Gehälter und Status Professoren auf dem absteigenden Ast

Ein Professorentitel schmückt, steinreich macht er nicht mehr: Längst haben Wirtschaftskapitäne die Hochschullehrer am oberen Ende der Gehälterskala verdrängt, zeigt eine Studie. Der folgende Statusverlust schade am Ende den Studenten.

Beamter im Fokus (Archivbild): Tausende Augen sind bei Vorlesungen auf den schlauen Herrn am Katheder gerichtet
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Beamter im Fokus (Archivbild): Tausende Augen sind bei Vorlesungen auf den schlauen Herrn am Katheder gerichtet


"Professor" - diese Anrede sorgt zwar noch für Ansehen, doch längst nicht mehr für ein volles Konto. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftshistorikers Alexander Sohn von der Universität Bielefeld. Der Doktorand hat die Entwicklung der Professorengehälter in Deutschland seit 1908 untersucht und mit den Gehältern der jeweiligen Spitzenverdiener verglichen.

Das Ergebnis ist für die akademische Exzellenz ernüchternd: Anfang des 20. Jahrhunderts und bis zum Zweiten Weltkrieg gehörten Professoren zum obersten Prozent der Verdiener. Bezogen auf heutige Verhältnisse lag die Kaufkraft ihres Jahreseinkommens im Jahr 1908 bei etwa 55.000 Euro.

Aktuell liegt das Einstiegsjahresgehalt einer Professur der weitverbreiteten Besoldungsstufe W3 mit knapp 72.000 Euro ohne Nebeneinkünfte zwar deutlich höher. "Allerdings gehört keiner dieser Professoren mehr zum obersten Prozent der Verdiener", sagt Sohn. Gewandelt habe sich die Gehaltsstruktur im Vergleich zum Rest der Gesellschaft besonders seit den Fünfzigerjahren.

Sohn erklärt das mit einer Veränderung von Angebot und Nachfrage: "Es gibt immer mehr Studenten und damit immer mehr potenziellen wissenschaftlichen Nachwuchs", sagt er. Auf die relative Gehaltsminderung wird langfristig auch eine Absenkung der sozialen Stellung folgen - und im schlimmsten Fall eine geringere akademische Qualität der Professoren, glaubt Sohn.


 

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
!!!Fovea!!! 17.06.2014
1.
Zitat von sysopDPAEin Professorentitel schmückt, steinreich macht er nicht mehr: Längst haben Wirtschaftskapitäne die Hochschullehrer am oberen Ende der Gehälterskala verdrängt, zeigt eine Studie. Der folgende Statusverlust schade am Ende den Studenten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/gehalt-von-professoren-wissenschaftler-verdienen-immer-weniger-a-971706.html
Es schadet doch nicht den Studenten, schauen Sie sich mal die BWL`er der Unternehmen oder Banken an, machen sich die Taschen voll und die Belegschaft erhält nach Niedergang des Unternehmens Hartz4, ist doch alles toll gelaufen. Dann wird die Fa. saniert, es gibt neue Werksverträge die meistens schlechter....., also, die Studenten sind doch gut betreut worden von den Wirtschaftskapitänen..... Prof. in Kunstgeschichte oder Politikwissenschaft (o.a.) sind mehr als flüssig. Den wenn die was bewegen könnten/würden, hätten wir sicher eine bessere Politik bzw. irgendwelche Theaterindentanten würden keinen Kultursoli verlangen.....
helmut.alt 17.06.2014
2. optional
Der Weg bis zum Professor ist lang, steinig, nicht abgesichert und am Ende längst nicht so gut bezahlt wie Positionen in der Wirtschaft. Wen wundert es wenn dann hoch qualifizierte potentielle Nachwuchskräfte diesen Weg trotz Einladung von der Hochschulseite ausschlagen. Wer den Schaden hat sind die auszubildenden Studenten, die Forschungslandschaft und die internationale Reputation unseres Landes.
Newspeak 17.06.2014
3. ...
Das drückt doch nur aus, daß die Gesellschaft echte Leistungsträger mit Qualifikation eben nicht mehr wertschätzt. Aufgeblasene Banker und Manager, das sind die modernen "Helden".
drsmart 17.06.2014
4. Geringeres Gehalt, geringere soziale Stellung?
"Auf die relative Gehaltsminderung wird langfristig auch eine Absenkung der sozialen Stellung folgen" Dann lieber doch Bankster werden! Da hat man dann wenigstens Ansehen in der Gesellschaft! ;)
mrotz 17.06.2014
5.
Zitat von sysopDPAEin Professorentitel schmückt, steinreich macht er nicht mehr: Längst haben Wirtschaftskapitäne die Hochschullehrer am oberen Ende der Gehälterskala verdrängt, zeigt eine Studie. Der folgende Statusverlust schade am Ende den Studenten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/gehalt-von-professoren-wissenschaftler-verdienen-immer-weniger-a-971706.html
Wer Professor wegen der bezahlung wird, ist auf der absolut falschen Position. Daneben ist allerdings das Wissenschaftliche Fußvolk zutiefst prekär beschäftigt. Es muß im Mittelbau mehr feste Stellen geben. mfg
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