Gehaltsreport Wo die höchsten Gehälter gezahlt werden

Wer für den Job umzieht, merkt schnell: In Deutschland ist das regionale Gehaltsgefälle beträchtlich. So kann ein Ingenieur in München einen Tausender pro Monat mehr einstreichen als in Schwerin. Der Gehaltsreport zeigt die Städte mit guten und flauen Verdienstchancen.


Verdient ein Controller in Frankfurt mehr als in Dresden? In welchen Städten können Angestellte mit Top-Gehältern rechnen, wo wird nur bescheiden gezahlt? Was regionale Unterschiede ausmachen können, hat Sandra Teichert (Name geändert) festgestellt. Sie ist für den Job von Hamburg nach München umgezogen - und bekommt für die gleiche Stelle deutlich mehr Geld. "Ich verdiene in München über zehn Prozent mehr als in Hamburg", erzählt die studierte Mathematikerin, die im Controlling einer Versicherung arbeitet.

Gehälter: Bei einigen hundert Euro Differenz kann sich auch Pendeln lohnen
[M] DPA; manager-magazin.de

Gehälter: Bei einigen hundert Euro Differenz kann sich auch Pendeln lohnen

Tatsächlich ergeben sich quer durch die Republik solche regionalen Gehaltsunterschiede. Eine Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt zeigt, dass die höchsten Gehälter in Frankfurt am Main und in München gezahlt werden. Das Einkommensniveau der hessischen Finanzmetropole liegt um 18 Prozentpunkte, das der bayerischen Hauptstadt um 17 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Die niedrigsten Gehälter dagegen werden in Cottbus und Schwerin gezahlt - sie liegen rund 25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Für die Studie wurden Gehaltsdaten von insgesamt über 100 Berufen ausgewertet und in ein Ranking gebracht. Dabei wurden nur Berufe berücksichtigt, die in allen Regionen Deutschlands in ausreichender Zahl in mittelgroßen Unternehmen vorkommen. Insgesamt sind so über 135.000 Datensätze in die Auswertung eingeflossen.

Weiter starkes Nord-Süd-Gefälle

Die Unterschiede bei den Gehältern können enorm sein. Ein Bauingenieur in Schwerin beispielsweise verdient rund 2400 Euro monatlich, in München sind es rund 3700 Euro. Bei Funktionen mit Personalverantwortung zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Ein Vertriebsleiter in Schwerin verdient knapp 5000 Euro im Monat, in Frankfurt am Main bekäme er fast 8000 Euro.

Regionalvergleich: Metropolen vorn
www.personalmarkt.de

Regionalvergleich: Metropolen vorn

Frankfurt am Main und München belegen seit Jahren die Spitzenplätze bei den Gehältern, gefolgt von Düsseldorf, Stuttgart, Wiesbaden oder Köln. In solchen Städten werden aber nicht nur Deutschlands höchste Gehälter gezahlt, sondern auch Deutschlands höchste Mieten fällig. "Das Wohnen in München ist erheblich teurer als in Hamburg", bestätigt Sandra Teichert aus eigener Erfahrung.

Im Umkehrschluss sind die Mieten umso erschwinglicher, je strukturschwacher eine Region ist. Oft gilt das auch für die sonstigen Lebenshaltungskosten. Die preiswertesten Städte Deutschlands liegen alle auf dem flachen Land - und in Gebieten, die unter Landflucht leiden, weil es meist wenig oder keine Arbeit gibt. In Städten und Ballungsräumen dagegen ist das Vergütungsniveau durch die größere Konkurrenz der Unternehmen vielfach höher als in ländlichen Gebieten.

Neben dem Gehalt war für Sandra Teichert vor allem die Lebensqualität ein ganz entscheidender Faktor für den Umzug vom Norden in den Süden Deutschlands. Sie findet "München mindestens genau so attraktiv wie Hamburg". In Sachen Gehalt belegt Hamburg Platz 17 - und liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch ist das Gehaltsniveau in Hamburg im Vergleich zur letzten Erhebung um drei Prozentpunkte gesunken. Überhaupt haben die Großstädte im Norden insgesamt stärker verloren als die Städte im Süden. Und damit bleibt es beim bekannten Nord-Süd-Gefälle.

Ostdeutschland holt auf

Aufgeholt in Sachen Verdienst hat vor allem der Osten. Durchweg ist das Gehaltsniveau in Ostdeutschland gestiegen, doch davon profitieren nicht alle Regionen gleichermaßen. Auch hier gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Vor allem Dresden und Leipzig konnten in den vergangenen Jahren aufholen. Der Grund: In beiden sächsischen Regionen haben sich kleine, aber wachsende Industriezentren, wie Automobilbau in Leipzig oder Halbleiterindustrie in Dresden, herausgebildet - mit positivem Einfluss auf das Vergütungsniveau dort.

Die Gehaltsunterschiede zwischen West und Ost bestehen dennoch weiter. Wer als Grafiker im falschen Bundesland arbeitet, muss mit bis zu 10.000 Euro jährlich weniger rechnen. So liegt das durchschnittliche Jahresbruttogehalt eines angestellten Grafikers in München bei knapp 37.000 Euro, in Brandenburg dagegen sind es 25.500 Euro.

Was liegt da näher als ein Umzug, wenn der Arbeitsmarkt es hergibt? Als Frank Peters* eine besser dotierte Position im österreichischen Klagenfurt angeboten wurde, zögerte der Elektronikingenieur aus Hamburg. "Meinen Lebensmittelpunkt aufgeben, das kam für mich nicht in Frage", erzählt er. Die Alternative: ein Pendlerleben mit Vielfliegerstatus.

