Azubis Alarmierend viele Azubis haben Depressionen

Die gute Nachricht zuerst: Auszubildende haben im Durchschnitt weniger Fehltage als andere Arbeitnehmer. Aber die Zahl psychischer Störungen hat sich binnen 17 Jahren mehr als verdoppelt.

Frau an ihrem Arbeitsplatz  (Symbolfoto)
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Frau an ihrem Arbeitsplatz (Symbolfoto)


Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme sind bei Auszubildenden überdurchschnittlich stark gestiegen. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehlzeiten der 16- bis 25-jährigen Berufsanfänger wegen Depressionen oder Anpassungs- und Belastungsstörungen mehr als verdoppelt: Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnet einen Anstieg von 108 Prozent.

Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten bei Arbeitnehmern 88 Prozent. Auch das ist eine drastische Zunahme, die Auszubildenden sind aber offenbar besonders stark von dem Phänomen betroffen.

Die Depression steht auf Platz drei der Hauptursachen von Krankschreibungen bei Azubis, hinter Atemwegs- und Magen-Darm-Infekten. Überdurchschnittlich betroffen sind sie auch von Verletzungen und Vergiftungen. Vor allem männliche Azubis fallen häufig wegen Unfällen aus.

Azubis sind häufiger, aber kürzer krank

Insgesamt sind Auszubildende mit 11,5 Fehltagen im Jahr allerdings mehr als drei Tage weniger krankgeschrieben als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland - dafür deutlich häufiger. Das heißt, sie fallen öfter, aber im Krankheitsfall kürzer aus.

"Die häufigen, aber relativ kurzen Ausfälle legen den Verdacht nahe, dass es sich vor allem um leichtere Beschwerden handelt", sagte TK-Chef Jens Baas bei der Vorstellung des Berichts. Tatsächlich gehe etwa ein Viertel der Fehlzeiten auf Erkältungen, Mandelentzündungen und Ähnliches zurück.

"Always on"-Generation

Zeitgleich gibt es jedoch eine deutliche Zunahme psychischer Beschwerden. Die Ursachen sind laut den Forschern vielfältig: Diagnosen würden heute besser gestellt und es gebe eine bessere medizinische Versorgung.

Aber auch der Lebensstil und der Umgang mit Stress seien entscheidende Faktoren. Eine Ursache für den hohen Stresslevel der Berufseinsteiger sehen die Experten im Medienkonsum. Die Generation "Always on" müsse lernen abzuschalten. Viele verbringen ihren Feierabend mit digitalen Medien. "Das allein muss nicht per se schädlich sein", erklärte der Neurologe Volker Busch. "Aber der Versuch, sie gleichzeitig oder wechselweise zu nutzen und so ständig abgelenkt und unterbrochen zu sein, kostet das Gehirn Kraft und geht auf Kosten der Regeneration."

koe/AFP/dpa



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
vhn 28.06.2017
1. Bessere medizinische Versorgung?
Bei Depressionen? Das kann nur ein zynischer Scherz sein. Dieser Anstieg an Erkrankungen ist ernst zu nehmen!
GoaSkin 28.06.2017
2. nehmen Störungen zu oder nur die Diagnosen?
Bleibt die Frage, ob Azubis wirklich mehr Störungen haben, als früher oder ob einfach nur mehr Störungen diagnostiziert werden und danach einfach mehr gesucht wird. Früher wurden Störungen diagnostiziert, wenn jemand massive Probleme hatte, seinen Alltag zu bewältigen. Heute vor allem, weil Lehrer und Pädagogen meinen, Störungen zu sehen und auf die Eltern einreden, mit ihren Kindern zum Psychiater zu gehen.
sammilch 28.06.2017
3. Kommentar
"Überdurchschnittlich betroffen sind sie auch von Verletzungen und Vergiftungen." Schade, das da nicht genauer drauf eingegangen wurde in der Studie.
bronck 28.06.2017
4. Kein Wunder
Schon als Kinder wurde diese Generation nicht mal ansatzweise artgerecht gehalten. Wer sich bewegen und nicht ganztägig stillsitzen will, der wird mit Medikamenten ruhig gestellt. Kinder dürfen auch nach der Schule meist nicht raus, sondern müssen wie die Batteriehühner in ihren Zimmern hocken, weil draußen ja überall Gefahren lauern (die ich komischerweise völlig unbeschadet überstanden habe). Freunde geht man nicht besuchen, sondern macht ein "Meeting" aus und wird da vom Fahrer hingebracht und nach genauem Zeitplan wieder abgeholt. Und da wundert sich irgendwer ernsthaft, dass die irgendwann einen am Kopf kriegen?!?
B!ld 28.06.2017
5. keine Depressionen sind ein Mangel an Informationen ....
Ich denke, die Depressionen in der Ausbildungszeit gab es schon immer, werden aber noch nicht so lange als solche ernstgenommen. Früher hieß es Arbeitsallergie, und "stell dich nicht so an".
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