten aus der Stellenbeschreibung entfallen - dann wird auch offensichtlich, dass es niemals eine absolute Lohngleiche geben kann.
Dr. Sorglos 01.10.2009
5. Desinformation und falsche Behauptungen
Hier handelt es sich schlichtweg um gezielte Desinformation, die durch endlose Widerholung nicht richtiger wird. Das dies so sein muss, kann man mit gesundem Menschverstand heraus finden, den welches Unternehmen würde für eine Arbeit 100% Prozent bezahlen, wenn es die qualitativ gleiche Arbeit für 80% bekommen kann? Entsprechend dürften Männer wohl keine Anstellung mehr finden. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Sie wollen uns doch wohl nicht weißmachen, dass Unternehmen ihr unternehmerisches, betriebswirtschaftliches Interesse hinten an stellen, sich 20% mehr Kosten aufhalsen lassen, um Frauen zu diskriminieren. Ich bitte Sie! Ich möchte hier einen Post von Herrn Dr. Maus von MannDat wiedergeben, der noch einiges zur Aufklärung beiträgt: ---Zitat--- Zur sogenannten Lohndiskrimierung von Frauen Renate Schmidt, Ex-Familienministerin, 2003: „Frauen verdienen ja nicht weniger: bei gleicher Tätigkeit, gleicher Qualifikation und gleicher Berufserfahrung wird es sehr schwer nachzuweisen sein, dass es tatsächlich in nennenswertem Umfang (von Einzelfällen abgesehen) eine ungleiche Bezahlung gibt." Gender-Daten-Report des BMFSFJ, 2005: "So liegt der Bruttojahresverdienst von Frauen, die weniger als 18 Stunden pro Woche arbeiten, 2002 bei 122 Prozent des Verdienstes von Männern in dieser Beschäftigungsform." Das Statistische Bundesamt, 2006: "Aus dem geschlechterspezifischen Verdienstabstand kann nicht geschlossen werden, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit anders bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen." EU-Kommissar Spidla, 2007: "Bei Lohngefälle geht es jedoch nicht um unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit", erläuterte der EU-Kommissar. Ein wichtiger Grund für das große Lohngefälle in Deutschland sei vielmehr, dass viele Frauen Teilzeit arbeiteten." Das BMFSFJ, 2008 an MANNdat: "Die ... Aussage von Frau Ministerin von der Leyen, dass "Frauen noch immer nur 77 % des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit" ist daher in dieser Form nicht richtig und missverständlich, auch wenn sie sich in den Medien oft so oder ähnlich findet. Wir haben die Rede daher aus dem Netz genommen und danken Ihnen für diesen Hinweis." --- Wenn das Frauen(!)ministerium durch die Hans-Böckler-Stiftung eine Studie zur Entgeltgleichheit durchführen lässt, dann ist das ungefähr so glaubwürdig, wie wenn ein Erdölkonzern eine Studie über die Umweltbelastung durch fossile Kraftstoffe in Auftrag gibt. Ein anderes als das zitierte Ergebnis würde jedenfalls niemals veröffentlicht. Beinahe täglich werden solche Beiträge über Lohndiskriminierung von Frauen lanciert, deren VerfasserInnen es entweder nicht besser wissen, also schlecht recherchieren, oder vorsätzlich Unwahrheiten verbreiten. Dr. Eugen Maus, MANNdat e.V. - geschlechterpolitische Initiative. ---Zitatende---
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