Am Sonntagabend geht es für Peters jetzt nach Klagenfurt, am Freitag spät zurück nach Hamburg. Mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland, nämlich 37 Prozent, würde laut einer aktuellen Studie der Online-Jobbörse Stellenanzeigen.de einen Ortswechsel in Kauf nehmen - allerdings nur für den Traumjob. Und für den würden 18 Prozent aller Befragten auch Abstriche beim Gehalt machen.

Fliegender Jobwechsel in Großkonzernen

Berufseinsteiger, so das Ergebnis einer Umfrage des Städteportals Meinestadt.de, sind bei der Jobsuche noch am mobilsten. Kein Wunder, denn sie finden selten direkt an ihrem Wohnort einen Job, der ihren Vorstellungen voll und ganz entspricht.

Wer Karriere machen will, muss sich auf jeden Fall mobil zeigen: In vielen großen Konzernen ist es üblich, Führungsnachwuchskräften alle paar Jahre eine neue Position anzubieten, die häufig auch mit einem Ortswechsel verbunden ist. Der Mitarbeiter soll so Gelegenheit erhalten, über den Tellerrand zu schauen, weiteres fachliches Know-how zu sammeln und seine sozialen Kompetenzen unter Beweis zu stellen. Wer Mobilität verweigert, gilt schnell als träge und wenig karriereorientiert. Wer allerdings nur noch Städte- und Job-Hopping betreibt, macht sich ebenfalls verdächtig.

Ob bleiben, umziehen oder pendeln, ein kleiner Trost bleibt: Die regionalen Gehaltsunterschiede sind, auch das zeigt die Studie, in den letzten Jahren ein wenig geschrumpft.

Von Heike Friedrichsen, Personalmarkt.de

(* Name geändert)



insgesamt 192 Beiträge
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Seite 1
JLPicard, 15.02.2006
1.
Über Gehälter allgemein öffentliche Diskussionen führen, halte ich für sinnvoll. Genauso wie ich es für sinnvoll halte, gross angelegte Statistiken zu führen, welche Berufsgruppen wieviel verdienen, um bei Entscheidungen (z.B. und vorallem in der Politik) nicht die Bodenhaftung zu verlieren! Diskussionen über das gehalt im privaten Rahmen lehne ich absolut ab! Zu 99 % verfallen dabei die "Gesprächsteilnehmer" in einen Selbstverherlichungsrausch und jeder versucht sich zu überbieten (egal ob es stimmt oder nicht). Die eine oder andere Freundschaft habe ich daraufhin umgehend beendet. Es gibt allerdings auch Gespräche im privatem Rahmen, die sich um das Thema Gehalt drehen, und recht konstruktiv und informativ sein können. Zurück zur Öffentlichkeit: Warum wird in anderen Ländern mehr über das Gehalt gesprochen. Vielleicht gibt es dort mehr Kontrast? D.h. die Maxima und Minima in verschiedenen Bereichen und zwischen verschiedenen Bereichen unterscheiden sich nicht so extrem wie beispielsweise im Ausland. D.h. wir brauchen diese Diskussion nicht unbedingt. Andererseits könnte im Ausland auch die Transparenz der Gehälter höher sein. Ich finde: Diskussion um und über Gehälter ist wichtig, jedoch im entsprechenden Rahmen und sie muss einen Sinn ergeben (also keine "Muskelshow").
DJ Doena 15.02.2006
2.
Das hat zwingend und primär mit der Neidkultur zu tun. Vielen Menschen, die hart arbeiten und viel verdienen, dabei aber nicht "schaffen" (sprich Fabrikarbeiter sind), werden gleich angeguckt, als würden sie sich ungerechtfertigt bereichern wollen, nur weil sie mehr verdienen, als der Tischlergeselle. Viel verdienen in Deutschland heißt fast immer automatisch: Da kann was nicht mit rechten Dingen zugehen. Eine Kassierin erzählt frei heraus, dass sie 1500€ brutto kriegt. a) ist das nicht "zu viel" und b) hat sie ja einen "ehrlichen" und nachvollziehbaren Job.
thingamajig, 15.02.2006
3. Wie es kommt?
Vielleicht, weil es die Führungsriege nicht wünscht, um nicht zu sagen: weil es ein "von oben" verordnetes Tabu ist?
MrTT20, 15.02.2006
4. Statistiken...
Also manchmal frage ich mich, wo diese Zahlen in den Statistiken eigentlich herkommen. Aus Deutschland können sie jedenfalls nicht sein. Vielleicht wollen sich einige der befragten Personen bzw. Firmen ja doch in einem besseren Licht darstellen, als es tatsächlich ist. Wenn durchschnittliche Akademiker-Einstiegsgehälter von >40.000 Euro (auch in der IT-Branche) suggeriert werden, dann ist das einfach mal an der Realität vorbei - zumindest im Osten Deutschlands.
Umberto, 15.02.2006
5.
---Zitat von sysop--- In anderen Ländern reden die Menschen offen über ihr Gehalt. In Deutschland nicht - wie kommt's? Wie sehen Sie es: Wäre es wünschenswert? ---Zitatende--- Mit meinem Gehalt halte ich es wie mit meiner Religion. Ist absolut meine Angelegenheit und geht niemanden etwas an.
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