Arbeitsplatz der Zukunft Schöne neue Bürowelt

In Deutschland werden Arbeitsplätze abgebaut - auch in wörtlichem Sinn. Viele Firmen entlassen Mitarbeiter, andere schaffen nur Schreibtische und Stühle auf den Sperrmüll. Schick, platzsparend, günstig: So soll das Büro der Zukunft sein.

Von Swantje Wallbraun


Büroraum ist teuer. Deshalb müssen ihn sich Schreibtischarbeiter immer häufiger mit ihren Kollegen teilen. Montag bis Freitag von neun bis 17 Uhr am gleichen Platz – das ist der Klassiker, aber es geht auch anders. Das Arbeitsleben stellt hohe Ansprüche an die Arbeitnehmer: Mobil sollen sie sein, flexibel, zu jeder Tag- und Nachtzeit verfügbar, um rund um den Globus Geschäfte abzuwickeln. Team- und Projektarbeit sind in vielen Branchen die Regel und lösen das Einzelkämpfertum ab.

Stärker als bisher könnte das moderne Büro in Zukunft zur Durchgangsstation, zum Treffpunkt und Kommunikationszentrum werden. Denn im Gegensatz zu Industrieproduktion oder Landwirtschaft ist die Arbeit, die in Büros verrichtet wird, nicht notwendig ortsgebunden. Internet und Handy versetzen Mitarbeiter eines Unternehmens in die Lage, an jedem beliebigen Ort und zu jeder beliebigen Zeit zu arbeiten. Zumindest theoretisch brauchen sie ein Büro dann nur noch für persönliche Treffen mit Kunden oder Kollegen.

Zwei von drei Angestellten arbeiten in Büros. Von ihnen sitzen nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) nur 39 Prozent ständig am festen Schreibtisch. 38 Prozent haben zwar ein eigenes Büro, sind aber mehr als die Hälfte ihrer Zeit unterwegs. Die verbleibenden 22 Prozent haben keinen eigenen Schreibtisch, arbeiten auf Reisen, zu Hause und an wechselnden Tischen in der Firma.

Büromiete wird eingespart

Nach purem Kostenkalkül von Unternehmen müsste der Anteil der Arbeitsplatz-Wechsler deutlich steigen. Denn warum sollen Firmen Miete und Einrichtung bezahlen für Büros, die nur zur Hälfte ausgelastet sind? Wer beruflich viel unterwegs ist, wird sich darauf einstellen müssen, dass er im Büro keinen festen Platz mehr hat. Und, wenn er in der Firma ist, dort arbeitet, wo gerade Platz ist – Desk-Sharing heißt das Konzept.

Bis zu einem Drittel der Büroflächen ließen sich so einsparen, haben Experten berechnet. Ob es die Stimmung hebt, wenn Wanderarbeiterkolonnen morgens auf der Suche nach einem freien Plätzchen ihre Rollcontainer durch die Gänge schleifen, ist fragwürdig - jedenfalls in Unternehmen mit klassischen Bürojobs. Aber anders sieht es in Firmen mit Mitarbeitern aus, die sehr viel auf Achse sind. Neue Konzepte der Büronutzung sind entstanden: Mehrere Unternehmen mieten gemeinsam ein Gebäude als Telearbeitszentrum. Dort bringen sie die Angestellten unter, die gerade in dieser Stadt tätig sind – sei es auf Dienstreise oder zu Kundengesprächen, für die sie einen offiziellen Rahmen suchen.

Müssen die Angestellten flexibler werden, gilt das für die Büromöbel erst recht. Einen Schreibtisch, an dem jeden Tag ein anderer Kollege Platz nimmt, muss man an die Körpergröße anpassen können - höhenverstellbare Tische und Stühle sind damit Pflicht. Auch die Aktenschränke verschwinden oder schrumpfen: Wer heute am einen und morgen am ganz anderen Ende des Raums arbeitet, tut gut daran, wichtige Dokumente digital zu lagern und Papierakten auf das absolut Nötigste zu beschränken.

Versuch's mal mit Gemütlichkeit

Mit den Urlaubspostkarten an der Wand und der Überraschungsei-Figur auf dem Monitor ist dann auch Schluss – denn der Kollege, der morgen am gleichen Platz sitzt, findet das vielleicht eher störend. Die persönliche Dekoration spiele für das Wohlbefinden der Mitarbeiter aber nur eine untergeordnete Rolle, so die Studie des IAO: Wichtig sei vor allem, dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizierten und die Büroeinrichtung zum Unternehmen passe.

Dennoch: Wer seiner Belegschaft den eigenen Schreibtisch nimmt, muss den Verlust ausgleichen. Wenn die Mitarbeiter sich an ihrem Platz nicht mehr häuslich einrichten können, müssen Büroraumplaner eine angenehme Atmosphäre schaffen, freundliche Farben nutzen, Kunstwerke aufhängen, Pflanzen aufstellen, vielleicht sogar Feng-Shui-Regeln einbeziehen.

