Gruppen-Typologie Die Lüge vom Teamgeist

Mythos Team: Ob im Studium oder im Beruf, es gibt kaum etwas, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander liegen wie bei der Teamarbeit. Eine Typologie.

Von Tobias Peter


Karin hasst Frank. Frank hasst Karin. Beide können Hannah nicht leiden. Hannah wiederum hält sich für sehr beliebt. Deshalb lästert sie unverdrossen mit Karin über Frank und mit Frank über Karin. Dennoch hat er mit den anderen etwas gemeinsam: Sie alle müssen in derselben Gruppe zusammen eine Präsentation erarbeiten.

Ob Studium oder Beruf, es gibt kaum etwas, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander liegen wie bei der Teamarbeit. Der Mythos Team: Gemeinsam ist besser als einsam, denn je mehr kluge Köpfe mitarbeiten, desto mehr gute Ideen gibt es.

Falsche Reaktion: "So kann ich nicht arbeiten"

Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus: Jeder kämpft für sich. Oder falls das gemeinsame Projekt aus dem Ruder läuft, sogar jeder gegen jeden. Ein Teil der Gruppe spekuliert von Anfang an darauf, dass sich ein oder zwei Blöde finden, die alle Aufgaben allein bewältigen - natürlich im Namen der gesamten Gruppe, welche die Ergebnisse vor der Präsentation großzügig absegnet (ohne an Kritik zu sparen).

Gefunden in...
Handelsblatt Junge Karriere
1/2008



Im Lauf langwieriger und nervtötender Organisationstreffen drängt sich jedoch auch den Arbeitsscheuen in der Gruppe zunehmend der Eindruck auf, das Ganze hätte jeder allein vermutlich schneller und besser gemacht.

Und jetzt? Einfach alles hinschmeißen und sagen: "Mit diesen Menschen kann ich nicht arbeiten?" Hätten viele nicht genau das bereits gern gemacht, als der Deutschlehrer uns damals in unsere erste Gruppenarbeit zwang?

Das Problem ist: Wenn jemand nicht mit einer Gruppe zurechtkommt (auch wenn sie noch so ineffizient ist), fällt das nie auf die anderen, sondern immer auf ihn selbst zurück. Wer darauf drängt, allein arbeiten zu dürfen, gilt als überheblich, unsozial, untragbar. Als nicht teamfähig abgestempelt zu werden, kann die eigene Karriere erheblich behindern.

Gute Miene zum schlechten Teamspiel

Deshalb empfiehlt es sich, nach außen auch zum schlechten Teamspiel immer eine gute Miene zu machen. Die richtige Strategie nach innen: mitarbeiten und darauf achten, dass dies auch die anderen tun.

Dafür ist es wichtig zu erkennen, wie die anderen Teammitglieder ticken. Denn im Wesentlichen finden sich in jedem Team ganz bestimmte Typen wieder: das Alpha-Tier, der Trittbrettfahrer, der Klassenclown, der Stänkerer, der Harmoniesüchtige und die Schlafmütze (in der Praxis gibt es natürlich auch Mischtypen, die sich je nach Tagesform unterschiedlich einbringen).

Wenn erst einmal klar ist, um welchen Typen es sich bei einem Teammitglied handelt, gibt es passende Strategien, um die Person einzubinden. Hätten Karin, Frank und Hannah das doch bloß gewusst.

Wer sind Sie? Die Team-Typologie:



insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
novaso 17.01.2008
1.
Zitat von sysopTeamfähigkeit gilt bei Unternehmen als wichtige Mitarbeiter-Qualifikation und Voraussetzung für effizientes Arbeiten. Im täglichen Leben allerdings geht Teamwork häufig schief. Wird Teamgeist generell überschätzt?
Natürlich wird es nicht unterschätzt. Ich halte es für den Erfolg mit ausschlaggebend. Ein gutes Team zu haben, das gut zusammenarbeitet (nichts anderes bedeutet doch Teamwork) ist ein nicht zu unterschätzender Faktor in Firmen, im Sport und natürlich besonders in der Familie. Schief geht es (meistens) durch einzelne Leute die charakterlich nicht reif genug sind (unabhängig vom Alter), gerne selbst im Mittelpunkt stehen, andere schlecht machen und Erfolg nicht teilen wollen oder können. Teamwork ist wichtig.
floschaf 17.01.2008
2.
Das Problem am Teamwork ist, dass die Leute unterschiedliche Arbeitsauffassungen haben. Es gibt Menschen, die haben die Einstellung, dass man auch was leisten muss in einem Team und es gibt die anderen "Teamplayer" die leider eine ganz andere Einstellung zur Arbeit haben. Sie vermuten hinter der Teamarbeit eher eine Arbeitserleichterung für sich selbst. Die tatsächliche Arbeit bleibt immer an den anderen hängen. Und vorallem ist es in jeder Gruppe wichtig, dass es einen Führungspersönlichkeit gibt die andere motiviert oder auch mal rügt. Diese Personen sind ungern gesehen, aber zwingend notwendig. Sofern eine Gruppe harmonisch sich zusammengefunden hat gibt es auch keine Probleme mehr einen dementsprechenden Leiter herauszukristallisieren. Teamwork kann also funktionieren, muss aber nicht !
BeckerC1972, 17.01.2008
3.
Als Antwort auf jedliche Aufgabenstellung des Arbeitsleben ist Gruppenarbeit vollkommen überbewertet. Die Frage nach der "Teamfähigkeit" in einem Einstellungsgespräch ist ein absoluter Scherz. Um die Eingangsfrage zu beantworten: Teamwork ist maßlos überschätzt.
delta058 18.01.2008
4.
Zitat von sysopTeamfähigkeit gilt bei Unternehmen als wichtige Mitarbeiter-Qualifikation und Voraussetzung für effizientes Arbeiten. Im täglichen Leben allerdings geht Teamwork häufig schief. Wird Teamgeist generell überschätzt?
Ich frag mich schon, warum Teamfähigkeit verlangt wird, der Betreffende aber andere Kollegen auf Arbeit nur in den Pausen sieht. Höfliches Benehmen untereinander kann ja nicht gemeint sein, das wird generell vorausgesetzt.
petenicker 18.01.2008
5.
Zitat von sysopTeamfähigkeit gilt bei Unternehmen als wichtige Mitarbeiter-Qualifikation und Voraussetzung für effizientes Arbeiten. Im täglichen Leben allerdings geht Teamwork häufig schief. Wird Teamgeist generell überschätzt?
Solange Team für "Toll, ein anderer macht's" steht, ja.
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