Umstrittener Doktortitel Prüf-Software entdeckt keine Plagiate in Scheuers Arbeit

Die Karls-Universität in Prag hat die umstrittene Arbeit von CSU-General Andreas Scheuer mit Software auf Plagiate überprüft - und noch am selben Tag den Befund bekanntgegeben: Sie habe keine verdächtigen Stellen gefunden. Ausgestanden ist die Affäre damit aber noch nicht.

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CSU-Generalsekretär Scheuer: Schmalspur-Doktorarbeit wird gescannt
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CSU-Generalsekretär Scheuer: Schmalspur-Doktorarbeit wird gescannt


CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer droht wegen seiner in Prag eingereichten akademischen Arbeit ein Verfahren vor der Ethik-Kommission der dortigen Karls-Universität. Das geht aus einer Erklärung hervor, die die Universität heute auf ihrer Webseite veröffentlichte.

Darin kündigt die Universität an, die Arbeit mit Plagiatssoftware zu prüfen, zu diesem Zweck sei sie gemeinsam mit der Akte zum Rigorosum aus dem Archiv geholt und digitalisiert worden. Anlass für die Prüfung, so heißt es in der Erklärung, seien die in den vergangenen Tagen aufgetauchten Verdachtsmomente, "dass es sich bei der Arbeit von Herrn Scheuer um eine Plagiat handele".

"Die Karls-Universität untersucht jetzt auf eigene Veranlassung, ob diese neuen Informationen stimmen oder falsch sind", heißt es weiter. Die Erklärung erwähnt konkret eine Textpassage: eine mögliche Übernahme aus einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Universität Münster.

Was kommt auf Scheuer zu?

Die Verdachtsmomente für das Plagiat, so heißt es in der Erklärung, "waren zu dem Zeitpunkt, als der Titel verliehen wurde, nicht öffentlich und der Karls-Universität unbekannt". Die Erklärung schließt mit dem Satz: "Sollte die Karls-Universität im Rahmen ihrer eigenen Untersuchung feststellen, dass es sich um ein Plagiat handelt, leitet sie die Angelegenheit unmittelbar an die Ethik-Kommission der Karls-Universität weiter."

Wenige Stunden später schon teilte die Universität in einer zweiten Erklärung dann die Ergebnisse der technischen Prüfung mit. Zwei Prüfprogramme hätten keine belastenden Textstellen aufspüren können: "Die Analyse zeigte keine Anzeichen auf ein Plagiat oder die Übernahme von Online-Quellen". Jetzt suche die Uni die Zusammenarbeit mit dem Ombudsmann für die deutsche Wissenschaft, Wolfgang Löwer.

Löwer allerdings ist davon ziemlich überrascht. Er sagt: "Ich habe nichts anzubieten." Die Universität Prag werde wissen, wie mit so einem Verdacht umzugehen sei. Nur weil er sich öffentlich zu einer umstrittenen Textstelle geäußert habe, wolle er sich nicht mit der Prüfung der gesamten Arbeit befassen: "Das war keine Bewerbung."

Zum Prüfen setzte die Uni die Programme "Urkund" und "Theses" ein. Viele solcher Scan-Programme sind alles andere als zuverlässig, allerdings schnitt "Urkund" in Tests vergleichsweise gut ab. Generell ersetzt die Software nicht die Begutachtung durch Fachleute, sondern spürt meist nur simpel kopierte Textstellen auf. Meist liefert sie bloß Hinweise auf verdächtige Textstellen und ist allenfalls teilweise zu gebrauchen.

Scheuer selbst hatte am Montag die Uni um die Überprüfung seiner Arbeit gebeten, woraufhin ihm die CSU-Spitze Unterstützung signalisierte. Allerdings hatte die Prager Uni schon am Freitag - nach großen Berichten über die Vorwürfe - begonnen, sich aus eigener Initiative auf den Test vorzubereiten. "Herr Scheuer muss darum nicht bitten", sagte der zuständige Institutsleiter.

Keine Stelle ohne Quelle - das gilt auch in Prag

Wie die allermeisten Universitäten hat auch die Prager Karls-Universität genaue Regeln und Sanktionen für die Ahndung wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Eine entsprechende Richtlinie des Dekans der Sozialwissenschaftlichen Fakultät von 2006 verlangt "die korrekte Zitierung und Offenlegung aller benutzten Quellen" als Grundregel sauberen akademischen Arbeitens. Das Ausgeben "längerer oder kürzerer Passagen" von Fremdautoren als eigene sei ein Verstoß und könne "im Einklang mit den Disziplinarregeln der Fakultät" bestraft werden.

Scheuer machte sich bei seinem Schmalspur-Doktor eine Regelung zunutze, die den Tschechen noch aus der K.u.K.-Monarchie verblieben ist - das "kleine" oder "altösterreichische Doktorat". Es existiert in Österreich selbst nicht mehr in dieser Form, in Tschechien hingegen haben sich vor allem titelversessene Professionen wie Mediziner und Juristen dafür eingesetzt, es beizubehalten.

Die auf englisch veröffentlichte Studienordnung der Universität von 2006 führt den Grad PhD als "State Rigorosum Examination". Er steht damit auf einer Ebene mit anderen im Ausland eher unbekannten Titeln: dem "JUDr." für Juristen, dem "PharmDr." für Pharmazeuten oder dem "ThDr." für Theologen - für alle diese Titel kann laut Studienordnung auch eine mündlich verteidigte Master-Arbeit ausreichen.

