Bundesweiter Kita-Vergleich Wo die Betreuung besonders gut ist

Die deutschen Kitas werden zwar langsam besser - doch es fehlen immer noch jede Menge Erzieher. Eine neue Studie zeigt: Wie gut ein Kind betreut wird, hängt stark von seinem Wohnort ab.

Kinder mit Erzieherin (Symbolbild)
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Kinder mit Erzieherin (Symbolbild)

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In Baden-Württemberg teilen sich rechnerisch drei Krippenkinder einen Erzieher oder eine Erzieherin - in Sachsen sind es mehr als doppelt so viele. Diese und andere Diskrepanzen in der vorschulischen Betreuung von Kindern in Deutschland zeigt eine aktuelle Studie auf.

Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind die Unterschiede sogar noch größer. Auch dort schneidet Baden-Württemberg mit einem Personalschlüssel von 7,2 am besten ab. Schlechter als Sachsen (13,4) ist nur Mecklenburg-Vorpommern (13,7).

Die Zahlen stammen aus dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme", den die Bertelsmann Stiftung am Montag in Berlin vorstellt. Die Studie wird jährlich aktualisiert und basiert auf Daten der Statistischen Ämter, der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Erhebung war der 1. März 2016.

"Sind die Eltern weg, wird halbherzig gearbeitet"

Die Autoren stellen fest: "Die Qualität der Kitas in Deutschland steigt." So kümmerte sich eine Vollzeitkraft im vergangenen Jahr im bundesweiten Durchschnitt um 4,3 ganztags betreute Krippenkinder (2012: 4,8) und um 9,2 Kindergartenkinder (2012: 9,8).

Allerdings variiert die Betreuungssituation stark von Ort zu Ort. Und zwar nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch innerhalb einzelner Bundesländer. Zum ersten Mal werteten die Autoren auch Daten für 402 Kreise und kreisfreie Städte aus, die das zeigen.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • In westdeutschen Krippengruppen kümmert sich eine Fachkraft um deutlich weniger Kinder (1 zu 3,6) als in Ostdeutschland (1 zu 6). Dabei sind in Ostdeutschland 52 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Betreuung, während es in Westdeutschland nur 28 Prozent sind.
  • Bundesweit gehen fast alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr in Kitas. Im Westen kommen dabei 8,5 Kinder auf einen Erzieher oder eine Erzieherin, im Osten sind es 12,2 Kinder.


  • In einigen Gegenden Brandenburgs, zum Beispiel in Cottbus (Personalschlüssel: 1 zu 7,2), kommen knapp dreimal so viele Krippenkinder auf eine Fachkraft wie in bestimmten Kreisen Baden-Württembergs, etwa im Landkreis Calw (Personalschlüssel: 1 zu 2,5) .
  • Die Bandbreite ist auch innerhalb einzelner Bundesländer auffällig, etwa in Bayern. Dort betreut ein Erzieher im Schnitt 3,7 Kinder. Mancherorts liegt der Personalschlüssel jedoch bei 1 zu 2,7 (Landkreis Rosenheim), andernorts bei 1 zu 5 (Landkreis Hof).
  • Ähnlich ist die Situation in Rheinland-Pfalz, wo eine Fachkraft je nach Kreis zwischen 2,7 und 4,7 Krippenkinder betreut.
So sieht die Betreuung in den Landkreisen aus


  • Einen landesweit recht einheitlichen - wenn auch ungünstigen - Betreuungsschlüssel bei den unter Dreijährigen verzeichnet Sachsen (1 zu 6,5).
  • Bei den Krippengruppen verbucht Sachsen-Anhalt mit nunmehr 1 zu 5,8 (statt wie vor vier Jahren 1 zu 6,9) die größte Verbesserung. Im Saarland hingegen hat sich der Personalschlüssel um 0,2 auf 1 zu 3,8 verschlechtert.

"Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland."

Im vergangenen Jahr hatte eine Umfrage der Stiftung ergeben, dass auch die Mehrheit der Eltern bundesweit einheitliche Standards in Kitas vermissen - und dass rund die Hälfte der Mütter und Väter bereit wäre, für bessere Kitas auch mehr zu zahlen.

Für einen kindgerechten Personalschlüssel müssen nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zusätzlich 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte eingestellt und weitere 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitgestellt werden. Allerdings sei es schwer, genug Erzieher zu finden, wenn die Rahmenbedingungen weiter so unattraktiv seien.

Vor zwei Jahren hatten Erzieherinnen und Erzieher aus bundesweiten Kitas wochenlang für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
hta 28.08.2017
1. Qualität vs. Personalschlüssel
Zwischen Personalschlüssel und Betreuungsqualität gibt es eine Korrelation, aber auch eine direkte Kausalität? Es gibt sicher auch andere Faktoren, die hier gar nicht besprochen werden.
cedebe 28.08.2017
2.
die Qualität einzig am Personalschlüssel zu messen, ist aber auch ein Spiel mit dem Feuer. hier sollten es doch mehr Indikatoren sein. ein Beispiel, was ich meine: allein am Prozentsatz betreuter Kinder festgemacht, könnte man zu dem Schluss kommen, in den neuen Bulä wären die Kitas erheblich besser, denn dort werden mehr Kinder in die Betreuung gegeben. mit dem zweiten Indikator der historischen Entwicklung, zeichnet sich das Bild plötzlich ganz anders.
Netquette 28.08.2017
3. Nicht nur die Qualität der Betreuung,
sondern auch wieviel ein Paar für die Betreuung bezahlen muss, variiert von Kommune zu Kommune - 300€ Netto jeden Monat, während 8 Km weiter die Betreuung kostenlos ist. Aus meiner Sicht ein Skandal, dass in Deutschland jungen Eltern für die Betreuung der Kinder auch noch Geld abgeknöpft wird.
StefanieTolop 28.08.2017
4. Abschaffung der Familie
Und wieder ein Schritt im Rahmen des Gender-Mainstreamings. Man frägt überhaupt nicht mehr danach, ob es etwa sinnvoll ist, einen großen Teil der Erziehung an wildfremde Menschen abzugeben, sondern es wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Wirklich fortschrittlich wäre es, wenn jede Familie aufgrund eines ausreichenden Einkommens selbst entscheiden kann, wer die Kinder wo und wie erzieht.
echoanswer 28.08.2017
5. Typisch
Die Anzahl der Erzieher pro Kind sagt nichts, aber auch gar nichts, über die Qualität der Betreuung aus. Es zeigt aber die Falschheit der Familienpolitik der CDU. Die Bundesregierung schafft das Recht auf Kita-Plätze. Ohne was dafür zu tun. Die Betreuungssituation ist ein Abbild der Lohnverteilung. Da der Osten per Gesetz weniger verdienen muss, können die Familien weniger für die Kitas bezahlen. Ganz einfacher Betrug von Fr. Merkel. Danke. Zivilisierte Staaten regeln das anders. In Sachen Familie zähle ich D zu den Entwicklungsländern auf absteigendem Ast.
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