Appell eines ehemaligen Schulleiters Fürchtet euch nicht!

Die Schüler fürchten die Lehrer, die Lehrer fürchten den Schulleiter, der Schulleiter fürchtet die Eltern. Emotionscoach und Ex-Studiendirektor Michael Kobbeloer fragt: Wie schön wäre Unterricht, wenn niemand Angst haben müsste?

Schulangst: Wie viel mehr würden Kinder lernen, wenn sie gern zur Schule gingen?
Corbis

Schulangst: Wie viel mehr würden Kinder lernen, wenn sie gern zur Schule gingen?


Zur Person
  • Michael Kobbeloer
    Michael Kobbeloer, 44, hat gerade um seine Entlassung als Studiendirektor und Leiter einer Fachschule gebeten, denn er wünscht sich vor allem eins: weniger Angst und mehr positive Emotionen in Schulen. Heute arbeitet er als Autor, Trainer und Redner.
  • Mehr Informationen im Internet
"Sie sollen nicht denken, Sie sollen tun, was man Ihnen sagt" - diesen Satz habe ich im Schulalltag oft gehört. Das Führungsverständnis an Schulen ähnelt dem des Industriezeitalters: Zuckerbrot und Peitsche, ein angenehmer Beamtenstatus kombiniert mit Erlassen, Richtlinien und Vorgaben, die mit Druck durchgesetzt werden.

Der Lernstoff ist in Bereiche aufgeteilt, Deutsch, Mathematik, Erdkunde, der Tag in feste Zeiteinheiten, die Klingel läutet die Pausen ein. Landesweit müssen Schüler exakt zur selben Uhrzeit Vergleichstest schreiben. Leistung durch Druck, mehr Inhalte in kürzerer Zeit, Lernen nach DIN Norm.

In diesen Strukturen musste ich erleben, dass Schüler unter Angst leiden, unter Beschämung, Wut, Resignation, mangelnder Wertschätzung - Lehrer und Eltern übrigens auch. Warum lernen Lehrer nicht, mit Emotionen umzugehen? Das würde ich sofort ändern.

Und jetzt kommen Sie
  • Corbis

    Das Thema der nächsten Folge: mein größtes Erfolgserlebnis in der Schule.

  • Sie sind Lehrer und möchten zu dem Thema auch gestehen? Dann schicken Sie Ihre kurze Geschichte gern an:

  • Lehrer@spiegel.de

Was Angst und Stress bewirken, habe ich erst im Selbststudium gelernt - weder an der Uni noch im Referendariat war und ist das ein Thema. Die wirtschaftlichen Folgen von Angst in Unternehmen beziffert der Emotionsökonom Winfried Panse auf zig Milliarden Euro jährlich.

Und was ist mit Angst im Bildungssystem? Wie viel Lernverlust kostet uns das? Schüler haben Angst vor dem Versagen, Angst vor Lehrern, Mitschülern und ihren Eltern. Eltern haben Angst um die Zukunft ihrer Kinder und vor der Macht der Lehrer. Lehrer haben Angst vor Schülern, Eltern, dem Schulleiter. Schulleiter haben Angst vor Ministerien.

Angst verhindert vor allem eines: Lernen. Deswegen müssen Lehrer endlich etwas über die Mutter aller Emotionen lernen. Ich würde an Schulen vor allem für eins sorgen: für Wertschätzung, Sicherheit und Geborgenheit.

