Bundesfreiwilligendienst Ministerium will BFD und FSJ kombinieren

Der Bundesfreiwilligendienst sollte den abgeschafften Zivildienst ersetzen - doch der Start ist ein Flop: Nur wenige Stellen konnten besetzt werden. Nun erwägt das Familienministerium SPIEGEL-Informationen zufolge die Verschmelzung mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr - und provoziert prompt Widerstand.

Einer der letzten Zivis bei der Arbeit: Verbände kritisieren die Nachfolgeregelung
dapd

Einer der letzten Zivis bei der Arbeit: Verbände kritisieren die Nachfolgeregelung


Hamburg - Zivis sind bald passé, jetzt gibt es nur noch FSJler und Bufdis. Und diese beiden Sozialdienst-Gruppen - die eine in der Obhut des Bundes, die andere unter den Fittichen der Länder - sollen künftig einem Plan des Bundesfamilienministeriums zufolge verschmelzen. Das geht aus einem internen Vermerk über eine Gesprächsrunde zwischen Staatssekretär Josef Hecken und Vertretern der Trägerverbände hervor.

Hintergrund ist das geringe Interesse am Bundesfreiwilligendienst (BFD), mit dem die Regierung den abgeschafften Zivildienst ersetzen will. Zum Start Anfang Juli waren nach Angaben der Trägerverbände von 35.000 geplanten BFD-Stellen erst 6000 besetzt. Dagegen liegen rund 50.000 Anmeldungen für ein sogenanntes Freiwilliges Soziales Jahr vor, das von den Bundesländern koordiniert wird.

Hecken kündigt nach Informationen des SPIEGEL dem Vermerk zufolge an, jeder Träger für drei FSJ-Plätze müsse mindestens zwei BFD-Stellen einrichten. Mittelfristig könne es sogar dazu kommen, "dass es nur noch einen Dienst gibt". Gelingt es nicht, die Zahl der BFD-Stellen zu erhöhen, sei die Finanzierung des neuen Freiwilligendienstes in Gefahr. Der BFD benötige eine "angemessene Belegung", heißt es, "um die Mittel im Bundeshaushalt zu halten".

Die 3:2-Regelung stößt in den Ländern auf großen Widerstand. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) warf dem Haus ihrer Berliner Amtskollegin Kristina Schröder (CDU) am Sonntag Wortbruch vor. Das Familienministerium unterlaufe frühere Vereinbarungen mit den Ländern. Haderthauer rief die Wohlfahrtsverbände im Freistaat auf, die Berliner Vorgaben nicht umzusetzen.

"Jetzt muss die Familienministerin einschreiten"

"Der Bund hat bei der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes seine Hausaufgaben nicht gemacht", bemängelte Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Sozialministerin Manuela Schwesig. Nach einem Bericht der "Welt" lehnen auch Sachsen, Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg die Quotenregelung des Bundesfamilienministeriums ab.

Schwesig betonte, es sei nicht hilfreich, BFD und FSJ gegeneinander auszuspielen. Statt die Verbände und Organisationen mit Quotenregelungen vor den Kopf zu stoßen, solle Schröder den Dialog mit ihnen und den Ländern suchen.

Auch Wohlfahrtsverbände wehren sich gegen die Pläne der Bundesregierung. "Die Verbände dürfen nicht die Leidtragenden einer verkorksten Freiwilligenpolitik und der Abschaffung der Wehrpflicht sein", sagte der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Leonhard Stärk. Er fürchte, dringend benötigte Bewerber könnten abgeschreckt werden. Um das Geld für die Freiwilligen zu erhalten - rund 200 Euro im Monat - stünden die Verbände nun massiv unter Druck. Viele könnten die Quote nicht erfüllen.

"Jetzt muss die Familienministerin einschreiten, denn ihr Haus nutzt offensichtlich ihre Abwesenheit dafür, um mit bürokratischen Maßnahmen den BFD und das FSJ kaputtzumachen", kritisierte Haderthauer. "Das ist unredlich."

Ministerin Schröder ist derzeit in der Babypause. In ihrer Abwesenheit weicht das Bundesfamilienministerium von Eckpunkten ab, die im Herbst 2010 von unionsgeführten Ländern und Bundesfamilienministerium vereinbart worden waren.

