Lehrergeständnisse Eltern, warum vertraut ihr uns nicht?

Was würden Lehrer ändern, wenn sie einen Wunsch frei hätten? Jan-Martin Klinge, 32, wünscht sich vor allem eins: Eltern sollten ihm und seinen Kollegen endlich wieder mehr vertrauen.

Elternalarm: Viele Mütter und Väter kreisen viel zu sehr um ihre Kinder
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Elternalarm: Viele Mütter und Väter kreisen viel zu sehr um ihre Kinder


Zur Person
Ein Rabauke aus meiner Klasse musste neulich nach dem Unterricht den Klassenraum fegen. Er hatte maßgeblich zur Unordnung beigetragen. Er verpasste deswegen seinen Bus und kam eine Stunde später nach Hause. Am gleichen Tag hatte ich seine Mutter am Telefon.

Es gibt eine Comic-Zeichnung, die zweimal die gleiche Szenerie zeigt: Eltern bekommen das Zeugnis ihres Kindes in die Hand gedrückt. Links im Bild, im Jahr 1969, verlangen sie schimpfend vom Kind eine Erklärung; rechts im Bild, im Jahr 2009, fauchen sie den Lehrer an.

In den allermeisten Schulen ist das Alltag: Eltern mischen sich in das Schulleben ihrer Kinder ein. Das ist erst mal gut so. Denn es beweist, dass sie informiert werden wollen und um die Rechte ihrer Kinder wissen.

Aber die Eltern interessieren sich weniger für Kunst oder Englisch oder Mathematik - sondern nur für die Noten. Stimmen die nicht, wird immer häufiger der Schulleiter direkt aufgesucht. Oder das Schulamt. Oder das Kultusministerium. Gern auch mit Anwalt.

Und jetzt kommen Sie
  • Corbis

    Das Thema der nächsten Folge: mein größtes Erfolgserlebnis in der Schule.

  • Sie sind Lehrer und möchten zu dem Thema auch gestehen? Dann schicken Sie Ihre kurze Geschichte gern an:

  • Lehrer@spiegel.de
Schule verkommt stellenweise zur Dienstleistung: Wir Lehrer werden zu Lieferanten guter Noten - und wehe, die Lieferung entspricht nicht den Erwartungen!

Leider potenzieren sich die Probleme mit der Zeit: Die Kinder lernen, dass "Papa mich schon raushaut" und wissen nicht um die Konsequenzen ihres Handelns: In Bayern ging der Vater eines Achtklässlers gegen den zeitweiligen Unterrichtsausschluss vor, nachdem der Sohn in der Mädchentoilette die Mitschülerinnen fotografierte. Was lernt der Junge daraus?

Auch ich treffe oft genug blöde Entscheidungen. Auch mit mir sind die Eltern nicht immer zufrieden - aber die Schüler dürfen nie das Gefühl bekommen, sie könnten ihre Eltern gegen mich ausspielen.

Egal welche Ausstattung eine Schule hat, welche Probleme im Stadtteil herrschen, wie das Schülerklientel geprägt ist und ob die Lehrer offenen oder klassischen Unterricht machen - die Zusammenarbeit mit den Eltern ist die wichtigste Basis. Wo das nicht funktioniert, steht am Ende oft genug eine Katastrophe.

Was ich ändern würde?

Ich wünschte, die Eltern in Deutschland hätten wieder mehr Vertrauen in unsere Arbeit.

Die Mutter meines Rabauken hörte sich am Telefon den Sachverhalt übrigens an und sagte dann: "Herr Klinge, und wenn er sich wieder so benimmt, dann lassen Sie ihn wieder fegen!"

Alle bisher veröffentlichten Lehrergeständnisse finden Sie hier.

  • Corbis
    Sie schreiben dem Schulleiter, drohen mit der Schulbehörde, sie feilschen, flirten, klagen: Einige Eltern kämpfen so verbissen für ihren Nachwuchs, dass Pädagogen die Zeit für ihre eigentliche Arbeit fehlt. Vier Leidensgeschichten aus dem Lehrerzimmer. mehr...

