Infografik der Woche So weiblich ist die Bundeswehr

Die Bundeswehr rekrutiert verstärkt Frauen. Aber wie viele dienen in Kampftruppen? Die Infografik der Woche.


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Mit einer gerade angelaufenen Werbekampagne versucht die Bundeswehr, junge Rekruten anzuwerben, darunter vermehrt auch Mädchen und Frauen. Formal sind Frauen bereits seit 15 Jahren für alle Dienstbereiche zugelassen und tatsächlich wächst ihr Anteil in der Truppe kontinuierlich.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Bundeswehr einer Schrumpfkur unterzogen. Die Gesamttruppenstärke ging in den vergangenen 25 Jahren um mehr als 60 Prozent zurück. Von fast 460.000 auf etwa 175.000 Soldaten und Soldatinnen.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, ist der Frauenanteil derweil von verschwindend geringen 0,1 Prozent auf heute etwa 11,2 Prozent gestiegen. Während es noch 1990 nur 275 Soldatinnen waren, so verrichten inzwischen fast 19.800 ihren Dienst. Laut Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen soll der Frauenanteil insgesamt in Zukunft auf 20 Prozent steigen.

Frauen sind weiterhin vor allem im Sanitätsdienst vertreten (aktuell etwa 7700). Im Jahr 1975 war dies der erste Bereich der Bundeswehr, der für Frauen geöffnet wurde. Zunächst nur für Ärztinnen, ab 1991 konnten sich Frauen dann für den gesamten Sanitätsbereich bewerben.

Die Integration von Frauen im militärischen Dienst machte nach der Deutschen Einheit allerdings vorübergehend auch Rückschritte: Bei den Streitkräften der DDR, der Nationalen Volksarmee (NVA), fanden Frauen bereits außerhalb des Sanitätsdiensts Verwendung. Sie wurden bei der Eingliederung der NVA in die Bundeswehr ab 1991 aber nicht übernommen.

Erst zehn Jahre später, nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), sah sich die Bundesregierung 2001 gezwungen, den Artikel 12a des Grundgesetzes zu ändern. Dort hieß es bis dahin, Frauen "dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten". Seit der Änderung stehen alle Dienstlaufbahnen der Bundeswehr uneingeschränkt für Frauen offen.

Heute sind bei den kämpfenden Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine zusammen etwa 7000 Frauen angestellt. Bei der Streitkräftebasis, die logistische und organisatorische Aufgaben für die anderen Teilbereiche übernimmt, sind weitere 3600 Frauen angestellt. Zudem arbeiten 1200 Frauen als Soldatinnen beim Bundesverteidigungsministerium.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

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loe/pst

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
geraldwinkeler 07.11.2016
1.
Die Truppe besteht nicht nur aus Kampftruppen, und die Bundeswehr besteht nicht nur aus der Truppe, sondern auch aus der Verwaltung, und dort gibt es viel mehr Frauen als in der Truppe. In manchen Bereichen sind die Frauen dort sogar in der Mehrheit. Alle Bereiche und Statusgruppen sind nötig, um die Aufgaben der Bundeswehr zu erfüllen. Man sollte die Begriffe schon klar auseinanderhalten, wenn man über die Rolle der Frauen in der Bundeswehr spricht. Üm übrigen lassen sich in vielen Bereichen die Personalgewinnungsprobleme der Bundeswehr ohne verstärte Bemühungen um Frauen gar nicht lösen. Entgegen vielen Stammtischparolen erscheinen die Konditionen, die jungen Soldaten, Beamten und Arbeitnehmern in der Bundeswehr geboten werden, dem potentiellen männlichen Nachwuchs oft gar nicht so attraktiv.
messageinabottle 07.11.2016
2. Unscharf differenziert
In der Streitkräftebasis arbeiten Soldaten, keine Dienstleister. Sie kommen aus allen drei traditionellen Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine. Sie sind genauso möglichen Kampfhandlungen oder Bedrohungen ausgesetzt, wie andere Soldaten. Auch eine Differenzierung der Soldatinnen im Ministerium macht daher keinen Sinn. Relevant ist die Gesamtzahl. Ansonsten sind Frauen auch als Sanis, Stabssoldaten oder Infanteristen Soldaten wie alle anderen auch. Interessant wäre höchstens der Anteil von Frauen bei den sogenannten Kampftruppen, wo regelmäßig schwere körperliche Belastungen mit Gefechtssituationen einhergehen. Ein Gemisch, das nur mit großer körperlicher Kraft sehr gut zu beherrschen ist...
victoria101 07.11.2016
3. Wie viel Sinn macht es auch...
... Frauen in Kampftruppen einzuteilen? Also, ich bin selber Frau und habe auch schon damit geliebäugelt, zum Bund zu gehen. Aber Gendertheorie hin oder her, Frauen sind schwächer als Männer. Wenn es um Einsätze geht, in denen es zu Gewaltmärschen mit 50-kg oder mehr Gepäck geht, dann ist das schon für die Männer eigentlich zu viel. Da werden die Frauen nur zur Belastung für die anderen. Ausnahmen bestätigen hier die Regel, es mag superfitte Leistungssportler-Frauen geben, die das schaffen, wo Couchkartoffel-Männer versagen. Etwas anders sieht es bei technischen, logistischen, Verwaltungsbereichen, Sanitätsdienst und Musik aus. Da gibt es keinen Anlass, den Frauen die Aufnahme zu versagen.
einwerfer 07.11.2016
4. Wo ist die Antwort ?
Wie viele dienen denn nun in Kampftruppen ? Also Infanterie, Panzer etc ? Der Artikel gibt auf die selbstgestellte Frage keine Antwort.
naklar261 07.11.2016
5. Eignung und Leistung. mehr nicht
mehr braucht es nicht. vollkommen egal ob mann oder frau. wer damit nicht klar kommt sollte kein soldat werden.
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