Israels Armeetouristen Urlaub in Uniform

Sie malen Stahlhelme an, sortieren Schrauben, schrubben Panzer - höchst sonderbare Ferien für Zivilisten. Als einzige Armee der Welt unterhalten Israels Streitkräfte ein Freiwilligenprogramm. Besonders Studenten lassen sich für den Dienst in der Kaserne begeistern: ein Soldatenleben ohne Waffen.

Von Moritz Baumstieger


Zuweilen gibt es Weihnachtsgeschenke, die überraschen. Letzten Heiligabend bekam der Göttinger Geologiestudent Jan Tomasek von seinem Vater eine Art Reisegutschein überreicht. Drei Wochen Vater-Sohn-Urlaub in Israel. Nicht schlecht eigentlich. Aber die Sache hatte einen Haken.

Pavel Tomasek hatte keinen Strandurlaub in Eilat am Roten Meer gebucht, keine Rundreise durchs Heilige Land, keine Städtetour durchs pulsierende Tel Aviv. Stattdessen sollten es drei Wochen Dienst bei der israelischen Armee sein, Kost und Logis gratis, Anreise auf eigene Kosten. Wo und mit welcher Aufgabe man eingesetzt werde, erfahre man später. "Ich dachte, mein Vater macht einen schlechten Scherz", sagt der 21-Jährige.

Dann aber ließ sich Jan anstecken von der Begeisterung seines Vaters, der sich immer schon für Israel interessiert hatte und nun wissen wollte, wie gedacht und gearbeitet wird in dieser Armee, die so umstritten ist in der Welt wie kaum eine andere.

4000 Freiwillige jährlich

So geriet Jan auf eine Logistik-Basis im Norden Israels, wo Hunderttausende Ersatzteile lagern, von der Panzerkette bis zur Radmutter. Im Osten liegt der See Genezareth, im Nordwesten die Grenze zum Libanon, ein Ende weiter sind die Golan-Höhen, dann kommt Syrien. Es sind von hier also nur 20, 30 Kilometer bis an die Grenze zweier feindlich gesinnter Staaten.

Man könnte annehmen, Jan und sein Vater seien Exoten, aber so richtig trifft es das nicht. Am Programm "Sar-El" nehmen jedes Jahr rund 4000 Freiwillige aus aller Welt teil, unter ihnen meist etwa 50 Deutsche.

Es sind Menschen aus allen Schichten und mit völlig unterschiedlichen Beweggründen, die sich für ein vorübergehendes Leben als Unterstützer Israels entscheiden: Da gibt es die Ungarin, die bei der Familienforschung jüdische Vorfahren entdeckte und plötzlich eine starke Verbundenheit mit dem israelischen Volk verspürte, den schwedischen Ex-Soldaten, der unbedingt mal wieder Dienst tun wollte, und sehr viele Studierende aus den westlichen Demokratien. Das Engagement der internationalen Studentenschaft in Israel und den besetzten Gebieten hat Tradition - etliche Hochschüler arbeiten als Volontäre im Kibbuz, andere machen sich stark für die Palästinenser und deren Kampf für einen eigenen Staat.

Die Uniform gibt's direkt nach der Ankunft

"Sar-El" ist die wohl ungewöhnlichste Variante, um sich im Nahen Osten zu engagieren. Es ist ein weltweit einzigartiges militärisches Projekt, das 1982 unter dem Eindruck des Libanon-Kriegs ins Leben gerufen worden war. Damals waren viele Landwirte an der Front, und auf den Feldern drohte die Ernte zu vertrocknen. Das durfte nicht noch einmal passieren. "Sar-El" sollte freiwillige Helfer rekrutieren - als kleine Unterstützung für eine Armee, die kaum besser ausgestattet sein könnte: Nur wenige Länder der Welt verfügen über einen höheren Wehretat pro Kopf der Bevölkerung.

Zugleich fühlt sich Israel bedroht wie kein anderes Land der Welt und will daher nicht verzichten auf die Freiwilligen des "Sar-El"-Programms, die dabei helfen, den Soldaten den Rücken freizuhalten. Wer mitmacht bei "Sar-El", muss zwar keine Waffen tragen und kommt schon gar nicht bei Kriegshandlungen zum Einsatz. Eine Uniform bekommt er trotzdem, direkt nach der Ankunft. Und gemeinsam mit den echten Soldaten hat der Freiwillige um 7.05 Uhr pünktlich zum Fahnenappell zu erscheinen. Danach ist Arbeit angesagt.

Es gibt "Sar-El"-Teilnehmer, die Panzer putzen oder Stahlhelme mit Tarnflecken bemalen müssen, doch auf der Basis, auf der Jan stationiert ist, geht es weniger militärisch zu. Jan und seine Freizeitkameraden müssen vor allem Schrauben sortieren, Autoreifen in Regale räumen, Mülleimer leeren.

