Lehrergeständnisse "Bei dem Kondom musste ich an Sie denken!"

Erfolgserlebnisse für Lehrer? Das können alltägliche Kleinigkeiten oder sogar Unterrichtsstörungen sein, sagt Jan-Martin Klinge, 32. So wie die Geschichte mit dem Präservativ.

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Zur Person
Immer wieder versuche ich meinen Schülern zu vermitteln, wie wichtig mir eigenständiges Denken ist. Statt ihnen nur mathematische Formeln beizubringen, möchte ich sie ermuntern, selbst zu forschen und auszuprobieren.

Echtes Verständnis entsteht nicht, wenn sie mir nur zusehen. Mich freut es, wenn die Klasse, oder zumindest Teile von ihr, ins Grübeln geraten. Und hin und wieder erfahre ich von Schülern sogar, dass sie etwas davon aus meinem Unterricht mitnehmen.

Und jetzt kommen Sie
  • Corbis

    Das Thema der nächsten Folge: Wovor ich im Schulalltag Angst habe.

  • Sie sind Lehrer und möchten zu dem Thema auch gestehen? Dann schicken Sie Ihre kurze Geschichte gern an:

  • Lehrer@spiegel.de
So wie Lisa aus meiner achten Klasse, die sich mitten im Mathematikunterricht so zu Wort meldete: "Herr Klinge, ich habe jetzt verstanden, was ein Präverva.. Präsera… Präservativ ist."

Es gibt diese Momente, da schwant dem Lehrer, dass er seine Stundenplanung wohl wird vergessen können. Trotzdem ließ ich mich auf Lisas abseitige Anmerkung ein und fragte nach, mit hochgezogener Augenbraue: "Ja, Lisa?"

Keiner in der Klasse wusste mit "Präservativ" etwas anzufangen, aber alle Schüler spürten trotzdem, dass nun gleich etwas Amüsantes passieren wird. "Das ist, wenn Mama und Papa Sex haben, aber kein Kind wollen und verhüten. Also, ein Kondom."

"Schön, herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis", entgegne ich. Doch Lisa war noch nicht fertig: "Ja, und bei dem Kondom musste ich direkt an Sie denken!" Irres Gelächter in der Klasse.

Irritiert fragte ich nach, stammelte vielmehr: "Bitte…was?!"

"Ja, der Zusammenhang ist jetzt wichtig! Ich habe das Wort richtig verstanden, und dieser Moment, als ich das kapiert habe - das war wie in Ihrem Matheunterricht. Wenn Sie uns immer sagen, wir sollen die Sachen richtig verstehen!"

Ob Lisa nur eine abseitige Anekdote erzählen wollte, um ihre Mitschüler zu erheitern, weiß ich nicht. Aber wenn sie einen Punkt verinnerlicht hat, den ich für wichtig halte, und ihn dann auch noch vor der Klasse wiederholt, dann soll mir die kleine Unterbrechung mehr als recht sein.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
exHotelmanager 30.06.2014
1. So ist Schule heute wirklich?
Derartige Geschichten erscheinen mir mehr als spektauläre, reizwort behaftete Einzelfälle. In der achten Klassen wissen heute die Schüler längst, was ein Kondom ist. Wer statt "Kondom" in einer Gesamtschule in NRW das Wort "Präservativ" einführen möchte, ist im falschen Schulsystem gelandet. Neinen, einen Lehr-Erfolg erkenne ich hier nicht, nur den Drang, auch mal was in SPON zu schreiben.
StJames 30.06.2014
2. Artikel komplett nicht verstanden
Zitat von exHotelmanagerDerartige Geschichten erscheinen mir mehr als spektauläre, reizwort behaftete Einzelfälle. In der achten Klassen wissen heute die Schüler längst, was ein Kondom ist. Wer statt "Kondom" in einer Gesamtschule in NRW das Wort "Präservativ" einführen möchte, ist im falschen Schulsystem gelandet. Neinen, einen Lehr-Erfolg erkenne ich hier nicht, nur den Drang, auch mal was in SPON zu schreiben.
Nirgends im Artikel steht, dass jemand in der Schule versucht hat, das Wort "Präservativ" zu erklären, schon gar nicht der erzählende Mathelehrer. Es geht einfach darum, dass eine Schülerin irgendwann einen Moment hatte, in der ihr ganz bewusst klar wurde, dass sie nun einen, Ihr vorher fremden, Begriff wirklich verstanden hat. Und dies verglich sie dann mit dem Mathematikunterricht des Erzählers, in der der Lehrer seine Schüler eben auffordert, Dinge wirklich zu verstehen, im Gegensatz zum reinen Auswendiglernen irgendwelcher Formeln. Man könnte auch sagen, die Schülerin hat verstanden, was der Lehrer mit "Verstehen" meint. Vielleicht lesen Sie sich den Artikel einfach nochmal durch und haben irgendwann auch so einen Moment des "Verstehens".
Berg 30.06.2014
3.
Zitat von exHotelmanagerDerartige Geschichten erscheinen mir mehr als spektauläre, reizwort behaftete Einzelfälle. In der achten Klassen wissen heute die Schüler längst, was ein Kondom ist. Wer statt "Kondom" in einer Gesamtschule in NRW das Wort "Präservativ" einführen möchte, ist im falschen Schulsystem gelandet. Neinen, einen Lehr-Erfolg erkenne ich hier nicht, nur den Drang, auch mal was in SPON zu schreiben.
Diese Schülerin hatte mit ihrer Nachbarin gewettet: wetten, dass ich mich traue, dem Mathelehrer das zu sagen?
macinfo 30.06.2014
4. Vielleicht wollte die Schülerin damit einfach nur ausdrücken, ...
dass die Eltern des Lehrers wohl besser "präserviert" hätten. Wenn man bedenkt, dass Schüler oft zu eher despektierlichen Aussagen neigen, vielleicht nicht ganz abwegig.
cs01 30.06.2014
5.
Zitat von macinfodass die Eltern des Lehrers wohl besser "präserviert" hätten. Wenn man bedenkt, dass Schüler oft zu eher despektierlichen Aussagen neigen, vielleicht nicht ganz abwegig.
Haben Sie den Text auch nur ansatzweise gelesen? Oder die Beiträge zuvor.
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