Bestechung bei Doktortiteln Geldauflagen und Strafbefehle gegen 44 Professoren

Der Skandal um gekaufte Doktortitel löste ein kleines Erdbeben an deutschen Unis aus. Dutzende Professoren, die Geld von windigen Promotionsberatern kassierten, kommen jetzt mit Geldauflagen davon. Vier weitere Hochschullehrer sollen Strafbefehle mit Bewährungsstrafen erhalten.

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Corbis

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In der Affäre um gekaufte Doktortitel, die in den letzten Jahren bundesweit die Hochschulen erschütterte, nähern die Ermittlungen sich dem Ende. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat die meisten der rund 90 Fälle abgeschlossen. Die Verfahren gegen gut 40 Professoren seien gegen Geldauflagen eingestellt worden; sie müssten Summen in bis zu fünfstelliger Höhe zahlen, sagte Tino Seesko, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Gegen vier Hochschullehrer seien Strafbefehle beantragt worden.

In 20 Fällen laufen die Ermittlungen noch; rund 20 weitere Verfahren wurden eingestellt, teils mangels ausreichenden Tatverdachts, teils auch wegen geringer Schuld oder Verjährung, wie die Zeitung "Neue Westfälische" am Donnerstag berichtete. Damit kommen die meisten Verdächtigen mit vergleichsweise milden Strafen davon. In allen Fällen ging es um den Verdacht der Bestechlichkeit: Den Professoren wurde zur Last gelegt, Schmiergelder vom "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach angenommen zu haben, um Promotionsinteressenten zum Doktortitel zu führen.

Das Institut in der Nähe von Köln, das inzwischen seine Arbeit einstellen musste, war wegen seiner fragwürdigen Praktiken seit rund 20 Jahren in der Hochschulszene bekannt. Der Nachweis der Bestechung von Professoren gelang allerdings erst im Zuge des Prozesses gegen einen Hannoveraner Juraprofessor A., der als "Doktormacher" bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Inzwischen sitzt er für drei Jahre in Haft - wegen Bestechlichkeit in 68 Fällen, wie das Urteil im April 2009 gegen ihn lautete.

Razzia im Institut, seitdem Gegenwind für Geschäftemacher

Für die Vermittlung von Doktorvätern ließ sich das windige Institut in Bergisch Gladbach von promotionswilligen und solventen Kunden, die auf regulärem Promotionsweg oft chancenlos gewesen wären, um die 20.000 Euro zahlen. Ein Teil des Geldes wurde an Hochschullehrer weitergereicht. So erhielt der Hannoveraner Jurist A. 4100 Euro für jeden Kandidaten, den er zum Doktor machte, Erfolgsprovision eingerechnet: Je 2050 Euro kassierte er für die Annahme eines Doktoranden und für die erfolgreiche Promotion.

Die illegalen Deals flogen auf, die Kölner Staatsanwaltschaft beschlagnahmte 2008 in den Geschäftsräumen des zwielichtigen Instituts zahlreiche Unterlagen und setzte sich auf die Spur von etlichen weiteren Professoren. Wenn die 40 Hochschullehrer die Geldauflagen zahlen, vermeiden sie Gerichtsverfahren mit dem Risiko einer höheren Strafe. Die Strafbefehle gegen vier Professoren sind schon etwas wuchtiger, aber einen Prozess können sie sich damit ebenfalls ersparen.

"Beim Strafbefehl handelt es sich um ein vereinfachtes Verfahren, in dem die Staatsanwaltschaft das Strafmaß vorschlägt und das Gericht es prüft", erläutert Tino Seesko von der Kölner Staatsanwaltschaft. Dabei könne es sich um Geld- oder auch um Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr auf Bewährung handeln. Wichtig für den Status der Professoren: Nur wer eine Freiheitsstrafe über einem Jahr aufgebrummt bekommt, dem droht die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis; damit wären beispielsweise auch Pensionsansprüche gefährdet. Gegen einen Strafbefehl kann ein Beschuldigter binnen zwei Wochen Einspruch einlegen, könnte dann aber in der Hauptverhandlung eine folgenreichere Strafe bekommen. Eine Rolle für das Strafmaß spiele bei den Strafbefehlen etwa die Zahl der angenommenen Doktoranden, die Höhe der Zahlungen und auch das Verhalten des Beschuldigten während der Ermittlungen, so Tino Seesko.

