Bewerbungen Karriererisiko Google

Peinliche Fotos, private Informationen - im Internet kursiert so manche Jugendsünde. Was man sorglos ins Netz gestellt hat, wird in Bewerbungsgesprächen mitunter zum Bumerang. Denn auch Personalchefs können googeln.


Stolperstein Google: Jugendsünden im Internet
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Stolperstein Google: Jugendsünden im Internet

Sprachwissenschafts-Studentin Tatjana fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen, als sie die Internet-Seite ihrer kleinen Theatergruppe anklickte. Vergangenen Sommer hatte sie mit der Gruppe ein Stück einstudiert. Alles lief prima, doch vor der letzten Aufführung wurde sie krank und musste absagen. Schließlich lag sie mit einer fetten Sommergrippe im Bett. Auf der Internet-Seite des Vereins klang das allerdings plötzlich ganz anders.

"Da stand drin, dass ich die Gruppe im Stich gelassen hätte und eine solche Vorgehensweise hoffentlich beim nächsten Mal zum Rausschmiss führen wird", erzählt Tatjana. Das Ganze mit vollem Namen, Foto und Lebenslauf waren ebenfalls noch auf der Seite. Keine guten Referenzen für ein Bewerbungsgespräch. Schließlich kommt es gerade bei besser bezahlten Stellen auf die Zuverlässigkeit des Bewerbers an.

"Ausschlaggebend ist die soziale Kompetenz. Gerade in Führungspositionen ist sie das Allerwichtigste, was geprüft wird", erklärt die Leipziger Personalberaterin Silvina Fehling. Um das herauszufinden, suchen Personalchefs inzwischen immer häufiger im Internet. Hat der Bewerber vielleicht schon mal etwas veröffentlicht? Gibt es Zeitungsartikel oder sogar Bücher? Ist er in irgendwelchen Vereinen engagiert?

Party-Bilder an die Wand gebeamt

Internet- oder Medienagenturen suchen vor allem nach Referenzen. Und werden fündig auf Internet-Seiten, die der Bewerber gebaut hat. Ben Streubel von der Stuttgarter Agentur Seitenblick stolpert dabei allerdings immer wieder über eher private Dinge.

Vor einem Vorstellungsgespräch mit einem Programmierer habe er noch einmal kurz dessen Namen in eine Suchmaschine eingegeben. "Als erstes erschienen Bilder von einer Party, wo man den besagten Bewerber mit einer Bierflasche in der Hand gesehen hat", erzählt Streubel. Auf dem zweiten Bild habe sich der Bewerber mit der Bierflasche in der Hand sogar übergeben. "Das wurde dann doch ein sehr lustiges Vorstellungsgespräch, als ich plötzlich die Bilder an die Wand gebeamt habe."

Der Programmierer habe den Job trotzdem bekommen und sei inzwischen einer der besten Mitarbeiter der Firma, sagt Streubel. Doch nicht immer geht die Sache so glimpflich aus. Bewerber sollten deshalb wissen, was über sie im Netz steht. Freunde und Bekannte kann man darum bitten, nicht den vollen Namen zu benutzen, wenn sie Fotos auf ihren Internet-Seiten stellen. Auf alles andere sollte ein Bewerber zumindest vorbereitet sein.

Lieber keine Homepage als eine schlechte

Allerdings wird die Putzfrau oder der Industriekaufmann in der Regel wohl nicht so gründlich geprüft. "Interessant ist es nur dann, wenn es eine ziemlich hochdotierte Stelle und eine sehr verantwortungsvolle Position ist", sagt Personalberaterin Fehling.

In solchen Fällen entscheidet oft der Gesamteindruck. Und den kann ein Bewerber mit einer clever gebauten Homepage erheblich aufpolieren. Wer sich im Internet gut präsentiert, kann so bei einem zukünftigen Arbeitgeber durchaus Punkte sammeln. Diese Seite sollte dann allerdings auch wirklich professionell gestaltet sein, rät Internet-Experte Streubel.

Grundsätzlich gelte: Lieber keine eigene Homepage ins Netz stellen, als eine Happy-Home-Produktion, die nicht gepflegt und nach einem Jahr schon antiquiert wirke, sagt Streubel. Ansonsten gebe es für Ideen im Netz jedoch kaum Grenzen.

Von Stefan Römermann, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk



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