Urteil Frau darf trotz Silikonbrüsten zur Polizei

Darf die Polizei eine Bewerberin ablehnen, weil sie Brustimplantate hat? Nein, entschied jetzt ein Gericht im Fall einer Frau aus Dortmund. Die Gefahr, dass das Polster reißt, sei gering.

Polizistinnen in Köln (Symbolbild)
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Polizistinnen in Köln (Symbolbild)


Tattoos, Ohrringe, Pferdeschwanz - all das kann zum Hindernis werden, wenn Menschen zur Polizei wollen. Aber wie steht es mit Brustimplantaten? Eine Frau aus Dortmund war wegen ihrer Silikonbrüste vom Polizeiarzt abgelehnt worden. Es bestehe die Gefahr, dass die Einlage bei bestimmten Einsätzen reiße. Die Frau klagte dagegen vor Gericht - und setzte sich jetzt durch.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gab nämlich am Mittwoch der Krankenschwester recht, die im Frühjahr 2014 aus medizinischen Gründen bei der Polizei abgelehnt wurde.

Die Richter beriefen sich auf ein eigens für den Fall in Auftrag gegebenes Gutachten der Uniklinik Bonn. Danach besteht ein gewisses Risiko eines Risses oder einer schmerzhaften Umkapselung (Fibrose). Es liege aber unter 20 Prozent.

Laut der bundesweit geltenden Polizeiverordnung sind Frauen mit Implantaten in der Brust wegen erhöhter Verletzungsgefahr nicht geeignet für den Polizeidienst. Gerichte hatten aber auch schon in früheren Verfahren gegen die Verordnung entschieden. Eine Bewerberin hatte sogar mit Erfolg den Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg eingeschaltet.

Die Frau im aktuellen Fall hatte sich als Sonderfall betrachtet, weil ihre Implantate hinter der Muskulatur eingesetzt seien. Gesundheitliche Gründe gab es nicht für die Operation.

Um in den Polizeidienst zu kommen, müssen Bewerber in der Regel unter anderem gut schwimmen können. Frauen müssen mindestens 1,63 und Männer 1,68 Meter groß sein. Tätowierungen oder Piercings sind nicht erwünscht, aber auch nicht zwingend ein Ausschlusskriterium. Wie Polizisten im Dienst aussehen sollen, regeln die Länder in ihren Kleiderordnungen. Die Fälle werden dabei unterschiedlich beurteilt.

Tattoos - ja oder nein?

Die Bundespolizei zum Beispiel kann tätowierte Bewerber ablehnen. 2014 bestätigte der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein Urteil der Vorinstanz. Es ging um eine Frau mit einem großflächigen Tattoo auf dem Unterarm. Das Verwaltungsgericht in Aachen hingegen urteilte 2012 in einem anderen Fall, das Land Nordrhein-Westfalen dürfe einen Polizeibewerber wegen eines Tattoos nicht ablehnen.

In Rheinland-Pfalz wollte ein Polizist 2003 sein Recht auf einen schulterlangen Pferdeschwanz bei der Arbeit einklagen. Das Koblenzer Oberverwaltungsgericht urteilte jedoch dagegen: Jeder Beamte sei verpflichtet, das Ansehen der Polizei zu wahren, hieß es in der Begründung.

Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin gab 1999 einem Münchner Polizisten recht, der im Dienst Ohrschmuck und lange Haare tragen wollte. Die Richter sahen das Recht auf "freie Entfaltung der Persönlichkeit" in Gefahr. Seine Vorgesetzten wollten ihm den Schmuck per Dienstanweisung verwehren, weil das nicht zum gewünschten Erscheinungsbild der Polizei passe.

fok/dpa

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