Kurioser Job in China Trinkfeste Brautjungfern gesucht

Sie müssen ständig Alkohol trinken und raue Späße erdulden: In China ufern Hochzeiten oft aus - auf Kosten der Brautjungfern. Damit die Freundinnen der Braut nicht herhalten müssen, vermitteln Firmen Profis für den Job.

Zu Hochzeiten in China gehören nicht nur pompöse Bilder, sondern auch viele Trinksprüche
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Zu Hochzeiten in China gehören nicht nur pompöse Bilder, sondern auch viele Trinksprüche


Sie ziehen schöne Kleider an, werfen Reiskörner, tragen vielleicht die Schleppe der Braut und halten deren Strauß - Brautjungfern haben eigentlich keinen allzu gefährlichen Job. In China gehört jedoch offenbar oft mehr dazu: Brautjungfern würden auf chinesischen Hochzeiten regelmäßig dazu gedrängt, im Namen der Braut große Mengen Reiswein zu trinken, schreibt Yang Hu, Soziologe an der University of Essex, in einem Beitrag für das Webmagazin "The Conversation". Im September hatte unter anderem die Zeitung "China Daily" von einer 28-jährigen Brautjungfer berichtet, die auf einer Hochzeit in der Provinz Hainan zum Trinken angespornt wurde und daraufhin starb.

Brautjungfern würden außerdem bei Hochzeitsspielen von Trauzeugen und anderen männlichen Gästen häufig sexuell bedrängt und belästigt, schreibt Yang Hu weiter, der für seinen Beitrag Literatur und Medienberichte ausgewertet hat. "Auch wenn Sex für die meisten Chinesen ein Tabu in der Öffentlichkeit bleibt, scheinen Hochzeiten das freizügige Ausleben sexueller Begierde für manche Männer zu legitimieren."

Viele Brautpaare hätten deshalb Probleme, Brautjungfern im Bekanntenkreis zu rekrutieren, berichtete im April auch die Nachrichtenagentur Xinhua. Hochzeitsplaner haben die Not erkannt - und rekrutieren nun offenbar vermehrt professionelle Brautjungfern. Ihr Einsatz kostet laut dem Soziologen Yang Hu umgerechnet rund 30 bis 110 Euro pro Hochzeit.

"Mindestens 15 Paare haben sich in den letzten zehn Tagen bei uns erkundigt, ob sie Brautjungfern mieten können", zitiert Xinhua den Hochzeitsplaner Cheng Fei aus Nanchang.

Im März war die Schauspielerin Liu Yan, Brautjungfer auf einer Hochzeit von Freunden in Bali, fast von männlichen Gästen in einen Pool geworfen worden. Das hatte in China eine Debatte über ausufernde Hochzeitsrituale angeheizt.

Hochzeitsfeiern liefen allerdings regional sehr unterschiedlich ab, schreibt Soziologe Yang Hu. Die meisten Berichte von Alkoholvergiftungen und sexueller Belästigung kämen aus ländlichen Gegenden und Provinzen wie Shandong und Hainan, wo konservative Rollenbilder weiter verbreitet seien.

In Städten und in Provinzen wie Sichuan und Shanghai seien es auch gelegentlich die männlichen Trauzeugen, auf deren Kosten raue Hochzeitsspäße getrieben würden.

lov

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