Zu Prozessen gekommen ist es in der Korruptionsaffäre bis dato selten: Die Geschäftsführer des Instituts mussten sich vor Gericht verantworten (mit noch offenem Ende), zudem der Hannoveraner Juraprofessor A. Außerdem wurde das Verfahren gegen einen 45-jährigen Privatdozenten eröffnet, der an der FU Berlin lehrte und für die Betreuung zweier Doktoranden insgesamt 7500 Euro von den Promotionsvermittlern aus Bergisch Gladbach angenommen hatte. In fünf weiteren Fällen wurde die Promotion von der Universität nicht zugelassen, Geld gab es damit auch keins. Der Privatdozent erhielt einen Strafbefehl und legte dagegen Einspruch ein - doch den zog er im Juli vor dem Amtsgericht in Bergisch Gladbach zurück und akzeptierte schließlich eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung.

Aberkennung eines Doktortitels ist schwierig

Dass dubiose Promotionsvermittler und Titelhändler im Dunstkreis deutscher Universitäten auf Kundenfang gehen, ist schon lange bekannt. Die Selbstreinigungskräfte der Hochschulen versagten; durch die Ermittlungserfolge gegen das Bergisch Gladbacher Institut haben Doktorspieler mittlerweile einen schwereren Stand. So trennte sich die TU Dresden erst vor wenigen Tagen von ihrem An-Institut Eipos, das knapp 50 Promotionswilligen zu ausländischen Doktortiteln vor allem aus Osteuropa verholfen hatte. Jahrelang hatte die Universität die Eipos-Aktivitäten geduldet, bangte am Ende aber um ihren Ruf und zwang das Institut, das lukrative Geschäft der Promotionsvermittlung aufzugeben.

Einem Promovierten seinen Titel wieder wegzunehmen, ist notorisch schwierig. Zwar ist der Promotionsbetrüger Martin D., früherer Geschäftsführer des Institut in Bergisch Gladbach, inzwischen "vorne ohne", weil die Bonner Universität ihm die Doktorwürde wegen seiner kriminellen Machenschaften aberkannte. Aber die Universität Hannover ging bislang erfolglos gegen die Kunden des Instituts vor.

Im Zuge des Korruptionsskandals um Professor A. hatte die Uni neun Juristen - darunter Beamte und Anwälte - ihre Promotion aberkannt. Doch die Titelträger stritten vor Gericht um ihre Titel, zumindest vorläufig mit Erfolg: Inhaltlich sei ihre Promotion rechtmäßig gewesen, und von der Bestechung hätten die Kunden des Bergisch Gladbacher Instituts nichts wissen müssen, urteilte überraschend das Verwaltungsgericht Hannover im Mai.

Gegen die Entscheidung hat allerdings die Uni Hannover Rechtsmittel eingelegt: In einem der neun Fälle habe die Universität akzeptiert, dass der Jurist seinen Doktortitel behält, sagte Verwaltungsgericht-Sprecher Ingo Behrens SPIEGEL ONLINE. In den acht anderen Fällen indes wolle die Universität an der Titelaberkennung festhalten. Der Ausgang ist also noch offen, darüber muss nun das niedersächsische Oberverwaltungsgericht urteilen.

