Journalistenschulen Alles so schön bunt hier

Die Axel Springer Akademie und die RTL Journalistenschule gehören zu großen Medienkonzernen, bieten beide eine hochmoderne Ausbildung und sieben die Bewerber im Schleudergang aus. In Berlin lautet die Frage: Darf's ein bisschen Boulevard sein? Und in Köln: Komme ich jetzt ins Fernsehen?

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Axel Springer Akademie: Bitte eintreten, aber nur, wer nicht fremdelt
Axel Springer Akademie

Axel Springer Akademie: Bitte eintreten, aber nur, wer nicht fremdelt

Von der einen Schule führt der Weg vor allem in den Print-Journalismus, von der anderen ins TV-Geschäft. Sonst haben die beiden Journalistenschulen einiges gemeinsam - zum Beispiel, dass sie fest an große Medienunternehmen gebunden sind.

Bei der Berliner Axel Springer Akademie ist es der Springer-Verlag mit dem Kerngeschäft Tageszeitungen und Zeitschriften. Dazu gehören vor allem die Flaggschiffe "Bild" und "Welt" inklusive Sonntagszeitungen und Ablegern, dazu Regionalzeitungen wie "Hamburger Abendblatt", "B.Z." und "Berliner Morgenpost", obendrein etliche Zeitschriften von "Hörzu" bis "Rolling Stone".

Die RTL Journalistenschule in Köln liefert dem Muttersender frische, junge, hungrige Journalisten. In Deutschland ging RTL 1984 im Fernsehen auf Sendung, setzte sich nach einigen Jahren durch und ist heute das erfolgreichste private Vollprogramm - mit einem TV-Gemischtwarenladen von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bis "Wer wird Millionär?", von "Bauer sucht Frau" bis zum "Dschungelcamp", aber auch mit Informationssendungen wie "Nachtjournal" oder "SPIEGEL TV Magazin".

Die Unternehmen wollen die Schüler halten

Dass die Journalistenschulen direkt zu Medienimperien gehören, hat Vor- wie Nachteile. Klarer Pluspunkt: Nach der Ausbildung sind die Übernahmechancen bei beiden Schulen sehr gut. Die Konzerne investieren in die Schüler und haben ein Interesse daran, die gut ausgebildeten Absolventen auch zu halten. Zudem bekommen die Schüler beider Schulen ein Gehalt, das zwar unter dem Tariflohn von Volontären liegt, aber im Vergleich zu anderen Journalistenschulen komfortabel ist.

Wissens- und Bildertest
DDP
Durch 18 Fragen und 10 Bilder mussten sich die Kandidaten der Axel Springer Akademie im Herbst 2009 rätseln, um Einlass zu finden. Hätten Sie es in die Ausbildung für junge Journalisten geschafft? Finden Sie es heraus - im Wissens-: und Bildertest. mehr...

Allerdings: Die Journalistenschüler bleiben in der Regel im Haus, können daher nur begrenzt Kontakte zu anderen Medienunternehmen knüpfen. Praktika in Redaktionen außerhalb des Konzerns sind bei Springer gar nicht vorgesehen. Bei RTL ist das anders, dort sind es immerhin maximal viereinhalb Monate.

Beide Schulen haben Kooperationen mit der renommierten Columbia Universität in New York geschlossen. Die Schüler bekommen Flug, Unterkunft und einen Intensivkurs bezahlt, der von den amerikanischen Dozenten geleitet wird. Bei der Axel Springer Akademie steht in New York investigativer Journalismus auf dem Stundenplan, bei der RTL Journalistenschule Broadcast Journalism.

Springer: Darf's ein bisschen Boulevard sein?

Die Antwort: Es darf nicht nur, es muss. Die "Bild"-Zeitung ist neben der "Welt" das Zentralorgan des Verlags. Daran kommt kein Journalistenschüler vorbei. Wer aus medienethischen oder politischen Gründen Abstand halten möchte, sollte sich nicht bei Springer bewerben. Alle anderen sind willkommen - und bekommen ein Programm, das in der Branche durchaus einen guten Ruf genießt und das die Akademie selbst gern als "modernste Journalistenschule Deutschlands" bezeichnet.

Ein Argument dafür ist die konsequente Multimedia-Ausrichtung. Die Journalistenschüler absolvieren zum Beispiel allesamt im zweiten Jahr einen Online-Praxisblock bei "Bild.de", zudem erhalten sie reichlich Gelegenheit zu Experimenten mit Videos oder Podcasts, die sie auch zu schneiden lernen. Zu den weiteren Besonderheiten zählt die halbjährige Phase bei "Welt Kompakt". Bei der kleinen Schwester der "Welt" schmeißen die Schüler fast die ganze Redaktion, stemmen sich gegen die News-Flut, üben sich im Recherchieren und Schreiben unter Zeitdruck. Das verschafft Routine und stählt die Nerven.

40 neue Journalistenschüler pro Jahr kommen in zwei Gruppen zum Zug - aber rund 1200 Interessenten melden sich. Auch Springer setzt auf ein mehrstufiges Talente-Casting. Erst reichen die Kandidaten eine Reportage über ein Thema nach eigener Wahl ein, dazu Zeugnisse und Arbeitsproben. Die Bewerbung erfolgt online - und wer bei der nächsten Runde noch dabei sein will, muss sich sputen: Die Frist endet am 16. Juni exakt um 23.59 Uhr und 59 Sekunden.

