FDP-Politiker Chatzimarkakis Doktor aberkannt? Dann mach ich noch einen!

Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis rechnet offenbar damit, dass ihm die Uni Bonn seinen Doktor nehmen wird - verzichten will er aber trotzdem nicht. Sollte er wegen Plagiatsvorwürfen den akademischen Grad verlieren, will er nachbessern. Oder eine zweite Arbeit schreiben.

Jorgo Chatzimarkakis: Der FDP-Mann will nicht aufgeben
dapd

Jorgo Chatzimarkakis: Der FDP-Mann will nicht aufgeben


Hamburg - "Ich bin kein Plagiator", sagt Jorgo Chatzimarkakis immer wieder - zuletzt am Mittwoch in der "Saarbrücker Zeitung". Für seine politikwissenschaftliche Dissertation, die auf der Internetplattform VroniPlag ins Visier von Plagiatsjägern geraten war, nimmt der FDP-Politiker in Anspruch: "Keine Stelle ohne Quelle."

Kein einziger Text sei aus einem Werk übernommen worden, das nicht in einer Fußnote oder im Literaturverzeichnis auftauche. In seinen Dissertationsregeln stehe lediglich, "fremdes Gedankengut ist kenntlich zu machen". Eben dies habe er schriftlich erklärt und sich daran gehalten.

Seine Zitierweise sei vielleicht missverständlich, räumte Chatzimarkakis im Gespräch mit der Zeitung ein. Doch diese methodische Schwäche sei bereits bei der Prüfung seiner Dissertation benannt und bei der Notengebung berücksichtigt worden. Chatzimarkakis hatte für die im Jahr 2000 vorgelegte Arbeit die Note "Drei" erhalten. Die Dissertation trägt den Titel "Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs".

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Chatzimarkakis bei Will: Das Oxford-Argument
Am Mittwochnachmittag will die Universität Bonn über den möglichen Entzug des Doktortitels von Chatzimarkakis beraten, anschließend gibt der Fakultätsrat in einer Erklärung sein Votum bekannt. Bei der Sitzung der Promotionskommission, die sich mit den Fälschungsvorwürfen beschäftigt hatte, hatte es zuvor offenbar ein Plädoyer für eine Aberkennung gegeben. "Alles andere wäre eine Überraschung", sagte ein Insider SPIEGEL ONLINE.

Chatzimarkakis gibt sich derweil kämpferisch und entschuldigte die Mängel seiner Arbeit unter anderem mit der angeblichen Zitierschule an der Elite-Uni Oxford.

Er selbst rechnet offenbar mit der Aberkennung seines Titels. Für den Fall kündigte Chatzimarkakis im Gespräch mit der "Saarbrücker Zeitung" an, Mängel nachzubessern oder, falls das nicht reicht, eine zweite Dissertation zu schreiben: "Ich habe meinem Großvater versprochen, das durchzuziehen, dazu stehe ich."

him/AFP



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insgesamt 204 Beiträge
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Seite 1
anderton 13.07.2011
1. Dr. anderton
Ist ja auch sein gutes Recht. Wenn er denn die Zeit dafür hat und es diesmal richtig macht, hat er dich ja auch einen verdient...
herrbausa 13.07.2011
2. Rofl
Beware of Greeks bearing academic degrees ;-)
herr-vorragend 13.07.2011
3. .
Ich frage mich welcher Doktorvater so blöd sein könnte, sich darauf einzulassen.
si_tacuisses 13.07.2011
4. Warum will er sich denn die Mühe machen. ?
Zitat von sysopDer FDP-Europaabgeordnete*Jorgo Chatzimarkakis rechnet offenbar damit, dass ihm die Uni Bonn seinen Doktor nehmen wird - verzichten will er aber trotzdem nicht.*Sollte er wegen Plagiatsvorwürfen den akademischen Grad verlieren, will er nachbessern. Oder*eine zweite Arbeit schreiben. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,774178,00.html
Er kann sich doch einfach eine kaufen. So wie andere auch.
Derax 13.07.2011
5. Gut
Gut so! Falsch zitieren ist ja auch kein Verbrechen, sondern ein Mangel in einer Doktorarbeit, die zu 95% Werke bezeichnen in denen der Dokotrant Informationen zusammenführen muss um eine Neue Erkenntniss zu gewinnen. Vielleicht versteht das dann auch die breite Bevölkerung^^ Und diese Hetzer von den BLogs verschwinden endlich: deren Arbeit sollte eigntlich überflüssiig sein wenn die Unis richtig arbeiten würde ;D
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