Vereinbarkeit von Beruf und Familie Zu erschöpft fürs Privatleben

Familie, Freunde und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen, das macht laut einer DGB-Studie gute Arbeit aus. Doch fast die Hälfte der Beschäftigten hat Probleme damit.

Ein Kind hängt am Bein eines Geschäftsmannes
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Ein Kind hängt am Bein eines Geschäftsmannes


Genug Zeit und Energie für Familie und private Interessen - trotz Arbeit: So definiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gute Arbeit. Ob die Vereinbarkeit von Privatem und Beruf klappt, lässt die Gewerkschaft jährlich für den "DGB-Index Gute Arbeit" untersuchen. Dazu wurden in einer repräsentativen Umfrage 4811 abhängige Beschäftigte gefragt, wie sie ihre Arbeitsbedingungen beurteilen.

Getan hat sich in den letzten drei Jahren nicht viel, zeigen die Ergebnisse. Insgesamt sind die Arbeitnehmer nur mäßig zufrieden: Im Durchschnitt liege die Arbeitsqualität, die sich aus elf Kriterien wie Betriebskultur, emotionaler und körperlicher Anforderung, Einkommen und Beschäftigungssicherheit zusammensetzt, nur im unteren Mittelfeld.

Nur 13 Prozent der Beschäftigten bewerten ihre Arbeitsbedingungen laut der Studie als gut, bei 37 Prozent liegt die Arbeitsqualität im oberen Mittelfeld, bei 31 Prozent im unteren Mittelfeld, 19 Prozent haben demnach schlechte Arbeit.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Energie

41 Prozent der Beschäftigten sind laut der Umfrage nach der Arbeit sehr häufig oder oft zu erschöpft, um sich noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern. Mit 47 Prozent sind Frauen dabei deutlich häufiger betroffen als Männer mit 37 Prozent.

Auffällig ist: Die Erschöpfung nimmt bei Teilzeit nicht deutlich ab. Während 43 Prozent der Vollzeitbeschäftigten sehr häufig oder oft zu erschöpft für Privates sind, sind es bei den Teilzeitkräften immer noch 39 Prozent. Über sehr häufige Erschöpfung klagen mit 17 Prozent sogar mehr Teilzeitbeschäftigte als die Kollegen mit einer Über-35-Stunden-Woche (15 Prozent).

Differenziert nach Branchen sind die Beschäftigten im Sozialwesen (55 Prozent), Gesundheitswesen (53 Prozent) und Gastgewerbe (51 Prozent) besonders betroffen.

Am stärksten wirken sich emotionale Faktoren am Arbeitsplatz auf die Unvereinbarkeit von Beruf und Privatem aus. Unter erschöpfungsbedingten Vereinbarkeitsproblemen leiden sehr häufig oder oft

- 69 Prozent der Beschäftigten, die herablassend behandelt werden,

- 66 Prozent derjenigen, die sich um ihren Arbeitsplatz sorgen,

- jeweils 61 Prozent der Angestellten, die Konflikte mit Kunden erleben oder ihre Gefühle verbergen müssen.

  • Zeit

Etwas besser steht es um die zeitliche Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatem. Insgesamt geben 27 Prozent der Beschäftigten an, sehr häufig oder oft Schwierigkeiten zu haben, die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen und private Interessen mit ihrer Arbeit zeitlich zu vereinbaren - 25 Prozent der Männer, 30 Prozent der Frauen.

Allerdings hat nur die Hälfte der Beschäftigten Verantwortung für Angehörige: 41 Prozent erziehen Kinder, neun Prozent betreuen pflegebedürftige Personen. Der Unterschied zwischen Frauen (43 Prozent Kinder, 10 Prozent Pflege) und Männern (40 Prozent Kinder, 8 Prozent Pflege) ist dabei nur gering, deutlich ist hingegen der Unterschied an Zeit, den sie für die Betreuung aufwenden.

Mütter in Vollzeit geben an, wöchentlich durchschnittlich 39 Stunden für die Kinderbetreuung aufzubringen, bei Vätern sind es hingegen nur 26 Stunden. Mütter in Teilzeit wenden laut der Studie im Durschnitt 40 Stunden pro Woche für die Kinderbetreuung auf, Väter in Teilzeitarbeit nur 29 Stunden.

Ein Blick auf die Ergebnisse nach Branchen zeigt: Im Gesundheitswesen gibt es neben dem Bereich Verkehr und Lagerei mit jeweils 35 Prozent der Beschäftigten das größte zeitlich bedingte Vereinbarkeitsproblem. Die besten Bedingungen für Vereinbarkeiten gibt es demnach in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Versicherungen sowie öffentliche Verwaltung.

Kritikpunkt der Beschäftigten ist insbesondere die tatsächliche Arbeitszeiten von 45 Stunden oder mehr: 42 Prozent der Befragten sehen das sehr häufig oder oft als Problem, um private Interessen mit ihrer Arbeit zu vereinbaren; und dass sehr häufig oder oft ständige Erreichbarkeit verlangt wird, sehen 44 Prozent als Problem. Besonders betroffen von zeitlich bedingten Vereinbarkeitsschwierigkeiten sind 52 Prozent der Beschäftigten, die sehr häufig oder oft nachts arbeiten.

sun



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