Jobsuche im Ausland Neues Berufsglück im Exil

Der schwierige Arbeitsmarkt treibt immer mehr Bundesbürger ins Ausland. Dort erhoffen sie sich bessere Chancen oder eine höhere Entlohnung - mit jeder Absage in Deutschland ein bisschen mehr. Beliebte Zielländer: die Schweiz, Skandinavien, Kanada und die USA.


Silvio Uhlig ist nach 20 erfolglosen Bewerbungen frustriert. Der gelernte Maler- und Lackierermeister will jetzt seine Chancen außerhalb Deutschlands ausloten. "Ich will nicht nur den deutschen Arbeitsmarkt kennen lernen, man muss auch mal über den Tellerrand schauen", sagt der 26-Jährige. Obwohl er sich in Deutschland wohl fühle, könne er sich ein Jahr Schweiz vorstellen.

Neue deutsche Welle: Ab ins Ausland
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Diplom-Sozialpädagogin Pia Schmidt* war dagegen mit ihrem Mann schon oft in den USA, aber auch Frankreich, Skandinavien oder Kanada schweben ihr vor, um langfristig auszuwandern. Für ihren Einser-Abschluss wolle sie einfach eine entsprechende Vergütung. In Deutschland könne sie sich nicht selbst verwirklichen.So wie die beiden denken angesichts der schlechten Arbeitsmarktlage immer mehr Arbeitssuchende. Die "kollektive Depression" führt dazu, dass die Zahl derer, die ihren Mut zusammennehmen und aus Deutschland auswandern, zunimmt, sagt Migrationsforscher Klaus J. Bade.150.667 Bundesbürger packten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2004 ihre Koffer und suchten ihr Glück außerhalb Deutschlands. Im Vergleich zu 1991 stieg die Zahl der Fortgezogenen um rund 52.000. Damit sei 2004 das stärkste Auswanderungsjahr seit der Wiedervereinigung gewesen, erklärt Bade. Dieser Anstieg hält auch weiterhin an. Allein im ersten Halbjahr 2005 kehrten 65.500 Menschen Deutschland den Rücken.Furcht um die HochqualifiziertenAuf der Suche nach Jobs und angenehmeren Lebensbedingungen werden vor allem die USA (13.000 Fortgezogene), die Schweiz (12.800) und Polen (9700) als Zielland bevorzugt. Von den USA-Auswanderern fallen mehr als die Hälfte in die Altersgruppe der 25- bis 50-Jährigen. Rund 43.000 Deutsche dieser Altersgruppe wanderten ins europäische Ausland aus.
Überblick: Die Job-Nomaden
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Grundsätzlich halte er Abwanderung für gut, solange die Aufenthalte nur zeitweise seien und die Menschen mit neuen Erfahrungen zurückkehrten, sagt Migrationsforscher Bade. Schlecht sei es, wenn die Hochqualifizierten auf Dauer fehlten und keine Experten im Gegenzug kamen.Experten sprechen dann vom "Brain Drain". Allein in die USA wanderten jährlich 6000 Hochqualifizierte aus. "Aus Angst, vom renommierten Professor zum 'Hartz IV'-Empfänger abzurutschen, retten sich habilitierte Dozenten ins Ausland", sagt Bade.Nach Einschätzung von Claudia Diehl vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung lastet auch auf vielen Absolventen der Druck, Auslandserfahrungen aufweisen zu können. "Aber wer einmal die Luft der Ferne schnuppert, für den ist das Risiko groß, auch permanent im Ausland zu bleiben", sagt sie. * Name von der Redaktion geändert Jeanette Tandel, ddp

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