Gehaltsreport Was man in der Werbebranche verdient

Sprechen Sie Werbisch? Einen festen Karriereweg gibt es in der Werbebranche nicht, auch talentierte Quereinsteiger haben Chancen. Die Agenturen bewegen viel Geld. Aber in der bunten Welt der Werbung fängt beim Gehalt jeder klein an, Höhenflüge sind erst später drin.


Anne Faber* hat nicht nur eine Portion Talent, sondern auch das notwendige Quäntchen Glück gehabt: "Direkt nach meinem Studium an einer privaten Kunstschule habe ich an einem Wettbewerb im Dialogmarketing teilgenommen", erzählt sie. Als eine von fünf Gewinnern lernte sie im Rahmen eines Praktikums gleich fünf Agenturen kennen. Eine dieser Agenturen stellte sie im Anschluss an das insgesamt 30-wöchige Praktikum als "Junior Art Director" fest an.

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Heute entwickelt die 23-Jährige kreative und zielgruppengerechte Ideen für das Dialogmarketing verschiedener Unternehmen. "Im Bereich Print bin ich beispielsweise für die Werbemittel der Deutschen Telekom am Point of Sale zuständig", erzählt sie. Der Einstieg über ein Praktikum ist in der Werbebranche nicht nur üblich, sondern sogar erwünscht. Denn die Branche selbst erwartet von ihrem Nachwuchs neben Talent und Begeisterung vor allem eines: praktische Erfahrung.

Aber nicht nur kreative Köpfe sind in der Werbung gut aufgehoben, auch mathematisch-logische Talente können ihre Stärken in der Werbebranche ausleben - in der Mediaplanung, im Art-Buying, aber auch im Bereich Finanzen. So wie Christian Brandt*: Der Controller wechselte von einer großen Versicherung zu einer großen Werbeagentur. "Ich hatte Lust auf neue Herausforderungen und habe dabei ganz bewusst eine völlig andere Branche gewählt."

Lauter junge Leute, lockerer Umgangston

Der Schwerpunkt Controlling ist zwar geblieben, die Aufgaben aber sind vielfältiger und abwechslungsreicher geworden. "Ich bin jetzt unmittelbar eingebunden in wesentliche strategische Unternehmensprojekte", erzählt Brandt. Und das Umfeld? "Das ist vor allem deutlich jünger geworden - auch auf der Führungsebene."

Werber: Erfahrung zahlt sich aus

Werber: Erfahrung zahlt sich aus

Die Werbung ist eine junge Branche. "Jenseits der Vierzig ist man fast der älteste", resümiert Tobias Kellermann*, der zunächst als Konzepter in einer Online-Agentur gearbeitet hat. "In der Regel hat man dann aber auch eine Position erreicht, die eine entsprechende Erfahrung erfordert", sagt Kellermann, der heute als Kreativ-Direktor Konzept ein Relaunch-Projekt im Bereich Telekommunikation leitet: "Und dann passt es schon."

Die Mitarbeiter sind jung, der Umgangston ist locker: "In der Regel duzen sich alle", erzählt Brandt. "Außerdem wird nicht so strikt zwischen Job und Privatleben getrennt wie in anderen Branchen." Wer allerdings Vorstellungen über eine glamouröse und stets bunte, lustige, laute Werbewelt pflegt, wird in der Werbewirtschaft überrascht. Was frisch und witzig wirkt, ist meist das Ergebnis zäher und straff organisierter Arbeit.

Maues Einkommen zum Karrierestart

Geregelte Arbeitszeiten aber gibt es dennoch kaum, denn Kreativität lässt sich nur schwer in ein Nine-to-five-Korsett pressen. Von den Mitarbeitern werden stattdessen Flexibilität und Einsatz verlangt. Einsatz, der sich zumindest am Anfang der Karriere nicht auszahlt.

Werber: Gehalts-Spannen nach Beruf

Werber: Gehalts-Spannen nach Beruf

Eine Auswertung aktueller Gehaltsdaten zeigt: Wer als Kontakter einsteigt, verdient durchschnittlich 30.000 Euro im Jahr. Texter und Grafiker liegen darunter. Spitzenverdiener bei den kreativen Berufen sind die Webdesigner mit einem Anfangsgehalt in Höhe von rund 33.100 Euro, Konzepter sowie Art- oder Media-Buyer liegen mit ihren Gehältern dazwischen. Mit zunehmender Berufserfahrung steigen die Gehälter. Texter beispielsweise mit einer Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren erhalten rund 33.400 Euro jährlich. Während allerdings Konzepter und Strategen rund 36.400 Euro jährlich verdienen, bekommen Grafiker bei einer Berufserfahrung von zwei bis fünf Jahren gerade einmal 28.800 Euro.

Auf gut 130.000 schätzt der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) die Zahl der Stellen in Werbeagenturen. Hinzu kommen die Stellen in den werbetreibenden Unternehmen und in den Medien, die mit Werbung zu tun haben. Darüber hinaus gibt es in der Werbewirtschaft zahlreiche Freiberufler, die Agenturen und Unternehmen je nach Auftragslage zuarbeiten.

