Trotz freier Stellen 24.000 Bewerber finden keinen Ausbildungsplatz

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind laut Bundesregierung so gut wie seit zwanzig Jahren nicht. Doch manche Jugendliche finden trotzdem keinen. Jetzt will Bildungsministerin Karliczek eingreifen.

Handwerksmeister mit Azubi
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Handwerksmeister mit Azubi


Obwohl die Zahl der Ausbildungsverträge in Deutschland zugenommen hat, haben 24.000 Bewerber im vergangenen Jahr keinen Platz gefunden. Das geht aus dem aktuellen Berufsbildungsbericht hervor. Demnach stieg die Zahl der Verträge auf 523.300 - etwa 3000 mehr als im Jahr 2016.

Die Zahl der Betriebe mit Azubis stagnierte. Noch immer bildet weniger als jeder fünfte Betrieb aus. Die Zahl der unbesetzt gebliebenen betrieblichen Ausbildungsstellen stieg auf knapp 49.000. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) kündigte an, die berufliche Ausbildung angesichts des Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt stärken zu wollen.

"Die duale Ausbildung in Deutschland war ein Pfeiler, um gut durch die Krise zu kommen", sagte Karliczek. Nun könne sie einen Beitrag dazu leisten, die Prozesse durch Digitalisierung und Strukturwandel gut zu meistern. "Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind so gut wie seit 20 Jahren nicht", sagte die Ministerin. Auf 100 Bewerber kämen 105 Ausbildungsplätze. Entgegen dem demografischen Trend gebe es auch mehr Ausbildungsverträge.

Abbrecherquote niedriger als gedacht

Karliczek kündigte an, kleine Betriebe, in denen die Ausbildungsquote zurückgegangen ist, dabei zu unterstützen, eine Ausbilder-Eignung zu machen und Lehrstellen anzubieten. Verbessert werden müsse auch die Mobilität. Wenn Ausbildungsplätze nicht dort angeboten würden, wo junge Menschen leben, dann sollten diese beim Wohnen vor Ort unterstützt werden - oder dabei, die Wegstrecke zu überwinden.

Die Abbrecherquote bei den Azubis bezeichnete sie als zu hoch. Karliczek wies allerdings zurück, dass jeder vierte Lehrling seine Ausbildung abbreche, wie es anhand eines bekannt gewordenen Entwurfs des Berufsbildungsberichts zuletzt geheißen hatte. Denn in rund der Hälfte dieser Fälle wechselten die Azubis auf einen anderen Ausbildungsplatz. Den Anteil der "echten Abbrüche" bezifferte Karliczek auf 12 bis 13 Prozent.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte mehr Qualität der Ausbildung. "Auszubildende lösen nicht grundlos ihre Ausbildungsverträge, sondern meist, weil ihre Probleme in der Ausbildung auf die schlechte Qualität der Ausbildung zurückzuführen sind", sagte Gewerkschaftsvize Guido Zeitler.

"Gesellschaftspolitischer Skandal"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine gesetzliche Ausbildungsgarantie. Mehr als 2,1 Millionen junge Erwachsene hätten 2017 keinen Berufsabschluss gehabt. "Das ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges", sagte GEW-Vorstandsmitglied Ansgar Klinger. DGB-Vize Elke Hannack mahnte: "Diesen Jugendlichen droht ein Leben in prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit."

Auch die Grünen-Ausbildungsexpertin Beate Walter-Rosenheimer forderte eine solche Garantie: "Ankündigungen allein bringen keinen Jugendlichen in Ausbildung."

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hingegen meinte: "Wir brauchen einen neuen Schub für die "Karriere mit Lehre"." Bessere Berufsorientierung gerade an den Gymnasien müsse dafür sorgen, "dass mehr junge Menschen ein klares Bild von der beruflichen Realität in den Betrieben bekommen". Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander sagte: "Wir begrüßen die Stärkung der dualen Ausbildung ausdrücklich."

Der Maschinenbauverband VDMA wies auf den eklatanten Fachkräftemangel hin. Der Leiter der VDMA-Bildungsabteilung, Jörg Friedrich, forderte eine Bildungspolitik, "die vor allem die Mathematik und die technische Bildung stärkt". Es sei eine zentrale Aufgabe der Schulen, die jungen Leute fit für die Ausbildung zu machen.

koe/dpa



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