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insgesamt 47 Beiträge
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max9999 04.11.2010
1. Wunderheiler Dr. Hamer
Selbst beim Wunderheiler Dr. Hamer traut sich die Universität Tübingen nicht, den Dr.-Titel aberkennen zu lassen. Dagegen sind diese Profs doch harmlos.
stevie76 04.11.2010
2. ..
Zitat von sysopDer Skandal um gekaufte Doktortitel löste ein kleines Erdbeben an deutschen Unis aus.*Dutzende Professoren, die Geld von windigen Promotionsberatern kassierten, kommen jetzt mit Geldauflagen davon. Vier weitere Hochschullehrer sollen Strafbefehle mit Bewährungsstrafen erhalten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,727310,00.html
das ist ja ein ganz ganz abschreckendes strafmaß....
xsreality 04.11.2010
3. Externes Promotionsverfahren
Wieso können denn die Hochschulen nicht ein externes Promotionsverfahren anbieten? Warum sollte es nicht möglich sein z.B. nebenberuflich zu promovieren? Ich habe mal gehört, dass die Fernuniversität Hagen so ein externes Promotionsprogramm anbieten wollte, es ihr aber verboten worden ist. Da wollen wohl welche richtig elitär bleiben, aber irgendwie kann es nicht sein, dass die Mediziner mit irgendwelchen statistischen Erhebungen, die nicht gerade großes wissenschaftliches Geschick erfordern, in einem halben Jahr Doktor werden, jemanden der aber 3 Jahre oder mehr extern in einem naturwissenschaftlichen Gebiet die Promotion machen will das verboten wird ... aber ich kenne mich echt nicht aus diesbzgl. ... ich will nach dem Master auch arbeiten, aber wenn ich vielleicht einen regelmäßigen festen Job haben sollte, und noch Energie zur Verfügung haben sollte, würde ich *vielleicht* auch soetwas in Erwägung ziehen, warum sollte so etwas nicht möglich sein. Aber ich meine schon, dass es unter normalen Umständen momentan möglich ist extern zu promovieren ... aber das will ich persönlich nicht gerade in meinen besten Jahren machen, da bringe ich meine Kreativität und Energie lieber anders zur Geltung ... wollen halt welche elitär bleiben mit ihrem Titel und es denn anderen verbieten, wenn die Gurken wirklich was drauf hätten in Sachen Forschung, hätten sie das sicherlich nicht nötig. Und wer sagt denn dass die Promotionen an den wissenschaftlichen Universitäten der Unis was taugen, wissenschaftliche Mitarbeiter sind ja auch ständig in Kontakt mit ihrem Prof., da läuft ja auch sicherlich viel über die Sympathiekomponente bzgl. Note/Akzeptanz ...
genugistgenug 04.11.2010
4. .
Zitat von sysopDer Skandal um gekaufte Doktortitel löste ein kleines Erdbeben an deutschen Unis aus.*Dutzende Professoren, die Geld von windigen Promotionsberatern kassierten, kommen jetzt mit Geldauflagen davon. Vier weitere Hochschullehrer sollen Strafbefehle mit Bewährungsstrafen erhalten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,727310,00.html
da kommen die ja billig davon - meine eigene Methode seit Jahren wenn jemand unbedingt auf einem Titel 'Ich bin DR. Meyer" besteht aus 2 Antworten 'haben Sie keinen Vornamen' oder 'wo gekauft?' - danach herrscht immer wohltuendes Schweigen
ThorIsHere 04.11.2010
5. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von xsrealityWieso können denn die Hochschulen nicht ein externes Promotionsverfahren anbieten? Warum sollte es nicht möglich sein z.B. nebenberuflich zu promovieren? Ich habe mal gehört, dass die Fernuniversität Hagen so ein externes Promotionsprogramm anbieten wollte, es ihr aber verboten worden ist. Da wollen wohl welche richtig elitär bleiben, aber irgendwie kann es nicht sein, dass die Mediziner mit irgendwelchen statistischen Erhebungen, die nicht gerade großes wissenschaftliches Geschick erfordern, in einem halben Jahr Doktor werden, jemanden der aber 3 Jahre oder mehr extern in