Umfrage bei Konzernen Bachelors sind nicht überall willkommen

Reicht der Bachelor für den Job-Einstieg? Kommt aufs Unternehmen an, wie eine Umfrage unter deutschen Großkonzernen zeigt. Ausgerechnet eine staatliche Bank will von BA-Absolventen gar nichts wissen.

Absolventen in Bonn: Bachelors haben es in manchen Unternehmen schwer
DPA

Absolventen in Bonn: Bachelors haben es in manchen Unternehmen schwer


Mit der Kampagne "Bachelor welcome" wollte die deutsche Wirtschaft Absolventen schon vor zehn Jahren die Angst nehmen, ohne Master seien sie auf dem Arbeitsmarkt nichts wert. Doch auch heute noch werden Studenten, die die Hochschule nach dem ersten Abschluss verlassen, höchst unterschiedlich aufgenommen. Das ergibt eine Umfrage, die das "Handelsblatt" unter 40 Großunternehmen durchgeführt hat.

Der Anteil der Bachelor-Absolventen unter allen 2013 eingestellten Hochschulabgängern schwankt bei den 30 Dax-Konzernen und zehn weiteren Unternehmen demnach zwischen null und 70 Prozent. Am aufgeschlossensten gegenüber dem nun nicht mehr ganz so neuen Abschluss ist die Deutsche Telekom.

Auch die Deutsche Bank, die Lufthansa und Bosch besetzen rund ein Drittel bis 40 Prozent ihrer Stellen mit Bachelor-Absolventen. Bei Technologie- und Chemieunternehmen wie Infineon und Lanxess liegt der Anteil bei um die zehn Prozent, bei BASF ist jeder fünfte Anfänger ein Bachelor-Absolvent. Gerade Chemie und Physik gelten als Fächer, in denen die Karrierechancen ohne Master oder sogar Doktortitel gering sind.

Am schlechtesten sieht es aber für Bachelor-Absolventen aus, die zur staatlichen Förderbank KfW wollen: Unter den 24 Trainees, die die Bank 2013 einstellte, war kein einziger.

Ein Sprecher der KfW verteidigt die Praxis: Die Förderbank sei "ein Spezialinstitut, für dessen vielfältige Tätigkeiten sich vertiefter ausgebildete Masterstudenten als geeigneter erwiesen haben". Außerdem bilde die Bank in einem Dualen Studium selbst Bachelors aus.