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mavoe 05.05.2010
1. Tzahal
Zitat von sysopSie malen Stahlhelme an, sortieren Schrauben, schrubben Panzer - höchst sonderbare Ferien für Zivilisten. Als einzige Armee der Welt unterhalten Israels Streitkräfte ein Freiwilligenprogramm. Besonders Studenten lassen sich für den Dienst in der Kaserne begeistern: ein Soldatenleben ohne Waffen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,690836,00.html
Ich hatte mit denen auch schon Bekanntschaft gemacht. Damals in Hebron, 1986. In Jerusalem war Shabbat, also beschlossen meine damalige Partnerin und ich einen Tagesausflug nach Hebron zu machen, zur Grabesstätte der Patriarchen. Gleich nach Ankunft wurden wir von Tzahal verhaftet. "Zu unserer Sicherheit". Kurz vor unserer Ankunft ging dort im Marktviertel eine Bombe hoch. Die Soldaten durchkämmten die Stadt nach Terroristen und hatten alle Verdächtigen auf erstmal auf eine Wiese gebracht. Dann ging plötzlich eine Schießerei los. Rübe runter, das hatte ich ein Jahr zuvor bei der Bundeswehr gelernt. Und am Abend war alles vorbei, nur fuhr da dann kein Bus mehr zurück nach Jerusalem. Das sagte ich auch den Soldaten und die versicherten uns, dass das unser Problem sei. Wir versuchten es dann per Anhalter. Das einzige Fahrzeug, das anhielt, nach ca. 2 Std., war ein R4 mit Hamburger Kennzeichen. lol. Nur fuhr der in die andere Richtung nach Beerscheva. Der Fahrer war ein israelischer Student in HH und war auf Besuchsfahrt zu seinen Eltern. Wir fuhren also mit und bekamen bei der Familie dann auch Obdach für die Nacht. Und am nächsten Tag, Sonntags also, ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Jerusalem.
sukowsky, 05.05.2010
2. Der Staat Israel ist umlauert von gierigen Wölfen
der Staat Israel ist umlauert von gierigen Wölfen und da macht es Sinn immer auf der Hut zu sein. Allerdings sollten sich die Israelis fragen lohnt es sich ein Leben lang in Angst zu leben. Schauen wir in die Natur, die Sonne wärmt alle Menschen und macht kein Unterschied zwischen Religionen. Es ist doch alles nur Windhauch, wie es im Prediger steht. Es ist auch im Talmud zu finden. Die Wahrheit so nah und doch unerreichbar? So wunderbar können menschliche geistige Vorstellungen sein -doch fallen wir nicht in die Löcher der Fata Morgana ihrer trügerischen Reflexionen.
vantast 05.05.2010
3. Umlauert von gierigen Wölfen?
Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden, viele Palästinenser sind aus ihrer Heimat/ihren Wohnungen vertrieben worden, man gräbt ihnen sogar das Wasser ab, kurz: sie zerstören die Lebensgrundlagen der Palästinenser. Wollen Sie immer auf Seiten der Sieger sein? Israel ist als hochgerüsteter Militärstaat nicht mit ein paar Raketen/Bomben zu besiegen, wozu dann das ganze Gedöns? Es sind die Palästinenser, die zu bedauern sind.
mavoe 05.05.2010
4. Ja Genau!
Zitat von vantastIsrael ist mit und durch Terror geschaffen worden, viele Palästinenser sind aus ihrer Heimat/ihren Wohnungen vertrieben worden, man gräbt ihnen sogar das Wasser ab, kurz: sie zerstören die Lebensgrundlagen der Palästinenser. Wollen Sie immer auf Seiten der Sieger sein? Israel ist als hochgerüsteter Militärstaat nicht mit ein paar Raketen/Bomben zu besiegen, wozu dann das ganze Gedöns? Es sind die Palästinenser, die zu bedauern sind.
Ja, Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden. Da haben Sie Recht. Nur hat dieser Terror ganzwoanders stattgefunden. Hauptsächlich in Polen, und raten Sie mal von wem? Stichworte: Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Majdanek,... Und später gabs dann mal Leute wie Nasser, Assad, Saddam,... Das waren natürlich keine Wölfe, Ihrer Ansicht nach. mfg
Chatten_ODW 05.05.2010
5. Vergessen Sie es
Zitat von mavoeJa, Israel ist mit und durch Terror geschaffen worden. Da haben Sie Recht. Nur hat dieser Terror ganzwoanders stattgefunden. Hauptsächlich in Polen, und raten Sie mal von wem? Stichworte: Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Majdanek,... Und später gabs dann mal Leute wie Nasser, Assad, Saddam,... Das waren natürlich keine Wölfe, Ihrer Ansicht nach. mfg
Vergessen Sie es, es gibt allem anschein noch genügend Menschen in D denen es lieber gewesen wäre der Depp aus Braunau hätte zumindest eine seiner Missions abschließen können. Sowas muß man als Demokrat aushalten aber trotzdem aufmerksam bleiben, der Schoß ist fruchtbar noch aus dem es kroch, oder so ähnlich.
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