Beliebte Berufe Studenten sehnen sich nach sicherem Staatsdienst

Sich in der freien Wirtschaft durchbeißen - diese Vorstellung jagt vielen Studenten offenbar Angst ein. Eine nicht repräsentative Studie zeigt: Sie wollen Sicherheit, jeder Dritte wünscht sich den Staat als Arbeitgeber.

Karriere im Anzug und immer auf Achse? Nein, danke
dpa

Karriere im Anzug und immer auf Achse? Nein, danke


Hauptsache, der Job ist sicher: Weil sie sich vor allem nach Beständigkeit sehnen, wollen viele Studenten ausschließlich einen Job im Öffentlichen Dienst antreten. 47 Prozent wünschen sich einen Job in einem Privatunternehmen oder in der freien Wirtschaft; 32 Prozent favorisieren einen staatlichen oder öffentlichen Arbeitgeber; die restlichen 21 Prozent können sich beides vorstellen.

Für drei von zehn Studenten (30 Prozent) ist der Öffentliche Dienst "attraktiv für ihre beruflichen Pläne" - und stellt damit die beliebteste Branche dar, vor Wissenschaft (19 Prozent) und Kultureinrichtungen (17 Prozent). Dahinter folgten das Gesundheitswesen und die Autoindustrie. Eher unbeliebt sind Jobs bei Banken und Versicherungen. Sogar unter Studenten der Wirtschaftswissenschaften ist der Finanzbereich abgeschlagen.

Das ergab eine nicht repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der Unternehmensberatung Ernst & Young, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für die Umfrage wurden rund 4300 Studenten nach ihren Berufszielen befragt, die meisten von ihnen waren zwischen 20 und 26 Jahre alt. Etwa die Hälfte befand sich in einem Bachelor-Studiengang, ein knappes Drittel bereitete sich auf den Master vor, knapp 20 Prozent studierten auf ein Staatsexamen oder Diplom hin.

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Am wichtigsten war den Studenten die Jobsicherheit - 61 Prozent nannten dies als entscheidendes Kriterium für die Berufswahl. Für 59 Prozent ist das Gehalt wichtig, 57 Prozent möchten eine Familie mit dem Job vereinbaren. Flache Hierarchien oder Kollegialität waren nur jedem fünften Befragten wichtig.

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Unter Frauen ist der Öffentliche Dienst sogar noch beliebter als bei ihren männlichen Kommilitonen. 36 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer möchten gern für den Staat arbeiten. "Manche Studenten haben offensichtlich eine gewisse Scheu vor der freien Wirtschaft - sie stellen sich einen Job in der Privatwirtschaft wohl als extrem zeitaufwendig, unsicher und mit privaten Belangen schwer vereinbar vor", sagt Ana-Cristina Grohnert, Managerin bei Ernst & Young.

Auch wenn die Bankenbranche unbeliebt ist - wer hier anfängt, kann zunächst mit dem höchsten Gehalt rechnen. Zum Berufseinstieg erwarten die Studenten dort 42.700 Euro im Jahr. Trotz des überdurchschnittlichen Gehaltsniveaus seien Banken derzeit aber nur für wenige Studenten attraktiv, erklärte Studienleiterin Grohnert. Das zeige, dass die Branche den Imageverlust aus der Finanzkrise noch nicht überwunden habe. Zudem sei es ein Beleg dafür, "dass ein hohes Gehalt für die Studenten nur ein Faktor unter vielen ist".

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    Frauen bleiben beim Wettlauf um Professorenposten oft auf der Strecke. Biophysik-Professorin Petra Schwille empfiehlt deshalb: erst Karriere und dann Kinder machen. Die Anthropologinnen Victoria Hegner und Anna-Carolina Vogel widersprechen: Wer solche Ratschläge gibt, passt sich an. mehr...

cpa/AFP/dpa



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isolde_trinken 02.07.2014
1. Selbständigkeit?
wurde nicht abgefragt oder ist so unbeliebt, dass nicht erwähnenswert?
aboutanja 02.07.2014
2.
Selbst studiert und nach Jahren der privatwirtschaft im öffentlichen Dienst angekommen, leider wie viele andere erstmal befristet. ich kann es verstehen. ein Arbeitgeber der tariflich gebunden ist und pünktlich lohn zahlt- wer will das nicht? es gibt einen ganz simplen Grund dafür dass Frauen es mehr bevorzugen: kinder. es ist einfach die Tatsache keine angst um den job haben zu müssen, wenn man im öffentlichen Dienst unbefristet beschäftigt ist. wenn ich daran denke wie häufig Elternzeitvertretungen länger bleiben als zur Vertretung und man somit angst um seinen job haben muss, obwohl man sich lieber über Nachwuchs freuen möchte, dann liegt es doch auf der Hand warum besonders weibliche Studenten dies bevorzugen würden... aus eigener Erfahrung als Vertretung weiß ich wovon ich rede...
eudaf_hen 02.07.2014
3.
.....ganz im Stil der Zeit. Nichts leisten wollen, aber bequem abkassieren. Und die Doc-Arbeiten kennen wir inzwischen!
Meckerliese 02.07.2014
4. ist mir klar
Wenn ich sehe wie manche Staatsbedienste arbeiten ist mir das klar. Bloss kein Stress. In der freien Wirtschaft würde man sich auf die Hinterfüsse stellen müssen um was zu erreichen. Faulheit würde die Kündigung nach sich ziehen. Freitags wird in manchen Ämtern ab 11.00 h nicht mehr gearbeitet. Wo gibts das in der freien Wirtschaft? War 2002 kurz arbeitslos. Morgens im Arbeitsamt auf 9.00 h bestellt. pünktlich da gewesen. Es liefen ständig Leute über den Flur mit Kaffeetassen und Thermoskannen. Um 10.00 h hab ich mal nachgefragt wann mein Termin stattfindet. Noch ein bisschen warten hiess es. Das finde ich eine Frechheit. Es wurde erst mal gefrühstückt. Aufgerufen wurde ich dann 10.30 h. Soviel zur Arbeitsmoral.
hemilas 02.07.2014
5. "NICHT" Repräsentativ
Unabhängig davon, dass ich als Student den Eindruck teile, wenn ich mir mein Umfeld anschaue, ergibt sich für mich kein Grund, aus dieser Studie eine eine Nachricht zu machen. Denn, der wichtige Hinweis "NICHT Repräsentativ" sagt alles, was wichtig ist: Man kann die gemachten Erkenntnisse der Stichprobe nicht auf die Gesamtgröße projizieren. Es gibt keinen Nachrichten- weil keinen Erkenntniswert.
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