einem naturwissenschaftlichen Gebiet die Promotion machen will das verboten wird ... aber ich kenne mich echt nicht aus diesbzgl. ... ich will nach dem Master auch arbeiten, aber wenn ich vielleicht einen regelmäßigen festen Job haben sollte, und noch Energie zur Verfügung haben sollte, würde ich *vielleicht* auch soetwas in Erwägung ziehen, warum sollte so etwas nicht möglich sein. Aber ich meine schon, dass es unter normalen Umständen momentan möglich ist extern zu promovieren ... aber das will ich persönlich nicht gerade in meinen besten Jahren machen, da bringe ich meine Kreativität und Energie lieber anders zur Geltung ... wollen halt welche elitär bleiben mit ihrem Titel und es denn anderen verbieten, wenn die Gurken wirklich was drauf hätten in Sachen Forschung, hätten sie das sicherlich nicht nötig. Und wer sagt denn dass die Promotionen an den wissenschaftlichen Universitäten der Unis was taugen, wissenschaftliche Mitarbeiter sind ja auch ständig in Kontakt mit ihrem Prof., da läuft ja auch sicherlich viel über die Sympathiekomponente bzgl. Note/Akzeptanz ...
Ganz einfach, die Erfolgsquote ist zu gering und daher der Aufwand für die Betreuung nicht gerechtfertigt. Promovieren ist ein Fulltime Job und wenn man nicht gerade in der Firma an "promotionsfähigem Material" arbeitet, was unwahrscheinlich ist, dann wird da wohl auch nicht viel bei rum kommen. Zum einen dadurch das sowieso viel zu wenig Zeit zur Verfügung steht und zum anderen weil man meistens für Experimente, Messungen und co. auf irgendeine Ausrüstung der Uni zurückgreifen muss, wo man auch nicht unbedingt am späten Abend noch hin kann. Nicht umsonst sind üblicherweise für Promotionen direkt an der Uni 4-5 Jahre vorgesehen. Aber das größte Problem ist, dass der Prof. die externen nicht kennt. Daher bekommen Unbekannte in der Regel sowieso schwierig eine Promotionsstelle, da das Ausfallrisiko hoch ist. Dann hat man Zeit und Geld verschwendet ohne Ergebnisse und musste einem anderen die Stelle verwehren. Geld wäre bei einer "Fernpromotion" natürlich nicht relevant, dafür gibts aber auch null Mitarbeit vor Ort in der Forschungsgruppe und die Betreuung ist ebenfalls nur deutlich eingeschränkt möglich. Ganz problematisch wird es wenn dann Reisen zu Konferenzen anstehen. Man kann evtl. Urlaub nehmen, aber wer trägt dann die Kosten? Bei einer regulären Stelle ist das mit inbegriffen, aber durchschnittlich 2000 - 3000 Euro pro Teilnahme werden wohl nur wenige aus eigener Tasche zahlen wollen. Und ohne Konferenzen fällt eine wichtige Möglichkeit zur Veröffentlichung und zum Austausch weg. Entweder direkt nach dem Studium promovieren oder gar nicht. Nach dem Studium ist man noch im Stoff drin, hat die nötigen Connections und hat auch kein Problem damit wenn sich das Gehalt mal eben halbiert für einige Jahre, denn man hat seinen Lebensstandard noch nicht angepasst. Die Leute die aus dem Job wieder an die Uni gehen (können) sind die absolute Ausnahme. Warum wohl gibts den ganzen Titelhandel? Es gibt aber keine anderen Promotionen als an wissenschaftlichen Universitäten. Es sei denn Sie unterstützen ein verschultes Modell, wo man einfach noch ein paar Jahre Studium weiter macht und dann automatisch den Abschluss bekommt. Das hat aber nix mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun. Mit Sympathie hat das nicht viel zu tun. Der Doktorvater muss jedoch überzeugt sein, dass Sie in der Lage sind eine Promotion auch durchzuziehen. Die meisten sind das nämlich nicht und solche Leute gilt es vorher auszusortieren. Und bevor man Zeit und Geld verschwendet, verzichtet man lieber. Im übrigen beschweren sich immer die am lautesten, die beim aktuellen System durchgefallen sind. Schuld sind ja immer die anderen ;)
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