Jura-Absolvent Großkanzlei stellte Examensschwindler ein

Als auf seine Bewerbungen nur Absagen kamen, frisierte ein Jurist seine Examensnoten - und wurde prompt von einer renommierten Kanzlei angeheuert. Nur konnte er den Job einfach nicht und flog auf. Das kostet ihn jetzt zehn Monate Bewährungsstrafe plus 75.000 Euro Gehaltsrückzahlung.


Düsseldorf - Eine internationale Anwaltskanzlei ist in Düsseldorf monatelang auf einen Examensschwindler hereingefallen. Der Jurist aus Rostock hatte seine Examensnote "ausreichend" nach vielen vergeblichen Bewerbungen auf ein "voll befriedigend" frisiert, was bei Juristen als Prädikatsexamen gilt. Und schon öffneten sich für den 32-Jährigen die Türen der renommierten Großkanzlei, ihm gelang der Berufseinstieg mit satten 100.000 Euro Jahressalär.

Allerdings fiel der Nachwuchsanwalt durch derart schlechte Arbeit und schlechtes Englisch auf, dass seine Chefs nach einigen Monaten argwöhnisch wurden. Ihre Nachfrage beim Prüfungsamt der Universität Rostock wurde mit einer Gegenfrage beantwortet: "Wären Sie bereit, in einem Strafverfahren als Zeuge auszusagen?" In der Kanzlei war man dazu bereit - und am Dienstag wurde der 32-Jährige vom Düsseldorfer Amtsgericht zu zehn Monaten Haft auf Bewährung wegen Betrugs verurteilt.

Inzwischen bewerbe er sich nur noch mit seinem echten Zeugnis, beteuerte der Angeklagte. Das Ergebnis ist allerdings entsprechend: Er lebt von Hartz IV. Per Aufhebungsvertrag hatte ihn die Großkanzlei noch verpflichtet, die in neun Monaten bezogenen 75.000 Euro Gehalt zurückzuzahlen.

jol/dpa

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