DGB-Studie Diese Azubis sind am zufriedensten

Die einen dürfen selbstständig arbeiten, die anderen müssen Botendienste für den Chef erledigen: Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds schwankt die Qualität der Ausbildung stark.

KFZ-Mechatroniker mit Ausbilder
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KFZ-Mechatroniker mit Ausbilder


Wie läuft die Ausbildung in Deutschlands Betrieben? Sollen Azubis vor allem als billige Arbeitskräfte herhalten, Kaffee kochen und Vorgesetzte möglichst nicht mit Fragen nerven? Oder kümmert sich jemand darum, dass sie etwas lernen und fair behandelt werden? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu rund 12.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt - und große Unterschiede zwischen den Branchen festgestellt.

Insgesamt betrachtet ist die überwiegende Mehrheit der Azubis (71,9 Prozent) mit ihrer Ausbildung demnach "zufrieden" oder "sehr zufrieden". Aber je nach Beruf fällt die Einschätzung der Studie zufolge verschieden aus, wenn folgende Kriterien berücksichtigt werden: Arbeitszeiten und Überstunden, Ausbildungsvergütung, Einschätzung der fachlichen Qualität der Ausbildung im Betrieb und die persönliche Beurteilung der Ausbildung. Die Autoren der Studie erstellten auf dieser Grundlage ein Ranking:

Berufe mit den besten Bewertungen

  • Mechatroniker
  • Industriekaufmann
  • Industriemechaniker
  • Elektroniker für Betriebstechnik
  • Zerspannungsmechaniker

Berufe mit mittelmäßigen Bewertungen

  • Bankkaufmann
  • Fachinformatiker
  • Steuerfachangestellter
  • Elektroniker
  • Kaufmann für Büromanagement
  • KFZ-Mechatroniker

Berufe mit den schlechtesten Bewertungen

  • Anlagenmechaniker
  • Zahnmedizinischer Fachangestellter
  • Friseur
  • Hotelfachmann
  • Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk

Im Vergleich zu Azubi-Umfragen aus früheren Jahren habe sich in dem Ranking wenig geändert, heißt es vom DGB. Die Gewerkschaft mahnt: Dass gerade in Friseurläden viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, habe auch mit der schlechten Bezahlung zu tun - und in der Gastronomie mit den vergleichsweise schlechten Arbeitsbedingungen.

"In der Ausbildung als billige Arbeitskräfte missbraucht zu werden, das ist die Realität in dem Bereich", sagte die DGB-Vize-Chefin Elke Hannack bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Berlin. Mehr als die Hälfte der befragten Hotelfachleute gab an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Insgesamt betrifft dies der Studie zufolge rund ein Drittel der Azubis. Sie arbeiten im Schnitt 4,2 Stunden extra.

11,6 Prozent der Unter-18-Jährigen geben an, rechtswidrig im Schnitt mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Und jeder Zweite von ihnen bekommt keinen Freizeitausgleich.

Weitere Ergebnisse: "Männlich dominierte Berufe" wie etwa Elektroniker oder Mechatroniker sind mit 798 Euro im Schnitt besser bezahlt als "weiblich dominierte Berufe" wie etwa Friseurin mit 683 Euro.

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Mehr als jeder zehnte Azubi übt "immer" oder "häufig" ausbildungsfremde Tätigkeiten aus. Für knapp acht Prozent der Azubis steht im Betrieb kein Ausbilder zur Verfügung, und bei weiteren rund zehn Prozent ist der Ausbilder "selten" bis "nie" präsent. In der Studie wird ein Azubi mit folgenden Worten zitiert:

"Ich muss jede Woche den Aufenthaltsraum putzen oder dem Chef auf seine private Baustelle Sachen liefern (Türen etc.). Was auch beliebt ist: Ich soll den Müll trennen. (...). Was ich damit sagen möchte, es wird keinerlei Interesse gezeigt, mir etwas beizubringen, sondern ich soll einfach schnell Sachen erledigen."

Für 35 Prozent der Azubis liegt der Umfrage zufolge kein betrieblicher Ausbildungsplan vor, und die Abstimmung zwischen Betrieben und Berufsschulen ist oft schlecht. Rund 75 Prozent der Befragten finden sie "ausreichend" oder "mangelhaft". Außerdem bemängelt knapp die Hälfte die Ausstattung.

Der DGB fordert deshalb: Bund und Länder sollten einen Pakt für Berufsschulen schließen, mit dem sie sich verpflichten, diese technisch zu modernisieren und für die notwendigen Lehrkräfte zu sorgen. "Es gibt hier einen regelrechten Investitionsstau", sagte die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. Auch darunter leide letztlich die Qualität der Ausbildung.

BA: Noch 98.000 Jugendliche ohne Lehrstelle

Trotz eines rechnerischen Überangebots an Lehrstellen hatten Ende August 98.000 Jugendliche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mit. Weitere 52.000 Menschen hätten sich nach erfolgloser Suche erst einmal für einen weiteren Schulbesuch, ein Berufsvorbereitungsjahr oder die Teilnahme an einem freiwilligen Dienst entschieden.

BA-Vorstandschef Detlef Scheele zeigte sich trotzdem optimistisch: Im September gebe es die höchste Dynamik auf dem Ausbildungsmarkt, sagte er. Insgesamt hatten sich bis Ende August 532.000 Bewerber bei der Bundesagentur um einen Ausbildungsplatz beworben. Dem standen 528.000 von Unternehmern gemeldete Lehrstellen gegenüber.

Der auf den ersten Blick nahezu ausgeglichene Ausbildungsmarkt zeigt allerdings starke regionale Ungleichgewichte: Dem Lehrstellenüberhang in Süddeutschland, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern stehen große Lehrstellenlücken in Berlin und Nordrhein-Westfalen gegenüber. Auch passen die Berufswünsche von Jugendlichen und das Lehrstellenangebot nicht immer zusammen.

fok/mit Material von dpa



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