Im Spätsommer folgt für die besten 200 Bewerber ein Schreib- und Wissenstest in Berlin, für 80 Finalisten dann im Herbst das Vorstellungsgespräch. Der Wissens- und Bildertest ist mit den Aufnahmeprüfungen anderer Schulen verwandt, mit einem etwas höheren Anteil an "bunten" Fragen aus der Welt der Promis und des Sports. Er ist so gestaltet, dass sehr gute Bewerber den Parcours tatsächlich bewältigen können und 70 bis 90 Prozent der Punkte erreichen - ähnlich wie der Test an der Deutschen Journalistenschule in München, aber anders als an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Dort gilt eher die Devise: Kein Bewerber kann alle Nüsse knacken.

RTL: Komme ich jetzt ins Fernsehen?

Die Antwort: Na klar - aber nicht unbedingt vor die Kamera. Im TV-Geschäft gibt es viele interessante Jobs, Moderation ist nur ein kleiner Teil davon. Wie bei Springer starten auch die RTL-Schüler mit einem Basiskurs. Drei Monate lang lernen sie journalistisches Handwerk und die Grundzüge der Fernseh- und Multimedia-Technik.

Danach schwärmen sie bundesweit in die angeschlossenen Funkhäuser aus und absolvieren Praktika zwischen sechs Wochen und drei Monaten, ob in den Regionalprogrammen, in Nachrichten- oder Magazinredaktionen. Hinzu kommen zum Beispiel ein Online-Intensivkurs und der zweiwöchige gemeinsame Ausritt in die USA; weitere gemeinsame Kurse sind eingestreut. Die letzten viereinhalb Monate der insgesamt zweijährigen Ausbildung verbringen die Schüler in Wahlstationen, auch außerhalb des RTL-Universums.

Und wie kommt man rein? Ganz so wie an den meisten Journalistenschulen: online bewerben und eine Reportage einreichen, im letzten Auswahlverfahren etwa zu Themen wie "Gewalt in den Städten", "Fankultur im deutschen Fußball" oder "Aus der Netzwelt in die reale Welt". 100 Kandidaten erhalten die Einladung zu den Auswahltagen. Und schon lauert wieder das beliebte Trivial-Pursuit-Spiel zur Allgemeinbildung - ein Wissens- und Bildertest querfeldein durch Politik, Wirtschaft und Kultur, durch Wissenschaft und Sport. Zudem müssen die Finalisten in Köln recherchieren und eine Reportage dichten, einen TV-Beitrag bearbeiten und die Auswahlkommission im Gespräch überzeugen.

  • Wie es ist und was es bringt - Lucas Wiegelmann berichtet aus dem Hause Springer, Jan Meier und Lena Wendte erzählen über ihre RTL-Ausbildung



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Mag.Prodinger 14.06.2010
1. Journalistenschulen nicht sehr sinnvoll
Journalistenschulen halte ich nicht für sehr sinnvoll. Das Talent zum Schreiben hat man, oder hat man nicht. Das journalistische Know How kann man sich durch Praktika oder Workshops aneignen.
Strai 14.06.2010
2. Rechtschreibung
Zitat von sysopDie Axel Springer Akademie und die RTL Journalistenschule gehören zu großen Medienkonzernen, bieten beide eine hochmoderne Ausbildung und sieben die Bewerber im Schleudergang aus. In Berlin lautet die Frage: Darf's ein bisschen Boulevard sein? Und in Köln: Komme ich jetzt ins Fernsehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,685001,00.html
Muss es nicht "Axel Springer-Akademie" und "RTL-Journalistenschule" heißen? Oder wird das an selbigen inzwischen anders gelehrt? Später im Artikel heißt es dann auch mal "Axel-Springer-Akademie". Hauptsache alles so schön bunt hier.
boam2001, 14.06.2010
3. Billig, willig und noch formbar in seinen Ansichten !?
Ich kann nur hoffen, daß die Journalistenschülerinnen und -schüler sich nicht allzu sehr von dem internen Weltbild der jeweiligen Journalistenschulen beeinflussen lassen und sich eine eigene Meinung bilden. Wie heisst es doch: "Wess´Brot ich ess´, dess´Lied ich sing !"
lobo24 14.06.2010
4. Moderne Technik
Ich dachte der Springer Konzern arbeitet komplett auf Apple. Doch so modern... ;)
fendrikat 14.06.2010
5. Springer & RTL ?
Zitat von sysopDie Axel Springer Akademie und die RTL Journalistenschule gehören zu großen Medienkonzernen, bieten beide eine hochmoderne Ausbildung und sieben die Bewerber im Schleudergang aus. In Berlin lautet die Frage: Darf's ein bisschen Boulevard sein? Und in Köln: Komme ich jetzt ins Fernsehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,685001,00.html
Na Klasse, Springer & RTL sind ja auch gerade jene, von denen man Qualitaet, oder etwa vernuenftigen Journalismus, erwartet wuerde. Da fehlt nur noch die Morgenpost-Universitaet und das Gewinnspiel-Diplom, vielleicht noch aufgebessert duch den Oben-Ohne-Moderations-Studiengang....
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