Karriere als Diplomat Glamouröses Leben voller Entbehrungen

Um die Welt jetten und in exotischen Ländern unter diplomatischer Immunität leben - das ist das Klischee vom Diplomatenjob. Doch der begehrte Beruf hat auch Schattenseiten. Und bis Absolventen überhaupt beim Auswärtigen Amt antreten dürfen, müssen sie durch ein knüppelhartes Auswahlverfahren.

Von Peter Ilg

DDP

Wenn sich Chinesen einen Deutschen vorstellen, sehen sie einen Ingenieur, der mit höchster Präzision perfekte Autos baut. Die Deutschen seien gute Techniker, aber auch ziemlich langweilig und angestaubt - so sehen sie das im Reich der Mitte, ergab eine Meinungsumfrage der Bundesregierung.

Dieses Klischee im Sinne Deutschlands gerade zu rücken oder zumindest zu ergänzen war bis zum Mai die Aufgabe von Conrad Häßler, 30. Als deutscher Diplomat warb er im Auftrag des Auswärtigen Amts drei Jahre lang für sein Heimatland - seine erste Station im diplomatischen Dienst und gleich eine richtig schwerer Job.

"Unsere Aufgabe war es, den Chinesen ein aktuelles Bild über Deutschland in seiner modernen Vielfalt zu vermitteln." Drei Jahre lebte und arbeitete Häßler in Peking, hatte selten einen Acht-Stunden-Arbeitstag und war viel unterwegs. Diplomat ist man jeden Tag und das rund um die Uhr, sagt er. Beruf und Privates gingen dabei fließend ineinander über. Familie und Partnerschaft mit dem Job in Einklang zu bringen, sei die größte Herausforderung für Menschen in diplomatischer Mission, findet Häßler.

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Anna Schulze steht noch am Anfang und bis zu ihrem ersten Arbeitseinsatz wird es noch dauern. Im vergangenen Jahr schaffte sie es auf Anhieb durch das Auswahlverfahren und im Mai startete ihre 14-monatige Ausbildung in der 65. "Crew", wie das AA seine Azubis nennt. Das Amt ist stolz auf seinen Nachwuchs und stellt die künftigen Mitarbeiter eigens auf einer Internetseite vor.

Berufsausbildung für ganz normale Leute aus der Bildungselite

"Ich hatte die Befürchtung, in einem elitären Kreis zu landen, doch alle Mitglieder aus der Gruppe sind ganz normale Leute." Alle zählten allerdings "zur Bildungselite", sagt Schulze. "Das kann man nicht abstreiten." Die Ausbildung sei verschulter als an der Universität, aber wer es durch eines der schwersten Auswahlverfahren Deutschlands geschafft hat, besteht auch die Abschlussprüfung, ist sie sicher.

Wenn Anna Schulze im nächsten Jahr fertig wird und ihre Koffer packt, wird ihr Freund verzichten müssen, sagt die Diplomatin in spe recht undiplomatisch - denn nicht in jedem Land bekommen die Partner eine Arbeitserlaubnis. "Er ist angehender Jurist und ob er seinen Beruf dann ausüben kann, wird sich zeigen. Was seine Karriere betrifft, muss er schon zurückstecken." Aber immerhin habe er die Chance, alle drei Jahre ein anderes Land kennenzulernen. Anna Schulze hat damit eins der Hauptprobleme im Diplomatendienst von vornherein ausgeräumt. Denn eine große Herausforderung ist es, das regelmäßige Umziehen mit dem Privatleben zu versöhnen. Schulzes Ziel ist die Entwicklungszusammenarbeit, in welchem Land ist ihr egal.

Jungdiplomat Häßler hatte sich schon in seinem Studium möglichst international aufgestellt: Er studierte Internationale Beziehungen und Europäische Politik in Dresden, Bordeaux und im schwedischen Lund. Praktika absolvierte er unter anderem bei der Tageszeitung "Die Welt", im Europaparlament in Brüssel und an der Deutschen Botschaft in Paris. Als Fulbright-Stipendiat ging er dann nach San Francisco und sattelte einen Master in International Relations drauf. Englisch, Französisch, Chinesisch und Schwedisch spricht er fließend.

Stets war sein Studium auf eine Anstellung im AA ausgerichtet, sagt der angehende Diplomat. "Ich habe mich schon früh für internationale Politik interessiert, daher die Studienwahl. Und ich wollte schon immer im Ausland arbeiten." Im Mai 2007 hat Häßler seine Ausbildung für den höheren Auswärtigen Dienst abgeschlossen.

"Am Ende kommen Generalisten heraus"

Wegen der Olympischen Spiele 2008 und der Expo in Shanghai 2010 reiste Häßler die meiste Zeit und lernte das Reich der Mitte in seiner ganzen Vielfalt kennen. Weil im Auswärtigen Dienst alle drei Jahre Aufgaben und Ort wechseln, ist Häßler nun zurück in der politischen Abteilung in Berlin und dort für europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik zuständig. Seinen Diplomatenpass hat er abgegeben, denn im Heimatland ist er Bundesbeamter.

