Bewerbungshelfer Stell! Mich! Ein!

4. Teil: Mittwoch: Bewerbungstraining. Ganz schnell nach oben.


Mittwoch: Bewerbungstraining mit Svenja Hofert. Ganz schnell nach oben.

Der Aufzug ist defekt. Aber wenn man die zwei Stockwerke zu Svenja Hoferts Büro zu Fuß geschafft hat, dann soll es automatisch und ganz schnell nach oben gehen. Das jedenfalls verspricht die Karriereberaterin ihren Kunden. Sie führt ein Büro für "Karriere & Entwicklung" und will dabei helfen, "berufliche Ziele aller Art zu erreichen" - beim Berufsstart, bei der Neuorientierung, bei der Erschließung des "offenen und verdeckten Stellenmarktes".

Nach einer kurzen Begrüßung geht es los. Svenja Hofert, 39, schlüpft in die Rolle der Personalchefin, Tina ist Bewerberin. "Warum möchten Sie überhaupt bei uns arbeiten?" - ein Klassiker zum Einstieg in das Gespräch, erklärt die Trainerin später. Tina kontert geschickt, berichtet von ihren Studentenprojekten.

Svenja Hofert macht Notizen, stellt Fragen: "Was haben Sie im Studium gelernt? Was können Sie in unserem Team beitragen?" Schließlich macht sie Tina ein Angebot: "Wir könnten Sie als Trainee einstellen - befristet auf ein Jahr, für 800 Euro im Monat. Wäre das etwas für Sie?" Tina nickt. Das Bewerbungsgespräch ist zu Ende.

Mehr Selbstvertrauen, bitte

"Sie haben sich ganz schön über den Tisch ziehen lassen!", kritisiert Svenja Hofert bei der anschließenden Auswertung - nach einem abgeschlossenen Studium sollte man sich nicht auf eine schlecht bezahlte Traineestelle einlassen, lautet ihr Rat. Und vor allem: selbstbewusster auftreten! "Sie haben sehr oft an Ihren Haaren genestelt", sagt Hofert. "Versuchen Sie, den Oberkörper ruhiger zu halten, dann wirken Sie nicht so nervös."

Svenja Hofert will nur Kleinigkeiten an ihren Kunden verbessern. Natürlichkeit, sagt sie, komme immer an. "Aber es kann ja nicht schaden, wenn ich die Leute darauf hinweise, dass sie zum Beispiel beim Gespräch ständig mit dem Kopf wackeln."

Vor allem einen Tipp gibt sie ihren Kunden mit auf den Weg: auf keinen Fall blind aus den Ratgeber-Büchern abkupfern. "Ein Personaler merkt schnell, ob der Bewerber meint, was er sagt. Viele Bücher raten, auf die Frage nach persönlichen Schwächen zu antworten: 'Ungeduld'. Und auf die Nachfrage, wie sich das äußert, fällt den Leuten dann nichts mehr ein."

85 Euro pro Stunde kostet die Beratung für Studenten. Wer schon berufstätig ist, zahlt 10 Euro mehr. Die zweistündige Generalprobe für ihr Vorstellungsgespräch hat Tina gefallen: "Schon irre, worauf man bei einer Bewerbung so achten muss", sagt sie.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.