Große Agenturen zahlen deutlich besser

Die Werbebranche ist geprägt von kleinen und mittelständischen Agenturen. Der Faktor Unternehmensgröße aber hat entscheidenden Einfluss auf die Höhe des Gehalts. So verdienen beispielsweise Mitarbeiter im Bereich Kontakt/Kundenbetreuung in Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern rund 32.800 Euro jährlich. Ihre Kollegen in Agenturen mit über 1000 Mitarbeitern dagegen erhalten rund 41.000 Euro jährlich.

Auch bei Positionen mit Personalverantwortung macht sich die Unternehmensgröße deutlich bemerkbar: Art- und Creativ-Direktoren verdienen in Agenturen mit bis zu 100 Mitarbeitern rund 48.000 Euro, in Agenturen mit über 100 Mitarbeitern sind es rund 54.000 Euro jährlich. Als Geschäftsführer einer Agentur bis zu 100 Mitarbeitern erhält man rund 81.000; in großen Agenturen mit bis zu 1000 Mitarbeitern kommen Geschäftsführer bereits auf über 180.000 Euro jährlich.

Bei den Stars der Kreativbranche fällt das Salär noch einmal deutlich höher aus: Ein Viertel aller Geschäftsführer, deren Daten ausgewertet wurden, verdient demnach über 270.000 Euro im Jahr.

Fazit: Es geht immer noch um viel Geld in der Werbung. Wer Kreativität und eine gute Kondition für den Arbeitsalltag mitbringt, kann in der Werbebranche durchaus Karriere machen. Nach einer Untersuchung des Branchenverbandes ZAW haben die Agenturen in diesem Jahr sogar über 40 Prozent mehr Arbeitnehmer gesucht als im Jahr zuvor - trotz eines stagnierenden Werbemarktes. Gute Chancen also für kreative und belastbare Köpfe.

Von Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

(* Name geändert)

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Seite 1
JLPicard, 15.02.2006
1.
Über Gehälter allgemein öffentliche Diskussionen führen, halte ich für sinnvoll. Genauso wie ich es für sinnvoll halte, gross angelegte Statistiken zu führen, welche Berufsgruppen wieviel verdienen, um bei Entscheidungen (z.B. und vorallem in der Politik) nicht die Bodenhaftung zu verlieren! Diskussionen über das gehalt im privaten Rahmen lehne ich absolut ab! Zu 99 % verfallen dabei die "Gesprächsteilnehmer" in einen Selbstverherlichungsrausch und jeder versucht sich zu überbieten (egal ob es stimmt oder nicht). Die eine oder andere Freundschaft habe ich daraufhin umgehend beendet. Es gibt allerdings auch Gespräche im privatem Rahmen, die sich um das Thema Gehalt drehen, und recht konstruktiv und informativ sein können. Zurück zur Öffentlichkeit: Warum wird in anderen Ländern mehr über das Gehalt gesprochen. Vielleicht gibt es dort mehr Kontrast? D.h. die Maxima und Minima in verschiedenen Bereichen und zwischen verschiedenen Bereichen unterscheiden sich nicht so extrem wie beispielsweise im Ausland. D.h. wir brauchen diese Diskussion nicht unbedingt. Andererseits könnte im Ausland auch die Transparenz der Gehälter höher sein. Ich finde: Diskussion um und über Gehälter ist wichtig, jedoch im entsprechenden Rahmen und sie muss einen Sinn ergeben (also keine "Muskelshow").
DJ Doena 15.02.2006
2.
Das hat zwingend und primär mit der Neidkultur zu tun. Vielen Menschen, die hart arbeiten und viel verdienen, dabei aber nicht "schaffen" (sprich Fabrikarbeiter sind), werden gleich angeguckt, als würden sie sich ungerechtfertigt bereichern wollen, nur weil sie mehr verdienen, als der Tischlergeselle. Viel verdienen in Deutschland heißt fast immer automatisch: Da kann was nicht mit rechten Dingen zugehen. Eine Kassierin erzählt frei heraus, dass sie 1500€ brutto kriegt. a) ist das nicht "zu viel" und b) hat sie ja einen "ehrlichen" und nachvollziehbaren Job.
thingamajig, 15.02.2006
3. Wie es kommt?
Vielleicht, weil es die Führungsriege nicht wünscht, um nicht zu sagen: weil es ein "von oben" verordnetes Tabu ist?
MrTT20, 15.02.2006
4. Statistiken...
Also manchmal frage ich mich, wo diese Zahlen in den Statistiken eigentlich herkommen. Aus Deutschland können sie jedenfalls nicht sein. Vielleicht wollen sich einige der befragten Personen bzw. Firmen ja doch in einem besseren Licht darstellen, als es tatsächlich ist. Wenn durchschnittliche Akademiker-Einstiegsgehälter von >40.000 Euro (auch in der IT-Branche) suggeriert werden, dann ist das einfach mal an der Realität vorbei - zumindest im Osten Deutschlands.
Umberto, 15.02.2006
5.
---Zitat von sysop--- In anderen Ländern reden die Menschen offen über ihr Gehalt. In Deutschland nicht - wie kommt's? Wie sehen Sie es: Wäre es wünschenswert? ---Zitatende--- Mit meinem Gehalt halte ich es wie mit meiner Religion. Ist absolut meine Angelegenheit und geht niemanden etwas an.
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