"Am Ende kommen Generalisten heraus, die in jedem Land dieser Welt in den unterschiedlichsten Aufgaben einsetzbar sind", sagt Ausbildungsleiterin Sabine Stöhr. Sie selbst hat die Ausbildung ebenfalls absolviert, im Ausland und in mehreren Referaten gearbeitet. Seit diesem Jahr leitet sie die Ausbildung in Berlin-Tegel.

Die Tätigkeit von Diplomaten beschreibt sie als eine "häufig moderierende, für die man rasch erkennen muss, was die relevanten Fakten und bestimmenden Faktoren sind". Die Ausbildungsthemen sind deckungsgleich mit den vier Bereichen des großen Wissenstests, der vor der Ausbildung im Auswahlverfahren absolviert werden muss.

Zudem lernen die Teilnehmer Reden schreiben, Rhetorik und Präsentation. Regelmäßig wird das Wissen in Klausuren abgefragt. Während der Ausbildung erhalten die Anwärter rund 1200 Euro brutto, das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 3600 Euro. Ein gutes Gehalt für Berufseinsteiger, trotzdem sagt Ausbildungsleiterin Stöhr: "Wegen des Geldes geht man sicher nicht zum Auswärtigen Amt." Sondern vermutlich eher, weil man es kann.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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R1181 29.09.2010
1. Colonial Service
Zuhause ein Würstchen, draußen ein Fürstchen... Wer die versnobte und arrogante Elite des Auswärtigen Amtes mal erlebt, wird unwillkürlich an das 19. Jahrhundert erinnert. Veränderung in den Köpfen seit Ende der Kaiserzeit? Fehlanzeige. Veränderung der sozialen Zusammensetzung seit Ende der Kaiserzeit? Fehlanzeige.
griselda1 29.09.2010
2. Weil man es kann?
Zitat von sysopUm die Welt jetten und in exotischen Ländern unter diplomatischer Immunität leben - das ist das Klischee vom Diplomatenjob. Doch der begehrte Beruf hat auch Schattenseiten. Und bis Absolventen überhaupt beim*Auswärtigen Amt antreten dürfen, müssen sie durch ein knüppelhartes Auswahlverfahren. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,717691,00.html
Ich glaube Frau Stöhr diesen Kommentar hätten Sie sich verkneifen sollen. Das können habe ich bei den Deutschen eher weniger gesehen aber sehr viele andere negative Eigenschaften. Und da wir gerade dabei sind: vielleicht erklären Sie mir mal wieso Reisepässe in Deutschland einfach so eingezogen werden? Und vielleicht erklären Sie mir mal wieso mehrfaches Nachfragen nach dem Verbleib des Reisepasses nicht beantwortet wurden ist?
serdna 29.09.2010
3. Wer hat den das wieder geschrieben ?
Also bei dem Quark hab ich es jetzt nur bis zum ersten Drittel geschafft. Diplomaten sind also "Bildungselite", haben einen der "schwersten" Ausbildunggänge durchlaufen? Hat derjenige, der das verfasst hat eigentlich eine Ahnung, wie hoch die Durchfallquoten in Informatik, Maschinenbau etc. sind? Und da wird erstmal das Geld verdient, mit dem die dann alimentiert werden. Und die vermitteln dann ein realitisches Bild Deutschlands im Ausland? Ich dachte immer dafür seien Goethe Institut, Deutsche Welle, Institut für Auslandsbeziehungen, DAAD zuständig, immerhin kostet das den deutschen Steuerzähler 500 Millionen Euro pro Jahr. Damit müssen also noch ein paar Milchbubis und Milchmädchen dasselbe machen, nochmal ein paar Milliönchen? Dass das Goethe Institut ein Trümmerhaufen ist, ist ja richtig siehe http://www.spanisch-lehrbuch.de/helfen/goethe.htm aber ob die Jungs und Mädels von der Botschaft "das Außenbild Deutschlands" prägen, das muss mal jemand im Internetzeitalter erstmal beweisen. Und was konkret sind denn die ach so schwierigen Inhalte der "Ausbildung"?? Sprachen könnte man sich vorstellen, wieviel haben die denn im Durchschnitt auf der Pfanne ?
casfgakg 29.09.2010
4. serdna
Nicht im Ernst, oder? Natürlich sind die Diplomaten dafür zuständig, Deutschland politisch im Ausland zu repräsentieren. Nicht das Goethe Institut oder sonst wer... Schon erschreckend, dass es Leute gibt, die so etwas schreiben.
thapa2, 29.09.2010
5. Von Fürsten und Sklaven
Ich hab mal ne Konsulin kennengelernt, die wie eine Fürstin gewohnt habt, mit persönlichen "Sklaven" etc. Im Vergleich zu Konsul-Einkommen war das Einkommen ihrer Hausangestellten ein Hungerlohn. De facto sind die meisten Botschaftsangestellten bessere Sachbearbeiter mit Fremdsprachenkenntnissen. Es ist eine Unverschämtheit deutschen Steuerzahlern gegenüber, dass man moderne Sklavenhaltung mit soviel Geld und Privilegien unterstützt.
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