Ein Instagramer auf Reisen Ronny folgt zurück

Seifenblasen, Lichterketten, Blumen. Mit seinen Fotos hat Ronny Kühnert knapp 130.000 Follower auf Instagram gesammelt. Sie kommen aus Singapur, Hawaii oder Island. Nun will der Abiturient sie treffen.

Ronny Kühnert

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Die schöne Welt hat Hochkonjunktur auf Instagram. Flauschige Hundewelpen im Bastkörbchen, eine Palme, hinter der die Sonne untergeht oder ein Mädchen, das durch ein Blumenfeld läuft. Die Menschen mögen so etwas. Ronny Kühnert auch. Der 18-Jährige aus Heilbronn fotografiert solche Wohlfühlmomente. Sie erinnern zwar ein bisschen an die Bilder in Reisekatalogen, aber immerhin folgen ihm inzwischen schon fast 130.000 Nutzer auf Instagram.

Zur Person
  • Privat
    Ronny Kühnert, 18, hat in diesem Jahr sein Abitur in Heilbronn gemacht. Nun reist er um die Welt, um seine Instagram-Follower zu treffen. Auf der Social-Media-Plattform ist er unter @rmkhnert__ zu finden.

"Mega nice", schreiben die Leute unter seine Fotos, "sieht fresh aus" oder "we should meet up." Wir sollten uns treffen. Und weil sich der 18-Jährige, der in diesem Jahr Abi gemacht hat, tatsächlich mit seinen Anhängern treffen will, überhaupt schon immer von einer großen Reise träumte, fliegt er nun um die Welt. In Singapur war er schon. Gerade ist er in Australien, dann folgen Neuseeland, Fidschi, Hawaii, Los Angeles, Kanada, New York und andere Städte, andere Länder. Ausgewählt in der Hoffnung, dort gute Locations zu finden oder auf interessante Follower zu stoßen.

Let it burn��✨

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Er sei selbst überrascht davon, wie viele Abonnenten er in drei, vier Jahren zusammen bekommen habe. Das läge vielleicht an der Qualität seiner Bilder, daran, dass er regelmäßig etwas poste und mit der Community in Verbindung bleibe. Oder, dass schon früh viele Leute auf seine Fotos aufmerksam geworden seien. Heute sei es schwerer, aus der Menge herauszustechen.

Natürlich ist er im Instagram-Universum, das in Deutschland unter anderem die Zwillinge Lisa und Lena (11,7 Millionen Abonnenten) und Fußballer Tony Kroos (13,8 Millionen Abonnenten) anführen, eher ein kleines Licht, aber immerhin: Die Flüge zahlt ein Reiseveranstalter, dem Kühnert von seinem Vorhaben erzählt und gefragt hat, ob er ihn unterstützen möchte. Für das Unternehmen muss der Abiturient zwei Mal die Woche Werbung machen, also Fotos posten und den Anbieter erwähnen.

Ein ausgebildeter Fotograf ist Kühnert nicht. Er hat zwar einmal ein Praktikum bei einem Fotografen gemacht, aber das ging nur eine Woche und da durfte er nur zuschauen und nichts fotografieren. Kühnert hat sich alles selbst beigebracht - mit Youtube-Videos gelernt, wie er seine Kamera richtig einstellt, wie er die Farben verändert oder Details ausdrucksstark macht.

Jetzt arbeitet er mit einer Vollautomatik-Kamera und bearbeitet alle Fotos, die er posten will. Manchmal dauert das fünf Minuten, manchmal eine Stunde. Am Tag ist er drei bis vier Stunden auf Instagram, vor allem vor dem Schlafengehen. Dann schaut er sich an, was andere posten, lässt sich inspirieren und kommentiert. Um neue Abonnenten zu bekommen und die alten zu halten, muss er viel Zeit investieren. Fast wie bei einem Halbtagsjob.

Nun bekomme er immer mehr Anfragen von Firmen, für die er werben oder denen er seine Fotos zur Verfügung stellen soll. Früher waren das mal Handyhüllen-Verkäufer, jetzt fragen schon Kommunikationsgrößen wie Samsung und Huawei an. Wie viel Geld er für die Werbung erhält, will er nicht sagen.

"Ich mache aber nur für Produkte Werbung, die zu meiner Seite passen." Kürzlich bat ihn eine Produktionsfirma darum, für eine Serie zu werben. Dafür sollte er einen Kuchen backen, ihn fotografieren und das Bild posten. "Das passt nicht zu mir, außerdem kann ich nicht backen."

Kühnert will seine Follower nicht verärgern. "Man sollte nie was vorgeben, was man nicht ist", sagt er. Instagram als Einnahmequelle - das sei ihm für die Zukunft aber zu unsicher. "Wenn meine Abonnenten mal weg sind, stehe ich mit leeren Händen da", sagt er. Die Reise will er auch dazu nutzen, um herauszufinden, was er mit seinem Leben anfangen möchte.

������ { don't know how I should caption this }

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Inzwischen hat er schon ein gutes Dutzend seiner Anhänger getroffen. Sie haben sich über Fotografie unterhalten, über den Erfolg auf Instagram, aber auch über die Schule, über Mobbing und über den Traumberuf. Und sie haben zusammen Fotos gemacht. Mit einer 19-jährigen Studentin war er in Singapur Kaffee trinken. Mit zwei Mädchen aus Deutschland war er in Australien essen. "Wir haben uns so gut verstanden, als würden wir uns schon seit zwei Jahren kennen", sagt er.

In New York möchte er Brandon Woelfel treffen, einen Instagram-Freund, der auch Fotos vom schönen Leben macht. Woelfel begann zur gleichen Zeit wie Kühnert mit Instagram, hat aber zehnmal so viele Abonnenten. "Wir schreiben uns schon seit Jahren", sagt Kühnert - so als würde er über einen alten Bekannten reden.

Der Deutsche bekommt auch Übernachtungsangebote von seinen Anhängern, will aber erst mal lieber in einem Hostel bleiben. "Wenn mich jemand anschreibt, der kein Profilbild hat, noch nichts gepostet hat und nur 30 Leuten folgt, bei dem bin ich vorsichtig. Mit dem treffe ich mich lieber erst auf einen Kaffee und schaue, ob ich ihm vertrauen kann."

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Travelgram: Just like me

Neulich hat ihn ein Abonnent angepöbelt und seine "Vita vollgespamt", weil sich Kühnert geweigert hat, ihn auf seiner Seite zu erwähnen. Als er ihn dann blockte, drohte er ihm damit, seinen Account zu hacken. Aber das seien Ausnahmen, sagt Kühnert. Meist ginge es sehr freundlich auf Instagram zu, ein Shitstorm wegen eines schlechten Fotos sei noch nicht über ihn hereingebrochen.

Seine Eltern haben erst nicht verstanden, wieso jemand kommt und ihrem Sohn Urlaubsreisen bezahlt - nur für ein paar Fotos. Als etwa ein Veranstalter ihm und seiner Schwester eine Reise nach Kreta finanziert hatte, dachten die Eltern, ihre Kinder werden betrogen.

Nun hat sich die Mutter auch einen Account zugelegt. Ohne Profilbild und ohne etwas zu posten. Nur, um dem Sohn auf seiner Weltreise etwas näher zu sein.

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fuhbar 20.09.2017
1. Spiegelreflex vs Vollautomatik
Was verbirgt sich denn hinter der mehrfach erwähnten Vollautomatikkamera, die jetzt anstelle der digitalen Spiegelreflex benutzt wird? Eine Vollformat kann es ja nicht sein, denn das stünde nicht in Widerspruch zur SLR.
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