bim/dpa



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einfachgerecht 31.07.2011
1. Bundesfreiwilligen Jahr , ne Strafe für Eltern
Mein Sohn macht auch das Bundesfreiwilligen Jahr beim Paritätischen in einem Altenheim.Ihm wurde gesagt, er würde weiterhin Kindergeld bekommen( Frau Schröder hat ja auch groß Werbung damit gemacht ) aber nun wird es uns genommen, und da ich im öffentlichen Dienst bin, fällt dadurch noch mehr weg. Im Grunde genommen zahlen wir drauf. Denn ich bezahle die Fahrkosten und habe fast 200,00 Euro im Monat dadurch weniger. Ja wir wurden vertröstet, das im Novmeber das mit dem Kindergeld dann gestzl. geregelt wird und wenn das Gesetz durch sei, wir das Kindergeld rückwirklend erhalten würden. Nur jetzt fehlt es uns arg. Mein anderer Sohn studiert, und meine Ausgaben bleiben. Ich hasse diese halbherzigen Gesteze. Es ist ja auch eine falsche Politik, groß Werbung machen und dann merken, dass da die Gesetzgebung fehlt und wir warten müssen bis Frau Schröder zurück ist. Einfach unglaublich!!!Nur die Diätenerhöhungen gingen innerhalb einer Woche klar. Wir sind schon am überlegen , ob mein Sohn das Bundesfreiwilligen Jahr abbricht und ein soziales Jahr mit Kindergeld macht. Den Luxus auf Kindergeld zu verzichten können wir uns leider nicht leisten.
typischawo 31.07.2011
2. Lächerlich - dieser BFD
Von Anfgang an mußte jedem, der beruflich mit dem BFD befaßt war, klarsein, dass das Konzept nicht im Sinne der Jugendlichen und auch nicht im Sinne der von den Diensten mit "Hilfe" bedachten Betroffenen sein kann. Ich frage mich jedoch viel mehr warum eigentlich die sogenannten kritischen und angeblich so engagierten TRÄGER wie die AWO zum Beispiel mal wieder reibungslos mitgemacht haben - statt mal deutlich Position zu beziehen und ggfs auch mal NEIN zu sagen. ....die Antwort liefere ich gleich mit, sie hängen genauso interessengesteuert drin wie die Regierung - sie wollen Geld einnehmen und ihre personell schlecht ausgestatteten Einrichtungen mit BILLIGKRÄFTEN VERSORGEN um den katastrophalen Personalmangel zu überünchen. Von einer sozialdemokratisch orientierten Organisation erwarte ich allerdings zumindest manchmal Rückgrat....leider vergebens. Auch damals bei der gloriosen Einführung der Hartz-Reformen waren sie mit Lobeshymnen beteiligt und heute regen sie sich scheinheilig über das Auseinanderdriften in der Gesellschaft auf. Blasphemie, Bigotterie ! Die jungen Menschen im FSJ und BFD werden zumindest zu großen Teilen als Billigstarbeitskräfte ausgebeutet und durch die häufig völlig unzureichende Betreuung udn Anleitung für die sozialen Berufsfelder, für die sich viele der Teilnehmer/innen interessieren - auf Dauer VERLOREN. In kürzester Zeit sind viele der Teilnehmer desillusioniert und ausgebrannt. Warum machen die ach so kritischen Verbände denn eigentlich alles mit, was ihnen vor die Füsse geschmissen wird ? ...weil sie selbst in erster Linie davon profitieren!
dr.könig 31.07.2011
3. Bufdis
Zitat von sysopDer Bundesfreiwilligendienst sollte den abgeschafften Zivildienst ersetzen - doch der Start ist ein Flop: Nur wenige Stellen konnten besetzt werden. Nun erwägt das Familienministerium SPIEGEL-Informationen zufolge die Verschmelzung mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr - und provoziert prompt Widerstand. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,777576,00.html
Mein Vorschlag ist, daß Alle Jugendlichen per Gesetz ein Jahr als Bufdi machen müssen. Nur wer sich freiwillig zur Bundeswehr meldet, wird davon befreit. 2 Fliegen mit einer Klappe; Bundeswehr bekommt genug Freiwillige und die Personalprobleme bei Bufdi sind auch gelöst!! Nur die Wirtschaft muss ein Jahr warten.... daran wird es wohl scheitern.. wie immer bei unserer Orientierung der Politik zur Zeit. ?
typischawo 31.07.2011
4. BFD abbrechen ?
klar und dann gleich ins FSJ wechseln - wir Bürger müssen doch nicht jede Vera....... mit uns machen lassen. Der junge Mann ist als FSJler genauso wichtig - testen Sie auf diese Weise den Träger ...und falls er Sie nicht unterstützt...einfach wechseln....und den geeigneten Träger suchen ...das sollte kein Problem sein! Viel Glück dabei !
typischawo 31.07.2011
5. BFD abbrechen ?
klar und dann gleich ins FSJ wechseln - wir Bürger müssen doch nicht jede Vera....... mit uns machen lassen. Der junge Mann ist als FSJler genauso wichtig - testen Sie auf diese Weise den Träger ...und falls er Sie nicht unterstützt...einfach wechseln....und den geeigneten Träger suchen ...das sollte kein Problem sein! Viel Glück dabei !
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