Verfassungsgericht Uni darf Forscher Doktortitel zur Strafe wegnehmen

Auch wenn die Doktorarbeit sauber ist, darf der Titel zur Strafe entzogen werden: Weil er in seiner späteren Laufbahn massiv Daten gefälscht hatte, verlor ein ehemaliger Star-Physiker seinen akademischen Grad - zu Recht, befand jetzt das Verfassungsgericht.

Physiker Jan Hendrik Schön mit Kollegin (Archivfoto von 2001): Spektakuläre Fälschungen
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Physiker Jan Hendrik Schön mit Kollegin (Archivfoto von 2001): Spektakuläre Fälschungen


Wer Forschungsdaten fälscht, der ist der Forschung nicht würdig: Manipuliert ein Wissenschaftler im Laufe seiner Karriere seine Ergebnisse, kann ihm der vorher rechtmäßig erworbene Doktortitel wegen "unwürdigen" Verhaltens aberkannt werden. Das befand das Bundesverfassungsgericht und wies eine Verfassungsbeschwerde des Physikers Jan Hendrik Schön zurück.

Der einstige Star-Physiker hatte sich gegen den Verlust seines Doktortitel gewehrt. Bereits 2004 hatte ihm die Universität Konstanz den Titel entzogen, nachdem herauskam, dass Schön in mehr als zwei Dutzend seiner Aufsätze zu angeblich bahnbrechenden Experimenten Daten manipuliert hatte. Nun hat die höchste richterliche Instanz in Deutschland den seit Jahren andauernden Rechtsstreit beendet.

Die Verfassungsrichter bestätigten damit ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Demnach erweist sich der Inhaber eines akademischen Titels dann als unwürdig, wenn er "den mit der Verleihung begründeten Vertrauensvorschuss im Hinblick auf ein wissenschaftskonformes Arbeiten durch gravierende Verstöße gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis enttäuscht hat". Zu gravierenden Verstößen gehören demzufolge vor allem das "Erfinden, Fälschen oder Manipulieren von Forschungsergebnissen".

Das Verfassungsgericht in Karlsruhe stellte mit dem Beschluss klar, dass sich der ansonsten schwammige Begriff der "Unwürdigkeit" auf "wissenschaftsbezogene Verfehlungen" beziehen muss.

Schön, Jahrgang 1970, war im Januar 1998 von der baden-württembergischen Universität Konstanz zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert worden. Später arbeitete er bei den Bell-Labors in den USA. Die Bell Laboratories, kurz auch Bell Labs genannt, betreiben weltweit Forschungsstellen. Wegen seiner spektakulären Ergebnisse wurde Schön bereits als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt und sollte Direktor bei der renommierten Max-Planck-Gesellschaft werden.

Doch dann enthüllte Bell im Jahr 2002 ebenso spektakuläre Fälschungen: In 25 Ausarbeitungen aus den Jahren 1998 bis 2002 habe der Physik-Star die Originaldaten der beschriebenen Experimente nicht systematisch archiviert sowie mehrfach Daten manipuliert und falsch dargestellt. Bell beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Schön.

Im Juni 2004 entzog die Universität Konstanz ihm den von ihr verliehenen Doktorgrad. Sie stützte sich dabei auf eine Vorschrift des baden-württembergischen Hochschulrechts, nach der ein Hochschulgrad entzogen werden kann, wenn sich der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung des Grades als unwürdig erwiesen hat. Hierzu führte die Universität Schöns Fehlverhalten als Forscher in den USA an.

Zu recht - wie jetzt nach mehreren Instanzen das Bundesverfassungsgericht befand.

Az: 1 BvR 3353/12

lgr/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
ambulans 01.10.2014
1. gut so!
"wissenschaftsbetrug" ist - und bleibt - nichts anderes als jeder andere, "gewöhnliche" feld-, wald- und wiesen-betrug: täuschungsabsicht, "fremd"-schaden", usw. sind hier ja zweifelsfrei gegeben. also: konsequent bestrafen!! allzu viele anständige wurden nämlich durch derartige machenschaften bereits schon massiv in ihrer lebensplanung behindert ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)
kuchenjohnny 01.10.2014
2. Schlecht so!
Ein Doktortitel wird einmal vergeben und ist durch das Erbringen der zugrundeliegenden Leistung einer Doktorarbeit ausreichend legitimiert. Läßt man zu, daß dieser Titel zu einem späteren Zeitpunkt, etwa wegen einer politisch unbequemen Haltung, aberkannt wird, ist der Korrumpierung ganzer Wissenschaftbereiche Tür und Tor geöffnet.
supergrobi123 01.10.2014
3. Lol
Es gibt also eine Vorschrift des Hochschulrechts, "nach der ein Hochschulgrad entzogen werden kann, wenn sich der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung des Grades als unwürdig erwiesen hat." Das ist doch eindeutig formuliert. Und Forschungsergebnisse zu fälschen, ist doch wohl ein für jeden ersichtliches unwürdiges Verhalten eines Wissenschaftlers! Mit sowas geht man bis vor's Verfassungsgericht? Ich fasse es nicht. (das reimt sich sogar)
buzug 01.10.2014
4. Die Verfahrenslänge
... ist mit 10 Jahren einfach zu lang. Der Sachverhalt war nun nicht so kompliziert, auch wenn er durch alle Instanzen geprügelt wurde. Was wäre gewesen, wenn der Kläger gewonnen hätte? 10 Jahre im Berufsleben sind eine sehr lange Zeit und Rechtssicherheit lässt sich so nicht erreichen.
ambulans 01.10.2014
5. >kuchenjohnny (nr. 2, oben),
nix is hier mit "gut" - wer sowas macht, schädigt andere bewusst (ob grob fahrlässig oder vorsätzlich, entscheiden eh die gerichte). was bleibt, ist - vor allem -ein außerordentlich schäbiger "betrug" (sic!) an - resp. ggü. - allen anderen, die diesen, ihren "job" unter aufbieten ihre gesamten fähigkeiten und kräften absolvieren, um das gewünschte ergebnis für sich selbst zu erarbeiten und zu erreichen. wer da beliebigkeit einziehen lassen will, vergreift sich immens(!) an allen anderen - und vor allem allen ehrlichen(!) - wissenschaftlern ...
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