Fotostrecke

5  Bilder
Technik-Unis gegen Bologna: Lang lebe das Diplom

ade/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark@mailinator.com 22.10.2014
1. Totale Katastrophe
Das ist mal wieder ein Beispiel, wie die Vereinheitlichung in Europa das nationale Niveau senkt. Schon alleine die absurde Idee, das ehemalige Vordiplom der Uni mit einem Bachelor zu bewerten ... absurd. Entweder man richtet auf diese Weise den eigentlich monolithischen Unistudiengang zugrunde, oder man gibt Leuten ein Diplom, die keinerlei fachspezifisches Wissen bekommen haben. Die ersten Jahre an der Uni dienten der Vermittlung der nötigen Grundlagen, auf denen das höhere Fachwissen dann aufbauen konnte. Der kürzere Studiengang der Fach(hoch)schulen vermittelte hingegen von allem etwas weniger. Das endet nun beides mit dem Baccalaureus (ein Abschluß, der "Junggeselle" heißt, ist aber auch wirklich ein Witz) ... Wer endet mit solch einem Abschluß ? Im Zweifel doch jener, bei dem es für den Master nicht gereicht hat. Für den Arbeitgeber ist das eine Wundertüte. Wir stellen abgeschlossene Ingenieure ein und wir bilden aus. Warum sollten wir was brauchen, was dazwischen liegt, ewig unzufrieden ist, oder für Unfrieden sorgt ?
Reinste Wahrheit 22.10.2014
2. Leistungsniveau
Ein fertiger Bachelor ist auf etwa dem Stand, wie ein Diplomand nach dem Betriebspraktikum. Es gibt Gebiete, auf denen nur ein Bachelor reicht. Heilpädagogik z.B. ist in allen unseren Nachbarländern ein Ausbildungsberuf - und das nicht einmal ein besonders anspruchsvoller. Bei uns hingegen haben wir auf diesem Gebiet Fachkräftemangel unter anderem dadurch, dass wir ein abgeschlossenes Studium erwarten.
Celestine 22.10.2014
3.
Zitat von quark@mailinator.comDas ist mal wieder ein Beispiel, wie die Vereinheitlichung in Europa das nationale Niveau senkt. Schon alleine die absurde Idee, das ehemalige Vordiplom der Uni mit einem Bachelor zu bewerten ... absurd. Entweder man richtet auf diese Weise den eigentlich monolithischen Unistudiengang zugrunde, oder man gibt Leuten ein Diplom, die keinerlei fachspezifisches Wissen bekommen haben. Die ersten Jahre an der Uni dienten der Vermittlung der nötigen Grundlagen, auf denen das höhere Fachwissen dann aufbauen konnte. Der kürzere Studiengang der Fach(hoch)schulen vermittelte hingegen von allem etwas weniger. Das endet nun beides mit dem Baccalaureus (ein Abschluß, der "Junggeselle" heißt, ist aber auch wirklich ein Witz) ... Wer endet mit solch einem Abschluß ? Im Zweifel doch jener, bei dem es für den Master nicht gereicht hat. Für den Arbeitgeber ist das eine Wundertüte. Wir stellen abgeschlossene Ingenieure ein und wir bilden aus. Warum sollten wir was brauchen, was dazwischen liegt, ewig unzufrieden ist, oder für Unfrieden sorgt ?
Vielleicht konnte derjenige sich aber auch kein längere Studium mehr leisten. Der Bachelor-Studiengang ist völlig anders strukturiert als der Diplom. Es ist so gut wie ausgeschlossen, nebenbei noch zu jobben, wie das beim alten System noch ganz gut ging. Außerdem gibt es, so weit ich weiß, gar nicht genug Studienplätze für Master-Abschlüsse.
darnas 22.10.2014
4.
Zitat von CelestineVielleicht konnte derjenige sich aber auch kein längere Studium mehr leisten. Der Bachelor-Studiengang ist völlig anders strukturiert als der Diplom. Es ist so gut wie ausgeschlossen, nebenbei noch zu jobben, wie das beim alten System noch ganz gut ging. Außerdem gibt es, so weit ich weiß, gar nicht genug Studienplätze für Master-Abschlüsse.
Mein Grund warum ich als Bachelor Student der Biophysik nach meinem Abschluss nicht weiter studieren will ist, dass mein Bachelor zu lange gedauert hat. Ich möchte endlich ausziehen können aus einer 3-Zimmer Wohnung in der insgesamt 4 Leute wohnen (Familie). Klar es gibt Bafög. Als ich es aber gebraucht habe, bekam ich nicht es nicht mehr, weil ich zu lange studiert habe. Im Master würde ich es zwar wieder bekommen, aber was dann? Wenn schon der Bachelor mir zu lange gedauert hat, wie lange brauche ich dann für den Master? Und bekomme ich überhaupt einen Platz mit meinen Noten? Ich würde sehr gerne nach meinem Bachelor, mit dem was ich gelernt habe, arbeiten gehen. Ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln (Praktische und nicht durchs Bulemielernen) und dann eventuell den Master machen. Aber malschauen ob sich überhaupt jemand findet der mich einstellen würde. Ich werde es ja dann sehen.
plietsch 22.10.2014
5.
Zitat von quark@mailinator.comDas ist mal wieder ein Beispiel, wie die Vereinheitlichung in Europa das nationale Niveau senkt. Schon alleine die absurde Idee, das ehemalige Vordiplom der Uni mit einem Bachelor zu bewerten ... absurd. Entweder man richtet auf diese Weise den eigentlich monolithischen Unistudiengang zugrunde, oder man gibt Leuten ein Diplom, die keinerlei fachspezifisches Wissen bekommen haben. Die ersten Jahre an der Uni dienten der Vermittlung der nötigen Grundlagen, auf denen das höhere Fachwissen dann aufbauen konnte. Der kürzere Studiengang der Fach(hoch)schulen vermittelte hingegen von allem etwas weniger. Das endet nun beides mit dem Baccalaureus (ein Abschluß, der "Junggeselle" heißt, ist aber auch wirklich ein Witz) ... Wer endet mit solch einem Abschluß ? Im Zweifel doch jener, bei dem es für den Master nicht gereicht hat. Für den Arbeitgeber ist das eine Wundertüte. Wir stellen abgeschlossene Ingenieure ein und wir bilden aus. Warum sollten wir was brauchen, was dazwischen liegt, ewig unzufrieden ist, oder für Unfrieden sorgt ?
Nicht nur in Europa. Bologna geht auf die UNESCO zurück. Eine Niveausenkung kann man an diesem Urteil auch nicht ablesen. Zum einen ist die befragte Menge zu gering, zum anderen weiß man nichts über die notwendige Qualifikation der jeweiligen Stellen Mit einem Vordiplom-Vergleich sind Sie die einzige Person, die den Bachelor abwertet, denn den Bachelor gibt es (nach Regelstudienzeit) nach sechs bis acht Semestern, wovon in der Regel schon die erste Prüfung im ersten Semester zählt. Ein Vordiplom musste nur irgendwie bestanden werden und wurde (ebenfalls Regelstudienzeit) nach zwei bis vier Semestern ausgehändigt. Diese Gleichsetzung ist in der Tat absurd. Schade, dass Sie nicht so differenzieren konnten wie die Autoren, die erwähnten, dass es eben Bereiche gibt, wo man Master/Diplom oder auch Promotion benötigt und das seine Gründe hat. In anderen Bereichen (z.B. Wirtschaftsinformatik in der Industrie oder Beratung) reicht ein drei- bis vierjähriger Bachelor hingegen oftmals. Zu meinen, für jede Tätigkeit bedarf es eines Masters, führt genau zu selben Diskussion von Doktoranden, die sich über Master- und Diplomabsolventen erheben wollen. Das führt zu nichts. Die Abschlüsse zielen auf verschiedene Tätigkeiten ab. Nur weil nicht jeder den höchsten Abschluss (in Ihrem Fall wohl jener, den Sie haben) erreicht, verlieren die Abschlüsse darunter nicht ihre Legitimität.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.