Gehaltsreport IT-Fachkräfte räumen ab

Von Personalern umgarnt, von Firmen gut bezahlt: Die IT-Branche verzeichnet stark kletternde Einkommen. Davon profitieren auch Berufseinsteiger. Der Gehaltsreport zeigt die aktuellen Trends bei IT-Beratern und Administratoren, Web-Designern und Führungskräften.


Tobias Kellermann* gehört zur begehrten Spezies auf dem Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. Als Consultant einer großen IT-Beratungsfirma hat er in nationalen und internationalen Beratungsprojekten gearbeitet. "Ich bin viel rumgekommen und regelmäßig von ehemaligen Kollegen und Chefs, manchmal auch von Kunden, angesprochen worden, ob ich nicht Interesse hätte, mich zu verändern", erzählt Kellermann.

Informatiker: Sprünge beim Gehalt sind drin
1&1/Andrea Fabry

Informatiker: Sprünge beim Gehalt sind drin

"Die finanziellen Angebote bewegten sich dabei fast immer im marktüblichen Bereich, wobei die potenziellen Arbeitgeber Tätigkeit, Alter, Berufserfahrung und Reiseaufwand meist sehr seriös bewertet haben", so Kellermanns Eindruck. Der entscheidende Impuls für den Jobwechsel war schließlich aber nicht so sehr ein höheres Gehalt, sondern vor allem eine interessante Aufgabe.

Von Personalagenturen umschwärmt, von Firmen gut bezahlt: Mitarbeiter aus der IT-Wirtschaft können sich die Hände reiben. Keine andere Berufsgruppe verzeichnet momentan so stark ansteigende Gehälter wie Fachkräfte und Spezialisten in der IT-Branche.

Stetige Aufwärtsbewegung

Aktuelle Zahlen der Vergütungsberatung PersonalMarkt belegen diesen Trend: Die Gehälter von IT-Fachkräften und Spezialisten sind gegenüber 2005 um durchschnittlich 3,2 Prozent gestiegen. Die von Führungskräften zwar nur um 1,1 Prozent - allerdings hatten die Gehälter von IT-Führungskräften in den letzten Jahren, im Gegensatz zu Mitarbeitern in Fachfunktionen, auch keine Pause eingelegt. Für einen neuen Hype in der Branche gibt es zwar keine Anzeichen, aber doch für eine deutliche und anhaltende Aufwärtsbewegung.

Davon profitieren auch Berufseinsteiger. Das Gehaltsniveau für Berufseinsteiger ist in den letzten vier Jahren deutlich gestiegen. 39.000 Euro Brutto-Jahresgehalt waren es 2003, rund 41.200 Euro sind es jetzt. Spitzenverdiener unter den Berufsanfängern in der IT-Branche sind die Berater, allen voran SAP-Berater. Sie verdienen bei einer Berufserfahrung von bis zu zwei Jahren rund 45.400 Euro jährlich.

Aber auch IT-Berater liegen am Anfang ihrer Karriere mit 43.200 Euro nicht schlecht. Zum Vergleich: System- und Netzwerkadministratoren steigen mit 37.100 Euro ein, Mitarbeiter im Anwender-Support mit 34.800 Euro und Web-Designer mit 33.200 Euro ein. Zunehmende Berufserfahrung lässt die Gehälter klettern. Auch die Übernahme von mehr Verantwortung zahlt sich aus: So verdienen IT-Projektleiter mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung rund 60.000 Euro jährlich.

Quereinstieg war gestern

Größere Gehaltssprünge aber gelingen meist nur bei einem Arbeitgeberwechsel. Das hat auch Peter Jensen*, System- und Netzwerkadministrator bei einer mittelständischen Softwarefirma, erfahren: "Ich war schon lange unzufrieden. Einer der Hauptgründe war das Gehalt." Jensen ging in die Offensive und sprach seinen Chef mehrfach auf eine Gehaltserhöhung an, "aber ich wurde immer wieder vertröstet. Mal hatte die Firma gerade einen wichtigen Kunden verloren, mal stimmte das Jahresergebnis nicht, dann wieder sollten demnächst ohnehin variable Gehaltsanteile eingeführt werden."

Vollkommen genervt schrieb Jensen die ersten Bewerbungen. Und hatte gleich mehrere Bewerbungsgespräche. Entschieden hat auch er sich für eine spannende neue Aufgabe "und mehr Geld gab es automatisch auch".

Um mit der Schnelllebigkeit des Geschäftes mithalten zu können, müssen Computerexperten hoch spezialisiert, gleichzeitig aber auch sehr flexibel sein. Die Zeiten der Quereinsteiger sind größtenteils passé. Gefragt sind heute vor allem Absolventen der klassischen Informatik.

Allerdings entlohnen viele Firmen ihre neuen IT-Mitarbeiter ungern über hohe Festgehälter, sondern schütten einen Großteil der Bezüge als Prämien, Boni oder Provisionen aus. Was fix und was variabel gezahlt wird, hängt meist von der Hierarchieebene und dem Einsatzgebiet ab.

Trend zu variablen Gehaltsanteilen

"Viele große Unternehmen bieten tatsächlich noch 90 Prozent fest, 10 Prozent variabel für untere Level an. Als 'Senior' oder 'Manager' ist das Verhältnis dann 80/20 oder 70/30", so Tobias Kellermanns Erfahrungen. "Im Bereich Sales allerdings ist das eher die Untergrenze." Das Firmenergebnis ist dabei nur eine möglich Komponente: "Auch individuelle Erfolge oder Soft Skills wie Veröffentlichungen oder Knowledge Transfers können zählen."

Woran auch immer der Erfolg gemessen wird: Der Anteil variabel vergüteter Stellen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, ob bei Arbeitsverhältnissen mit oder ohne Personalverantwortung. 2001 bekamen bei den Fachkräften in der IT-Wirtschaft noch 24 Prozent einen Teil ihres Gehalts erfolgs- oder umsatzabhängig, 2006 schon 37 Prozent. Deutlich höher liegt der variable Vergütungsanteil bei den Führungskräften - inzwischen 57 Prozent gegenüber 44 Prozent noch fünf Jahre zuvor.

Die IT-Wirtschaft ist nach wie vor eine Männerdomäne, dennoch ist der Frauenanteil gestiegen und liegt jetzt bei knapp 11 Prozent. Die Unterschiede bei der Bezahlung sind kleiner als in anderen Branchen. Bei den Fach- und Spezialistenfunktionen beträgt der Frauenverdienst 92 Prozent des Männerverdienstes. In der Softwareentwicklung liegen die Gehälter sogar fast gleichauf. In Führungspositionen verdienen Frauen immerhin 89 Prozent dessen, was ein männlicher Kollege bekommt.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

(*Namen geändert)



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