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
Olaf 19.05.2014
1.
Zitat von sysopDPAWas würden Lehrer ändern, wenn Sie einen Wunsch frei hätten? Jan-Martin Klinge, 32, wünscht sich vor allem eins: Eltern sollten ihm und seinen Kollegen endlich wieder mehr vertrauen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrergestaendnisse-eltern-ueben-wegen-noten-starken-druck-aus-a-968494.html
Wann kommen eigentlich mal die Eltern zu Wort? Die haben sicherlich auch ein paar Döntjes zu Lehren und Schulen zu erzählen.
sitiwati 19.05.2014
2. ach Gott
wieder ein Gejammer, nun bin ich Elternspecher und Mitglied des EB Vorstandes, zum Schuljahreende bin ich fertig damit, alles nutzlos vergeutet Zeit, die HUnde ( Eltern) die Karawane ( Schule ) zieht weiter, Eltern zur Mitarbeit in den Schulen-klar zum Kuchenbacken und Wochenendarbeiten !
TomRohwer 19.05.2014
3.
Vertrauen kann man nicht "fordern", Vertrauen muß man sich verdienen. Wenn Lehrer das eines Tages begreifen, hätten sie schon einen ersten gewaltigen Schritt auf dem Weg dahin getan, daß Eltern (und Schüler) ihnen vertrauen. Und ganz am Rande angemerkt: es war schon vor 40 Jahren ein absoluter Mißstand, daß die Schule der letzte Hort des Absolutismus in Deutschland ist - der Lehrer ist bei Fehlverhalten von Schülern, Ermittler, Ankläger, Richter und Strafvollstrecker in einer Person. Berufung gegen seine - oft genug willkürlichen oder völlig falschen Entscheidungen - ist im Regelfall nicht möglich. Und Disziplinarmaßnahmen *vorher*, zu Beginn eines Schuljahres, mit den Schülern und ihren Eltern abzusprechen, so daß jeder weiß, was welche Folgen hat, ist auch nicht zu viel verlangt. Sondern im Jahr 2014 eine schlichte Selbstverständlichkeit.
karx11erx 19.05.2014
4. Vertrauen muss man sich verdienen!
Bei den Eltern schlagen Informationen darüber, wie Ihr Kind von den Lehrern gesehen wird, viel zu spät auf. Wieso bekommen nicht alle Eltern wenigstens einmal im Monat eine standardisierte Bewertung ihrer Kinder, sodass sie rechtzeitig erkennen können, ob ein Handlungsbedarf vorliegt - oder wenigstens dann, wenn ein Kind die Lehrer erkennen lässt, dass die Eltern mit einbezogen werden müssen? Ihr Lehrer seid die Profis, ihr werdet für Eure Arbeit bezahlt, und dazu gehören auch das Monitoring und das rechtzeitige Alarm schlagen, wenn ein Kind auffällige Schwächen zeigt. Wenn die Eltern dann nicht oder inadäquat reagieren, wäre das deren Sache, und Ihr wärt aus dem Schneider. Ihr wollt Vertrauen? Verdient es Euch!
nadennmallos 19.05.2014
5. Nicht zu unrecht, wie ich meine!
Zitat von sysopDPAWas würden Lehrer ändern, wenn Sie einen Wunsch frei hätten? Jan-Martin Klinge, 32, wünscht sich vor allem eins: Eltern sollten ihm und seinen Kollegen endlich wieder mehr vertrauen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrergestaendnisse-eltern-ueben-wegen-noten-starken-druck-aus-a-968494.html
Ja, den Mann hat recht, ohne Vertrauen lässt sich so eine wichtige Arbeit nicht erfolgreich erledigen. Und ein Lehrer ist nun mal, was die schulische Ausbildung angeht, kompetenter als die Eltern. Vertrauen will jedoch verdient werden und nun kommen wir zur anderen Seite der Medaille. Wie sehen die Bemühungen der Lehrer aus, sich neben dem Lernstoff auch mit anderen Gegebenheiten auseinander zu setzen? Zum Beispiel dem sinnvollen Einsatz neuer Medienß Schließlich gehen die Kinder damit tagtäglich um!
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