Alle bisher veröffentlichten Lehrergeständnisse finden Sie hier.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
ronald1952 29.07.2014
1. Das ist doch richtig schönes Gelabere
Zitat von sysopCorbisDie Schüler fürchten die Lehrer, die Lehrer fürchten den Schulleiter, der Schulleiter fürchtet die Eltern. Emotionscoach und Ex-Studiendirektor Michael Kobbeloer fragt: Wie schön wäre Unterricht, wenn niemand Angst haben müsste? http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrergestaendnisse-zu-viel-angst-bei-schuelern-lehrern-und-eltern-a-971678.html
nicht umsonst heißt es Schulpflicht. Natürlich steckt Druck dahinter, aber sind wir doch mal Ehrlich wieviele Eltern würden den ihre Kinder freiwillig zur Schule schicken oder wieviele Kinder und Jugendliche würden garnicht erst hingehen ohne die Schulpflicht? Hätten wir keine Schulpflicht, so hätten wir ein Land voller Dummköpfe, auch wenn dies nicht jeder Wahrhaben möchte. Und es ist wie bei allem was man gezwungermaßen zu tun hat, es macht kaum Spaß nur manchmal eben. Aber die Generation der Weicheier hat ja immer etwas aus- zusetzen und wenn nicht wird was gefunden. Die Angst die oft Schüler haben, kommt selten von den Lehrern oder der Schule, sonder meist von den Eltern die ihren Kindern unglaublichen Druck wegen der Zeugnisse machen. schönen Tag noch,
RavenousBugbladderBeast 29.07.2014
2. Also wieder einmal die Lehrer?
"Angst verhindert vor allem eines: Lernen. Deswegen müssen Lehrer endlich etwas über die Mutter aller Emotionen lernen." Dieser Satz verlagert _wieder einmal_ die Verantwortung auf diejenigen, an denen im Schulsystem am meisten gezerrt wird: die Lehrer (wen auch sonst). Was, bitte, sollen die Lehrer am bestehenden System ändern, wenn ihnen nicht die dazu notwendigen Werkzeuge an die Hand gegeben werden? Wenn ständig von allen Seiten Einzelinteressen auf sie einprasseln? Wenn das System ihnen andauernd neue Steine in den Weg legt? Wenn die Politik sie _niemals_ bei strukturellen Veränderungen einbezieht? Wenn die Gesellschaft und deren Kinder eine Einstellung zur Bildung hat, die Bildung an sich bereits be- oder sogar verhindert? Ein Schulsystem ist immer eine direkte Folge der Gesellschaft, in die es eingebettet ist - und deren Geisteshaltung zur Bildung. In Deutschland wird das Recht auf Bildung einseitig verstanden: Bildung kann nur gelingen, wenn alle daran Beteiligten ihren Teil dazu beitragen - und das meint ausdrücklich auch Schüler, Eltern und das System an sich. Immer nur die Hand aufhalten und zu erwarten, dass die Lehrer die eigenen Vorstellungen erfüllen müssen, ist nicht Bildung! Wir müssen Bildung endlich wieder als etwas begreifen, für das man etwas leisten muss, als Bringschuld derjenigen, die gebildet werden wollen oder sollen! Und kommt mir bitte nicht wieder mit irgendeinem fehlgeleiteten Vergleich zwischen Schule und Wirtschaft. Eine Schule ist kein Betrieb, Schüler und Eltern keine Kunden! Bildung ist keine Ware, die man kaufen kann!
fatherted98 29.07.2014
3. Ja das wäre schön...
...wenn man keine Angst haben müßte in die Schule zu gehen. Das hat aber eigentlich nichts mit Lehrern oder Schulleitern zu tun...sondern mit äußerst brutalen Mitschülern die einem das Leben zu Hölle machen und die weder gemaßregelt noch zur Verantwortung gezogen werden. Der Knackpunkt bei vielen Kindern die Angst vor der Schule haben ist Mobbing und Prügel von den Mitschülern...der Lehrer spielt da eine sehr traurige Rolle des Zuschauers (wenn er denn hinschaut).
Stephan Goldammer 29.07.2014
4.
Ohne Bedingungsloses Grundeinkommen wird sich hier nie etwas ändern, da kann Herr Kobbeloer noch so viel richtige Dinge sagen. Es fehlt ja nicht an den richtigen Gedanken, sondern am allgemeinen Engagement sie umzusetzen.
analyse 29.07.2014
5. Wertschätzung,Sicherheit,Geborgenheit -genau das haben die 68er
systematisch bekämpft,das wirkt bis heute noch nach.Dazu eine Reform nach der anderen,und möglichst alle Abitur machen und studieren !
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