Umstände von Scheuers Arbeit sind "sehr ungewöhnlich"

Scheuer reichte seine politikwissenschaftliche Arbeit über die CSU auf Deutsch ein. Untersagt ist es nicht, eine Arbeit in der Fremdsprache abzugeben. "Die deutsche Sprache ist aus dem Verfahren nicht ausgeschlossen - es hängt nur davon ab, ob der Doktorvater beziehungsweise auch die Begutachter des Deutschen (oder einer anderen Sprache) mächtig sind", sagt Miroslav Kunstat, Historiker und Professor an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Prager Karls-Universität.

Es sei allerdings "sehr ungewöhnlich", dass ein Student nach Prag komme, um dort das sogenannte kleine Doktorat abzulegen, sagt Kunstat, der Abschluss sei im Ausland kaum bekannt. Normalerweise, so Kunstat, können tschechische Studenten diesen Titel erwerben, wenn sie eine sehr gute Masterarbeit geschrieben haben. Dann empfehlen ihnen die Prüfer, die Arbeit noch etwas auszubauen. Nach einer erfolgreichen Verteidigung dürfen sie dann die Buchstaben "PhDr." vor dem Namen führen.

Der "PhDr.", den CSU-Politiker Scheuer erworben hat, ist allerdings auch in Tschechien nicht gleichwertig mit einem Doktor. Wissenschaftler wie Kunstat führen deshalb zumeist einen zweiten Titel, den "Ph.D." nach internationalen Standards, der eine Promotionsleistung voraussetzt. Er entspreche, so Kunstat, "etwa dem deutschen Dr.", für seinen anderen Titel benutze er im "Umgang mit den deutschen Partnern die offizielle tschechische Form".

Zu so viel Trennschärfe konnte sich Scheuer nicht durchringen. Bevor er vergangene Woche darauf verzichtete, den Titel zu führen, präsentierte er sich dem Wähler gerne als "Dr. Andreas Scheuer".

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wibo2 21.01.2014
1. Die Tschechen arbeiten gut, schnell und streng!
Zitat von sysopDPADie Karls-Universität in Prag lässt die umstrittene Arbeit von CSU-General Andreas Scheuer scannen und auf Plagiate überprüfen. Erste Ergebnisse erhoffen sich die Prüfer schon für Dienstag. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/doktortitel-so-prueft-uni-prag-die-arbeit-von-andreas-scheuer-a-944699.html
Dass Deutsch für die Tschechen eine Fremdsprache ist, das ist für sie kein Hindernis bei der Analyse. Der tschechische "Kleine Doktortitel" ist eine echt gute Idee. Das ist echt erhaltenswert und sollte auch in Deutschland alternativlos eingeführt werden! Diese kleinen Doktorgrade sollten alsbald bundeseinheitlich sowie in der gesamten EU zur allgemeinen Führung genehmigt werden, entweder als Dr. oder als PhDr. Mit einem PhDr. muss man sich nicht schämen. In Tschechien und der Slowakei werden die Grade von erfolgreichen Wissenschaftlern schließlich auch so System relevant geführt.
Ausfriedenau 21.01.2014
2. "Wer betrügt, der fliegt"
Zitat von sysopDPADie Karls-Universität in Prag lässt die umstrittene Arbeit von CSU-General Andreas Scheuer scannen und auf Plagiate überprüfen. Erste Ergebnisse erhoffen sich die Prüfer schon für Dienstag. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/doktortitel-so-prueft-uni-prag-die-arbeit-von-andreas-scheuer-a-944699.html
Betrüger gibts in Bayern eine ganze Menge, gefühlsmäßig jedenfalls mehr als in anderen Bundesländern. Deshalb sollten die Hoeneß, Rummenigge, Seehofer, Guttenberg, Scheuer und all die anderen, die sich durch Betrug auf höchster Ebene bereichert oder besudelt haben einen Flug chartern und ab gehts! Wer früh bucht, spart eine Menge.
jruhe 21.01.2014
3. Promotionsrecht verschärfen
Dieses titelgeile Geschacher ist mehr als unwürdig und ein Tritt in den Hintern der richtigen Doktores. Ein Vorschlag wäre die Erlaubnis der Promotion ein eine Tätigkeit an der Universität zu binden. Erstens würde das die Titelinflation unterbinden und zweitens hätten die Promotionsstudenten ein Nachweis der Tätigkeit in Forschung und Lehre - so wie es sich eigentlich gehört.
rainer_daeschler 21.01.2014
4. Verkehrte Welt
'Der "PhDr.", den CSU-Politiker Scheuer erworben hat, ist allerdings auch in Tschechien nicht gleichwertig mit einem Doktor.' Die Ironie dabei ist, dass es zwei deutsche Bundesländer gibt, Berlin und Bayern, die den Abschluss als Promotion anerkannt haben. Das ist ein absolutes Novum. Normalerweise sehen sich Nationen und ihre Universitäten zu weilen vor dem Problem, dass ihre Abschlüsse in anderen Ländern nicht anerkannt werden. Dass aber eine (aus tschechischer Sicht) ausländische Provinz ihre Abschlüsse für etwas anerkennt, was sie aus eigener Sicht gar nicht darstellen, dürfte einzigartig sein.
phyrgisch 21.01.2014
5. optional
In Deutschland ist es so, das man beim Einreichen der Arbeit eine eidesstattlicher Erklärung Unterschreibt, das die Arbeit eine eigene und eigenständige Leistung ist. Und in Prag? Als Eidbrüchiger würde er aber gut zu Merkel und Co passen, die ihrem Eid auch keine Bedeutung beimessen
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