"Das ist die neue Herausforderung für Designer: das Büro wohnlich zu machen", sagt der Designer Werner Aisslinger, Professor an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung. Aus diesem Grund haben sich die Entwickler von Büromöbeln in den letzten Jahren zunehmend vom kalten Minimalismus des Jahrtausendbeginns verabschiedet und präsentieren nun Einrichtungen mit üppigen floralen Mustern und Ornamenten. Warme, weiche Materialien wie Filz, Kork und Holz gewinnen die Oberhand über Kunststoff und Metall.

Auch Ruhezonen für die Mitarbeiter würden künftig eine größere Rolle spielen, so Aisslinger. Und die engen Teeküchen in den Unternehmen werden vorausschauende Büroplaner ausbauen: Für eine Generation von Menschen, die einen Großteil ihrer Arbeit zu Hause oder unterwegs erledigen, ist es um so wichtiger, in der Firma den Kontakt zu den Kollegen zu pflegen.

Blick in die Zukunft:

Wie könnte Ihr Arbeitsplatz sich verändern?



insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Rainer Helmbrecht 24.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- ...Zwischen Ergonomie und Effizienz soll das ideale Büro bei der Arbeit motivieren und gleichzeitig für Produktivität sorgen. Nur eine Idealvorstellung, die meist an den Kosten scheitert? Wie sollte das Büro der Zukunft aussehen? ---Zitatende--- Also, ich wünschte mir endlich papierlos, mit der Sicherheit einer gut geführten Ablage;o).
Constantinopolitana, 24.08.2006
2.
ALSO, erstmal kann ich meinem Vorschreiber völlig zustimmen: PAPIERLOS!!!! Und dann: Bitte, bitte kein Großraumbüro; jeder sollte die Möglichkeit haben, an seinem Arbeitsplatz Wärme, Musik, Belüftung und so weiter selbst zu bestimmen. Wenn man irgendwo 8 Stunden am Tag verbringt, sollte man sich auch wohlfühlen dürfen! Ansonsten: - Klimaeffizient entworfene Gebäude, will heißen: Gute natürliche Belüftung, keine Klimaanlage im Sommer und minimale Heizkosten im Winter. - Vernetzung aller Computer und Peripheriegeräte, um nur ein Minimum an Geräten zu benötigen, diese dafür aber GUT und nach langfristig sinnvollen Gesichtspunkten zu kaufen - Energiesparlampen überall, keine Neonröhren - Keine Büros ohne FENSTER (die man selbstverständlich auch ÖFFNEN kann)!!! Tageslicht, solange es geht - Kein Bürozwang, wenn's nicht sein muß; Heimarbeit möglich für alle, bei denen es technisch und organisatorisch machbar ist - Internet und ADSL für alle - Bezahlung nach Leistung und nicht nach abgesessenen Stunden - Gelegenheit, das Mittagessen aufzuwärmen und Tee/ Kaffee zu machen - Büro gut erreichbar mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln - und ganz, ganz großartig wäre: Organisation von Kinderbetreuung, vielleicht gemeinsam mit anderen Arbeitgebern in der Nachbarschaft... Bis auf den allerersten und den allerletzten Punkt habe ich das Vergnügen, in einem solchen Büro zu arbeiten :-) Beste Grüße, Eva
La Bomba 24.08.2006
3. Wie soll das Büro der Zukunft aussehen?
Ein bequemer Stuhl, eine ausreichend große Arbeitsplatte, gute Beleuchtung, ein schickes Telefon in Reichweite, ein Notebook, das man mitnehmen kann, und ganz wichtig: Wenn man sich konzentrieren muß, die Möglichkeit, sich gegen Lärm von außen zu isolieren, dh. die Tür zumachen zu können. Dazu noch eine gute Sekretärin, gute Musik, guter Wein, und das Arbeiten wird zum Vergnügen.
Pillendreher 24.08.2006
4.
---Zitat von La Bomba--- Dazu noch eine gute Sekretärin, gute Musik, guter Wein, und das Arbeiten wird zum Vergnügen. ---Zitatende--- Komm aus dem Wunderland zurück, Alice!
Gabri, 24.08.2006
5.
Keine Großraumbüros! Ein modernes Büro sollte verschiedenartige Kommunikationsräume (abteilungsintern und- übergreifend) haben bei gleichzeitiger Möglichkeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit ruhig und konzentriert zu arbeiten, d.h. kleine Gruppen von je 3 bis 4 Einzelbüros mit einem eigenen Gemeinschaftsraum im Sinne einer Tee-/Kaffeeküche, Bibliothek und Kopier-/Technikräume mit Aufenthaltscharakter sowie natürlich die übergeordneten thematisch bindenden Seminar- und Besprechungsräume.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.