Geschäfte der Ghostwriter Von Geisterhand verfasst

Corbis

Von Juliane Frisse

4. Teil: Ist Ghostwriting denn überhaupt erlaubt?


Für Studenten und Doktoranden ist die Situation klar: Wenn sie eine Auftragsarbeit unter ihrem eigenen Namen einreichen, verstoßen sie gegen die Prüfungsordnungen der Hochschulen. Fliegen sie auf, müssen die Prüflinge, insbesondere im Wiederholungsfall, mit hohen Geldbußen rechnen und können exmatrikuliert werden.

Haben sie, wie bei Dissertationen oft gefordert, wider besseres Wissen eine vor Gericht verwertbare Erklärung unterschrieben, dass die Arbeit selbstständig angefertigt wurde, kann die falsche Angabe später auch juristische Konsequenzen haben - bis hin zu einer Geld- oder sogar einer Freiheitsstrafe.

Auf der anderen Seite ist es komplizierter: Ghostwriter selbst sprechen häufig von einer "Gratwanderung" oder "Grauzone", in der sie sich bewegen. Denn es ist erlaubt, für jemand anderes wissenschaftliche Texte zu verfassen, ohne als Autor genannt zu werden.

Um rechtlich abgesichert zu sein, lassen sich die Ghostwriting-Agenturen von ihren Kunden schriftlich bestätigen, dass sie die Arbeiten nicht unter eigenem Namen als Prüfungsleistung abgeben. Es komme deshalb immer auf den Einzelfall an, - "eine eindeutige Strafbarkeit liegt nicht vor", erklärt der Urheberrechtsexperte und Mitherausgeber der Zeitschrift für Geistiges Eigentum Matthias Leistner von der Uni Bonn.

"Man müsste berücksichtigen, wie die Werbung gestaltet ist", sagt Leistner, etwa ob die Ghostwriter eine "Ideenschmiede" oder explizit "Abschlussarbeiten" offerieren. Gegebenenfalls könne neben strafrechtlichen Mitteln auch ein wettbewerbsrechtliches oder gewerbeaufsichtliches Vorgehen gegen die Ghostwriter in Betracht kommen.

So heißt es in einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, dass bei den Summen, die an die Ghostwriter gezahlt werden, allen Beteiligten klar sei, dass die Arbeiten auch eingereicht würden. Das Gericht nannte Ghostwriting eine "verbotene Dienstleistung" und eine Tätigkeit, die "gegen die guten Sitten" verstoße.

insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jb3005 02.03.2011
1. ja...
Dumm nur wenn man sich hinterher nicht durchliest was der Ghostwriter für einen verfasst hat. Völlig Abstrus!
minsk60 02.03.2011
2. Exotenfächern
Gerade in den sogenannten Exotenfächern, wie Islamwissenschaften, Indologie, Byzantistik halte ich eine Auftragsarbeit für ausgeschlossen, da die Auftragsschreiber dazu u.a. auch exotische Sprachen können und Archivarbeit leisten müßten.
Sandygirl 02.03.2011
3. wie einfallsreich
Zitat von sysopSie sehen sich als nützliche Dienstleister und bestreiten stets, dass sie beim Betrügen helfen. Ghostwriter leben vor allem von ihrem Ruf, für Geld den wasserdichten akademischen Schwindel liefern zu können. Der UniSPIEGEL zeigt, wie die heimlichen Lohnschreiber wirklich arbeiten. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,747608,00.html
*lach* schon wieder ein "versteckter" Anti-Guttenberg-Artikel.
eigene_meinung 02.03.2011
4. vom Fach abhängig
Aus dem Artikel: "Eine Kollegin meint: "Im Grunde beweisen wir Ghostwriter ja nur, dass so eine Arbeit jeder schreiben kann, der ein wissenschaftliches Buch lesen kann."" Für die Fächer, für die Ghostwriter hauptsächlich tätig sind, stimmt diese Aussage wohl. Eine Promotion in Naturwissenschaften, Mathematik oder einer Ingenieurwissenschaft zu schreiben, ist für einen Ghostwriter sicher nicht möglich, jedenfalls nicht für 80 Euro pro Seite.
GerwinZwo 02.03.2011
5. Doktor
Zitat von Sandygirl*lach* schon wieder ein "versteckter" Anti-Guttenberg-Artikel.
Sollte es so sein, dann weise ich mal auf Folgendees hin: ein Ghostwriter, der 7 Jahre (!) braucht, um ein Plagiat an das nächste zu reihen, ohne Fußnoten usw..ja, is klar...wers glaubt, wird seelig. Im Übrigen gilt bei der Promotion zumindest in der Juristerei: es gibt immer noch ein Rigorosum, also eine mündliche Prüfung. Möchte mal erleben, wie man da durchkommt, wenn man sich in geschilderter Art und Weise eines Ghostwriters bedient hat. Nene, so einfach isses nu auch wieder nicht...auch wenn sich vielleicht manch kleiner Maxl das so vorstellt .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.